Christus in allen

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Pfingsten ist zwar vorbei, aber in diesen Tagen gab es eine Aussage in der Pfingstgeschichte, die mich immer noch bewegt: „Und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.“ Im vorherigen Kapitel werden ein paar Leute erwähnt, die da waren: einmal die 11 Jünger und dann noch eine Reihe an Frauen und noch viele Andere.

Auf sie alle kommt an Pfingsten der Heilige Geist und erfüllt sie. Gott macht keine Unterschiede – sie alle werden von seinem Geist erfüllt. Da gibt es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Da gibt es keine Unterschiede zwischen den ideologischen Gesinnungen oder den Berufen, die sie zuvor ausgeübt hatten. Da bekommt der ehemalige Zöllner Matthäus den Heiligen Geist wie auch Simon der Zelot.

Gott macht keine Unterschiede. Zu seinem Reich und zu seiner Gemeinde gehört jeder und jede dazu. Das ist ein roter Faden, der sich durch die gesamte Bibel hindurch zieht. Paulus schreibt in 1. Korinther 3,11: „Da ist nicht mehr Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Sklave, Freier, sondern alles und in allen Christus.“ Das waren für die damalige radikale Worte. Die Trennung zwischen Juden und Heiden und zwischen Sklaven und Freien wurde damit aufgehoben. Das war ein Skandal.

Und doch ruft Paulus in diesem und in den nachfolgenden Versen die Gläubigen in Korinth, die super zerstritten miteinander waren, auf, sich als gleichwertig anzusehen und sich gegenseitig zu lieben. Wir alle sind in Christus und er soll durch jeden von uns hindurch scheinen. Wenn wir den Anderen sehen, dann sehen wir eben nicht mehr das Trennende, sondern dann sehen wir Christus.

In diesen Tagen gehen die Bilder von George Floyd durch die Medien. Sein Tod macht betroffen. Jetzt ist Amerika natürlich weit weg, aber haben wir nicht auch hier in Deutschland immer noch mit Rassismus zu kämpfen? Während der Corona-Krise war immer wieder davon zu lesen, dass asiatisch aussehende Menschen in Deutschland auf der Straße angespuckt oder angehustet wurden. Oder ich erinnere an die Anschläge in Hanau im Februar diesen Jahres – noch gar nicht so lange her. Und die sozialen Medien machen es deutlich, dass es auch in Deutschland Menschen mit einer anderen Hautfarbe sehr schwer haben und immer wieder auf Fremdenhass stoßen.

Lasst uns da als Christen mit gutem Beispiel voran gehen und diesem Hass die Stirn bieten. Lasst uns aufstehen gegen Hassparolen, rassistischen Witzen und blöden Sprüchen. „Christus in uns allen“ ist das neue und doch gleichzeitig alte Motto.

Warum?!

Ich möchte euch heute in einen Psalm mit hineinnehmen, der zu einem meiner Lieblingspsalmen geworden ist. Er stammt von Asaph. Asaph war zur Zeit Davids der Chorleiter schlechthin – vielleicht vergleichbar mit Paul Gerhardt. Man kannte ihn – er war in ganz Israel bekannt. Er war eine Berühmtheit für die Menschen seiner Zeit. In 2. Chronik 29 wird er sogar als „Seher“ bezeichnet. Asaf war also eine geistliche Führungspersönlichkeit in dieser Zeit.

Sein Psalm beginnt mit den Worten: „Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind.“ (Psalm 73,1) Das klingt doch wunderbar, oder? Das ist ein Satz, den schon viele für sich erlebt haben. Gott ist da und er tröstet. Was ist aber, wenn ein Schicksalsschlag auf den nächsten folgt und ein tiefes Tal auf das Nächste? Was, wenn man über eine längere Zeit hinweg nur noch vom Regen in die Traufe gerät?

Ich bin froh, dass es in der Bibel nicht nur die Halleluja-Wohlfühlpsalmen gibt, sondern auch die Klagepsalmen. Psalmen, in denen die Schreiber ihr ganzes Leid rausschreien und wo man ihre gesamte Verzweiflung zu spüren bekommt. Der Psalm 73 ist einer davon. Er beginnt damit, dass Gott gut ist. Aber dann schaut sich Asaph um und was er da so sieht, gefällt ihm gar nicht.

Asaph wuchs in einem Schwarz-Weiß-Denken auf. Wer Gott folgt, dem geht es gut – der ist gesegnet. Wer böses tut, wird bestraft. Und jetzt schaut er sich die Gottlosen an und muss feststellen, dass es ihnen so richtig gut geht. Ihnen, die so richtig böse sind, geht es so richtig gut.

Und Asaph baut in diesem Psalm diesen Kontrast deutlich auf: Auf der einen Seite sind die Gottlosen, denen es gut geht. Und auf der anderen Seite ist er, der wirklich versucht, Gott treu zu sein und ihm geht es so richtig schlecht. Das passt nicht zusammen. Eigentlich müsste es nach dem Segen-Fluch-Prinzip doch gerade andersherum sein.

Wie Hiob findet er keine Erklärung für sein Leid. Was nicht sein dürfte, ist geschehen. Ihm – dem Treuen – geht es schlecht. Er leidet und er versteht die Welt nicht mehr. Ich bin froh, dass es einen Psalm wie diesen hier gibt. Ja, es gibt Situationen, wo Gott ganz weit weg zu sein scheint und wo wir ihn nicht mehr zu verstehen scheinen. Wie gut ist es da, wenn man einen Ort hat, wo man ehrlich über seine Gefühle sprechen kann und wo auch diese Verzweiflung ausgehalten wird.

Asaph hat für sich so einen Ort gefunden. Er behält seine Fragen und Zweifel nicht für sich – er bringt sie ins Heiligtum. Das Heiligtum war ein Synonym für die Gegenwart Gottes. Wo das Heiligtum war, war auch Gott gegenwärtig. Asaph bringt sie ins Heiligtum – er bringt seine Zweifel und Fragen zu Gott. Er klagt ihm sein Leid. Er bleibt damit nicht allein. Und diese Begegnung mit Gott bewirkt in ihm einen Perspektivwechsel. Auf einmal sieht er die Dinge aus einem anderen Blickwinkel – nämlich vom Ende her.

Und da schaut es für die Gottlosen düster aus. Auch wenn es ihnen hier auf der Erde vermeintlich gut zu gehen scheint – abgerechnet wird erst am Ende. Und irgendwann kommt der Zahltag, wo auch die Bösen Rechenschaft über ihr Tun ablegen müssen. Diese Erkenntnis lässt Asaph demütig werden. Er erkennt, wie wenig er eigentlich weiß.

Aber er bleibt bei dieser Erkenntnis nicht stehen. Er trifft für sich eine Entscheidung:

„Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Denn siehe, die von dir weichen, werden umkommen; du bringst um alle, die dir die Treue brechen. Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte / und meine Zuversicht setze auf Gott den HERRN, dass ich verkündige all dein Tun.“

Asaph will sich an Gott festhalten. Er will seine Hand nicht loslassen. Er will sich weiterhin von Gott führen und leiten lassen. Er weiß: Gott hält mich! So wie ein Vater sein Kind an der Hand hält und es begleitet, so begleitet Gott auch ihn und uns. Und deshalb möchte Asaph nur Gott allein zu seinem Trost und Halt machen.

Wenn Menschen in Nöte und Krisen geraten, suchen sie nach Antworten. Und je krasser die Krise ist, umso weniger geben sie sich mit vermeintlich leichten Antworten zufrieden. Da werden Schuldige und Verantwortliche gesucht. Im Mittelalter wurden die Juden fälschlicherweise verdächtigt, die Brunnen vergiftet zu haben. Durch die vergifteten Brunnen sollte sich angeblich die Pest verbreiten. Heute sind die vermeintlich Schuldigen Bill Gates, die WHO und die Politiker. Auch heute florieren alle möglichen Verschwörungstheorien. Die Erklärungen sind meist Schwarz-Weiß. Es gibt eine klare Gruppe von Schuldigen und komplizierte und komplexe Zusammenhänge werden dadurch sehr vereinfacht. Dadurch finden die Leute Halt. Das, was sie zuvor noch verunsichert hat, gibt es durch diese Erklärungen nicht mehr.

Asaph hört auf, nach Erklärungen zu suchen. Er hört auf damit, hinter den Vorhang schauen zu wollen. Er entscheidet sich vielmehr alles auf eine Karte zu setzen – auf seine Beziehung mit Gott: „Wenn ich nur dich habe, so frage ich NICHTS nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“ Nur noch bei Gott will er seinen Trost suchen – nicht mehr im Vergleich mit Anderen, nicht mehr in der Suche nach Erklärungen. Er will das Unerklärbare stehen lassen und allein auf Gott vertrauen.

Wo suchst Du Halt in Krisenzeiten? In den Erklärungen, warum und wieso es zu dieser Krise kam? Suchst Du Halt und Ablenkung in der Arbeit, die Du hast oder im Medienkonsum oder im Essen oder oder oder? Wir Menschen haben verschiedene Strategien, um mit den Ängsten klarzukommen, die in den Krisen hervorbrechen. Der 73. Psalm macht uns bewusst, dass uns das aber nicht weiterhilft. Die einzige Möglichkeit, um Krisen zu überwinden, ist die Beziehung mit Gott. Für Asaph änderte sich alles, als er in den Tempel ging – in die Gegenwart Gottes. Diese Begegnung mit Gott machte es ihm möglich, die Situation mit neuen Augen zu sehen und unerwartete Antworten zu finden. Aber nicht diese Antworten gaben ihm den Halt, sondern seine Begegnung mit Gott.

Und diese Begegnung machte es ihm möglich, sich am Ende sogar wieder zu freuen. „Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte.“ Seine äußere Situation hat sich nicht geändert. Das Leid ist immer noch da. Aber er konzentriert sich nicht mehr darauf. Indem er in das Heiligtum – in die Gegenwart Gottes geht – findet er Trost, Halt und kann sich am Ende sogar wieder freuen trotz der Umstände.

Der Psalm 73 macht Mut, gerade in den schwierigen Zeiten Gott zu suchen und die Beziehung mit ihm einzugehen. Auch wenn es keine Antworten auf alle offenen Fragen zu geben scheint – letzten Endes ist die Beziehung mit Gott alles was zählt.

Sehnsucht

Insel Pag - Povljana
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Es ist kaum zu glauben, aber wir haben jetzt bereits schon das 10. Wochenende in Quarantäne vor uns. Vor vielen Wochen drehte ich meine erste Videoandacht in der Adventgemeinde Kiel. Ich weiß noch, wie dazu jemand in der Whatsapp-Gruppe meiner Gemeinde kommentierte: Schön, die Kapelle zu sehen!

Für die Meisten von uns ist die Sehnsucht danach, sich wiederzusehen, gemeinsam sich  versammeln und Gottesdienst feiern zu dürfen immer mehr gewachsen im Lauf der letzten Woche. Wir sehnen uns danach, uns zu sehen und Gemeinschaft zu haben – nicht nur über WhatsApp, sondern in natura. In den Psalmen gibt es einen Psalm, der besonders von einer Sehnsucht nach einer ganz besonderen Heimat spricht. Das ist der Psalm 84 und den möchte ich euch vorlesen.

„Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott. Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar. Sela.

Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln! Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, / wird es ihnen zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen. Sie gehen von einer Kraft zur andern und schauen den wahren Gott in Zion. HERR, Gott Zebaoth, höre mein Gebet; vernimm es, Gott Jakobs! Sela.

Gott, unser Schild, schaue doch; sieh an das Antlitz deines Gesalbten! Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause als wohnen in den Zelten der Frevler. Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild; / der HERR gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. HERR Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!“

Der Psalm stammt von den Korachitern. Er stammt aus der Zeit nach der Gefangenschaft in Babylon. Die Korachiter gehörten zu den Leviten – also zu den Israeliten, die quasi fast schon im Tempel wohnten – für die der Tempel der Arbeitsplatz war und die damit im Idealfall eine ganz besonders enge Beziehung mit Gott hatten. In diesem Psalm kann man ihre Sehnsucht nach der Nähe Gottes ganz besonders spüren. Gott ist für sie Heimat.

Aber nicht nur für sie, sondern auch für die ganzen Pilger, die zu den großen Festen wie dem Passahfest nach Jerusalem pilgerten. Sie sangen während ihrer Wanderung verschiedene Lieder. Eines davon dürfte der Psalm 84 sein.

Wenn ich mir so den Psalm anschaue, dann scheint er tatsächlich einer kleinen Pilgerreise zu ähneln. Er ist in drei Teile aufgeteilt.

Im ersten Teil – in den Versen 1-5 ist unser Pilger noch nicht aufgebrochen. Da wird von der Sehnsucht gesungen, wie schön es doch in den Wohnungen Gottes sei. Da ist das Sehnen groß. Da wird die wahre Heimat von uns Menschen beschrieben – die Wohnungen Gottes. Dort gibt es Schutz und Sicherheit. Die Schwalbe kann dort in Ruhe ihre Jungen aufziehen. Und wer dort wohnt, kann nicht anders als jederzeit Gott zu loben und zu preisen. Was für ein wunderbarer Ort muss das sein!

Und so machen sich die Pilger auf die Reise. Das Wandern dort in Israel ist beschwerlich – es gibt fast nur Berge. Das ist kein gemütliches Spazierengehen, sondern das kann ganz schön hart sein. Da wird es immer wieder Situationen geben, wo sie neue Kraft brauchen werden. Daher sollen sie Gott für ihre Kraftquelle halten. Sie sollen immer wieder ihre Batterien bei ihm aufladen.

Und dann werden sie erleben, dass auch das Tal der Tränen, des Leides ihnen zu einem Ort der Erfrischung wird – zu einem Ort, wo sie neue Kraft schöpfen können, wo sie wieder neu belebt werden. Der Frühregen sorgt in Palästina dafür, dass die Pflanzen anfangen zu sprossen. Durch ihn kommt wieder Leben ins sonst so dürre Land. Wenn der Frühregen fällt, wird es wieder grün in Israel. Auch wenn die Pilger auf ihrer Wanderung so manch dürres Tal erleben und so manchen Tiefpunkt, so muss das nicht so bleiben. Wenn sie Gott zu ihrer Quelle machen, dann werden sie erleben, dass ihr dürres Tal wieder anfängt zu blühen, weil es nur so von den Segnungen Gottes her überfließt.

Im dritten Teil ab V. 10 kommt der Pilger endlich an und er erkennt: „Es gibt tatsächlich nichts besseres als in Gottes Nähe zu sein.“ Gott ist das Licht, das das Dunkle im Leben vertreibt und er ist der Schutz, den er auf der langen Reise braucht. Wer bei Gott endlich angekommen ist, dem wird es gut gehen.

Und wie sieht es bei uns aus? Wie ist es um unsere Sehnsucht nach Gott bestellt? Vielleicht verspürst Du die Sehnsucht nach Gott gerade in Deinem Herzen. Dann möchte ich Dich einladen – begib Dich auf die Reise. Öffne Dein Herz für Gottes Gegenwart!

Vielleicht hast Du Dich schon auf die Reise gemacht und erlebst gerade so ein Tal der Tränen – eine Zeit, die schwierig ist, wo Dir die Kraft fehlt. Gott möchte Dir die Kraftquelle sein. Mit ihm kannst Du von Kraft zur Kraft gehen. Bei ihm kannst Du immer wieder neu auftanken, wenn Du denkst, es geht nicht mehr.

Auf unserer Reise mit Gott gibt es die großartigen Momente – die wunderbaren Gipfel und Höhepunkte. Und dann gibt es Tage wie heute, die grau und trist sind und wo uns die Kraft zu fehlen scheint. Aber wenn wir mit Gott auf unserer Reise unterwegs sind und ihm nachfolgen, dann werden wir erleben, wie das Tränental sich in ein Tal der Freude umwandelt und wie wir auch düsteren Zeiten immer wieder Gottes Segen erleben.

In dem Film „Gott ist nicht tot“ gibt es zwei Pastoren, die sich gegenseitig immer wieder daran erinnern, dass Gott gut ist. Da ruft der eine dem Anderen zu: „Gott ist gut“ und der andere antwortet mit: „allezeit.“ Daraufhin wieder der erste „Und allezeit“ und der andere antwortet darauf „ist Gott gut.“ Gott ist gut allezeit. Und allzeit ist Gott gut. Das ist die Botschaft dieses Psalms. Gott ist gut zu uns – in den Höhen und auch in den Tiefen unseres Lebens. Er begleitet uns und ist unsere Kraft – insbesondere in unseren schwachen Zeiten. Ja, es stimmt – Gott ist gut allezeit. Und allezeit ist Gott gut. Amen.

Gott ist treu

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Marlies Schwarzin  / pixelio.de

Letzte Woche ist die zweite Staffel von „The Masked Singer“ zu Ende gegangen. Fauli das Faultier alias Schauspieler Tom Beck hat gewonnen. Wem das nichts sagt, sei das Showkonzept kurz erklärt: 10 Prominente verkleiden sich in aufwendigen Kostümen und müssen in jeder Show ein Lied performen. Am Ende einer jeden Show stimmen die Zuschauer ab und der Prominente mit den wenigsten Stimmen muss seine Maske lüften und somit seine Identität verraten. Von März bis Mai haben dadurch tausende Zuschauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz gerätselt, wer hinter dem Faultier, dem Wuschel, dem Drachen, dem Hasen und vielen anderen Masken stecken könnte. Verschiedene Hinweise sollten den Zuschauern helfen, die Lösung zu finden. Wer die Stars sehr gut kannte, konnte anhand der Stimme, der Gestik und den Hinweisen die Identität hinter den Masken entschlüsseln. So wurde im vergangenen Jahr der Comedian Bülent Ceylan an seinen Fingern erkannt. Auch wenn sich die Stars alle Mühe gaben, nicht entdeckt zu werden – bei vielen von ihnen gab es dann doch Merkmale, die sie verrieten.

Die Bibel erzählt davon, dass Gott auch so ein Merkmal hat, das immer durchscheint – egal wie die Umstände auch sein mögen. Gott kann einfach nicht anders – es macht den Kern seines Wesens aus: „Sind wir untreu, so bleibt er treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“ (2. Timotheus 2,13)

Gott ist und bleibt treu! Auch wenn wir manchmal schwierig sind, auch wenn wir manches Mal von ihm davonlaufen oder ihn wie Petrus verleugnen – Gott ist uns treu. Er steht zu uns und hält an der Freundschaft mit uns fest. Das ist sein Erkennungsmerkmal. Und darauf dürfen wir uns verlassen: Gott verändert sich nicht. Er ist die Konstante. Egal, was auch immer er tut – seine Liebe und seine Treue scheinen immer durch. Er kann nicht anders.

Und wenn wir zu ihm JA sagen, dann bekommen wir ebenfalls so ein Erkennungsmerkmal, das durch uns hindurch scheint und uns als seine Jünger identifiziert: „An eurer Liebe zueinander wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid.“ (Johannes 13,35 Hoffnung für alle)

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Radka Schöne  / pixelio.de

Die Liebe wird zu unserem Erkennungsmerkmal. Die Art und Weise wie wir miteinander in guten wie in schlechten Zeiten umgehen, lässt andere Menschen erkennen, zu wem wir gehören. Wie gehe ich mit Anderen um? Bin ich anderen auch gegenüber treu – auch wenn sie sich nicht so verhalten, wie ich es gerne hätte? Stehe ich zu Anderen, auch wenn sie schwierig sind (ich bin es vielleicht an manchen Stellen auch)? Gehe ich mit Anderen durch dick und dünn?

„Euch aber schenke der Herr immer größere Liebe zueinander und zu allen anderen Menschen – eine Liebe, wie wir sie euch gegenüber haben.“ (1. Thessalonicher 3,12 Hoffnung für alle)

Hilfe in schwierigen Zeiten

Zug Essen
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Der heutige Losungstext lautet: „Ist denn die Hand des HERRN zu kurz?“ (4. Mose 11,23 Luther 2017). Das Volk Israel befand sich in der Wüste. Essenstechnisch waren sie versorgt – Gott gab ihnen jeden Tag Manna zu essen und mittlerweile waren ihre Kochkünste schon soweit gediehen, dass sie sogar Kuchen aus Manna backen konnten. Und doch hatten sie Appetit auf mehr. Sie wollten wieder Fleisch – so wie in Ägypten. Und ihr Jammern wurde so laut, dass sich Mose irgendwann darüber bei Gott beklagte. Ihm war alles zuviel. Er wollte sich nicht mehr mit diesem Volk rumschlagen.

In dieser Situation verspricht Gott Mose, dass er dem Volk einen Monat lang Fleisch geben würde. Und als Mose dann hochrechnete, dass er es doch gar nicht schaffen würde, so viele Menschen einen Monat lang mit Fleisch zu versorgen, sagte ihm Gott: „Ist denn die Hand des Herrn zu kurz?“ (4. Mose 11,23 Luther 2017).

Mose hatte unzählige Wunder mit Gott erlebt und doch wusste er nicht, wie er in dieser konkreten Situation den Wünschen des Volkes nachkommen soll. Woher nehmen und nicht stehlen? Mose vergisst für einen Moment, dass er es mit Gott zu tun hat – mit dem Möglichmacher, dem Allmächtigen, dem Schöpfer. Er sieht nur die Realität wie sie sich ihm anbietet und übersieht dabei die Möglichkeiten, die vor ihm liegen.

Ich bin froh, dass die Bibel nicht nur von Menschen handelt, die geistliche Überflieger waren. Auch ein Mose war so sehr in seiner Realität gefangen, dass er die Möglichkeiten, die Gott ihm bot, nicht sehen konnte. Geht es uns nicht manchmal genauso? Da sehen wir nur die Schwierigkeiten, die vor uns liegen. Wir fragen uns, wie wir die nächsten Tage, Wochen, Monate überstehen sollen und vergessen dabei ganz leicht, den Blick auf den zu richten, der alles kann und für den nichts zu schwer ist.

Gott fragt auch uns heute: „Ist denn die Hand des HERRN zu kurz?“ Was antworten wir darauf? Lasst uns den Blick immer wieder neu auf den richten, der alles kann und dessen Hand eben nicht zu kurz ist. Seine Hilfe ist auch heute für uns da – auch in Zeiten von Corona.

Gottes Stimme hören…

Insel Pag - Povljana
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Zur Zeit geschieht etwas Seltsames. Auf einmal habe ich wieder Kontakt mit Leuten, mit denen ich das letzte Mal vor Jahren geschrieben habe – und das alles nur, wegen Corona. Auf einmal bin ich auf Facebook und in den sozialen Netzwerken aktiver, poste Fotos von Bildern, die ich gemalt habe oder andere Dinge und auf einmal habe ich wieder Kontakt. Und das ist schön. Gerade in Zeiten, wo eine räumliche Distanz aufgebaut wird, fällt sie doch gleichzeitig in sich zusammen. Auf einmal rücken mir meine Freunde aus der ganzen Welt viel näher und wir haben einen engeren Kontakt als noch vor ein paar Wochen. Fernbeziehung ist auf einmal in. Wo mir vorher Zeit für die Kontaktpflege fehlte, habe ich sie auf einmal. Und es ist schön, sich mit alten Freunden mal wieder auszutauschen. Das neue Miteinander tut gut. Und ich lerne diese Art der Kommunikation ganz neu zu schätzen.

Heute las ich in meiner Morgenandacht 1. Samuel 16. Darin wird die Geschichte geschildert, wie David zum König gesalbt wird. Dort heißt es am Ende der Begebenheit: „So ließ Isai David holen. Er war ein gut aussehender junger Mann, mit rötlichen Haaren und schönen Augen. »Das ist er«, sagte der HERR zu Samuel, »salbe ihn!«“ (1. Samuel 16,12 Hoffnung für alle)

Wenn ich früher diese Geschichten las, dachte ich immer: „Muss es nicht schön sein, so eng mit Gott verbunden zu sein, dass man seine Stimme hört?“ Ich habe Gottes Stimme bis heute nicht akustisch gehört. Ich weiß nicht wie sie klingt. Aber ich habe schon erlebt, dass er mit mir gesprochen hat. Mal waren es Gedanken und Eindrücke, die ich hatte, mal war es eine Predigt oder Bibeltexte oder Lieder oder durch andere Menschen.

Gott hat nie aufgehört zu sprechen. Er spricht pausenlos zu uns. Er ist wie ein Radiosender, der 24 Stunden am Tag seine Botschaft hinaus sendet. Die Frage ist nur: Habe ich mein inneres Radiogerät auf Empfang gestellt?

Und ja, da gibt es manchmal Störgeräusche, da gibt es manchmal andere Sender, die interessanter zu sein scheinen und manchmal gibt es auch Zeiten, wo man nicht hören will. Das Positive ist: Gott freut sich, wenn wir einschalten und auf seine Frequenz gehen. Wenn wir hören wie Samuel hörte. Er ist nicht nachtragend. In jeder Lage unseres Lebens ist er da und bietet uns sein offenes Ohr und sein gutes Wort an. Er will uns trösten und er hat Worte des Lebens für uns.

Ich habe in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder die Ohren besonders intensiv auf Empfang gestellt und ich habe mehr als einmal erlebt, wie Gott genau in meine Situation hinein gesprochen hat.

Wenn Du bisher noch nie erlebt hast, dass Gott zu Dir gesprochen hat, dann lade ich Dich zu einem Experiment ein: Suche Dir einen Moment der Stille im Lauf des Tages. Ich nutze dafür gerne den Morgen. Ich lese einen Bibeltext und denke darüber nach – warum ist mir dieser Vers wichtig geworden? Was will Gott mir damit sagen? Und dann gehe ich ins Gebet. Ich erzähle Gott von meinen Gedanken zu diesem Bibeltext. Und ich frage ihn aber auch, was er mir damit sagen möchte. Und dann bin ich einfach nur still. Wenn mir Gedanken kommen, schreibe ich sie auf – so wie ich sie gerade denke und ohne sie zu werten. Das mache ich so lange bis „nichts“ mehr kommt.  Dann gehe ich das Geschriebene nochmal durch und prüfe, ob das meine Gedanken sind oder Gottes Gedanken. In manchen Fällen lässt sich das ganz leicht unterscheiden, aber nicht immer. Wenn es für mich nicht eindeutig ist, lasse ich die Sätze für mich stehen. Manchmal verstehe ich auch erst ein paar Tage später, was Gott mir damit sagen wollte.

In dem Buch Jesaja heißt es: „Er weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören.“ (Jesaja 50,4 Luther 2017) Hast Du heute schon Gottes Stimme gehört?

Das Beste kommt noch

Urlaub St.-Peter-Ording
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

In den letzten Tagen haben mir Leute ganz unabhängig voneinander von ihrer Angst vor dem Virus erzählt und wie zum Teil bei ihnen die Panik immer größer wird. Und dann kam immer wieder die Frage an mich: Hast Du denn keine Angst? Erst vor einer Woche las ich, dass es nun mittlerweile auch bei uns im Stadtteil eine Person infiziert ist und eine ganze Reihe an Leuten, die gleichzeitig mit dieser Person in einem der hiesigen Supermärkte eingekauft hatten, nun unter Quarantäne stehen. Zum Glück war ich an jenem Tag nicht einkaufen. Auf einen Schlag rückt dieses Virus näher – da ist es nicht mehr in China, Italien oder Hamburg. Auf einmal ist es bei mir vor der Haustür. Ja, da war ich schon etwas beunruhigt.

Aber gerade Ostern zeigt mir: Covid-19 hat nicht das letzte Wort. Es gibt da einen, der stärker ist und der den Tod besiegt hat. Jesus ist auferstanden! Er hat dem Tod die Macht genommen.

Paulus schreibt in 1. Korinther 15,54-58: „Wenn aber dieser vergängliche und sterbliche Körper unvergänglich und unsterblich geworden ist, dann erfüllt sich, was die Heilige Schrift vorausgesagt hat: »Das Leben hat den Tod überwunden! Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo bleibt nun deine Macht?« Die Sünde ist wie ein Stachel, der tödliches Gift in sich trägt. Durch sie hat der Tod seine Macht, und die Sünde hat ihre Kraft durch das Gesetz. Aber Dank sei Gott! Er schenkt uns den Sieg durch Jesus Christus, unseren Herrn! Bleibt daher fest und unerschütterlich in eurem Glauben, meine lieben Brüder und Schwestern! Setzt euch mit aller Kraft für den Herrn ein, denn ihr wisst: Nichts ist vergeblich, was ihr für ihn tut.“

„Das Leben hat den Tod überwunden! … Er schenkt uns den Sieg durch Jesus Christus, unseren Herrn!“ In der Lutherübersetzung ist dieser Satz in V. 54 folgendermaßen ausgedrückt: „Der Tod ist verschlungen in dem Sieg!“ Mir gefällt dieses Bild, dass der Sieg so überwältigend ist, dass der Tod darin quasi verschluckt wird. Er hat keine Chance, gegen die Auferstehung anzukommen. Das gibt mir Hoffnung. Denn ich weiß dadurch: Das Beste kommt noch!

Das alles hier ist nur die Vorspeise. Ich habe in den letzten Jahren immer wieder liebe Menschen durch den Tod verloren. Und auch die Not, die jetzt durch den Lockdown und die gesamte Corona-Krise kommt, lässt mich nicht kalt – genauso wenig wie das Leid durch Naturkatastrophen und Kriege usw. Aber was mir hilft, in diesen Zeiten durchzuhalten, ist diese Hoffnung, die wir durch die Geschehnisse an Ostern haben dürfen: Die Hoffnung auf die Auferstehung und das ewige Leben. Dadurch dürfen wir wissen: Gott hält immer noch die Kontrolle in seinen Händen. Er ist am Ende der Sieger und damit hat der Tod an Schrecken verloren. Er ist nur ein kurzes Intermezzo. Er hat nicht das letzte Wort und er ist nicht der Schlussakkord unseres Lebens. Das Beste kommt noch – nämlich Gottes neue Welt!

Ich habe mir gestern früh meine Gitarre geschnappt und habe mich am Strand hingesetzt und habe gesungen. Ich habe Gott gelobt. Und da ist mir wieder mal bewusst geworden, was für einen großen und guten Gott wir doch haben. Wir haben Hoffnung, weil er lebt. Weil er lebt, ist die Angst vorbei. Weil er lebt, hab ich Mut für morgen. Und ich darf wissen: Mein Erlöser lebt!

Weil er lebt, habe ich Hoffnung!

Mauer mit Fenster
Foto: J. Mueller/nachgedachtblog

Wenn man sich so in der Vorbereitung auf Ostern befindet, bleibt es nicht aus, dass man sich noch einmal die Geschehnisse rund um Karfreitag, Karsamstag und den Ostersonntag vor Augen führt. Was müssen das für Tage für die Jünger gewesen sein! Erst das schöne Abendmahl mit ihrem Herrn und Meister, dann der Schock, als er gefangen weggeführt wurde. Das Unfassbare und Undenkbare war geschehen! Er, von dem sie dachten, dass er die bösen Römer aus dem Land vertreiben würde, wurde von einem von ihnen verraten und gefangen genommen. Und sie konnten nichts dagegen tun!

Petrus hatte es ja noch versucht, aber es hatte alles nichts genützt. Jesus wurde verhaftet, erst vor das damalige „Kirchengericht“ gestellt, dann zu den weltlichen Herrschern gebracht, schließlich verurteilt, ausgepeitscht und dann zum Schluss ans Kreuz genagelt. Wie hilflos, geschockt und völlig verängstigt müssen sich seine Jünger da gefühlt haben. Ihre Welt brach in diesen Stunden zusammen. Nichts war mehr wie vorher.

Und dann kam am nächsten Morgen der nächsten Schrecken:

„Am Abend, als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Salome und Maria, die Mutter von Jakobus, wohlriechende Öle, um den Leichnam von Jesus zu salben. Früh am Sonntagmorgen, gerade als die Sonne aufging, kamen die Frauen damit zum Grab. Schon unterwegs hatten sie sich besorgt gefragt: »Wer wird uns nur den schweren Stein vor der Grabkammer beiseitewälzen?« Umso erstaunter waren sie, als sie merkten, dass der riesige Stein nicht mehr vor dem Grab lag. Sie betraten die Grabkammer, und da sahen sie auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der ein weißes Gewand trug. Die Frauen erschraken sehr. Aber der Mann sagte zu ihnen: »Habt keine Angst! Ihr sucht Jesus aus Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist nicht mehr hier. Er ist auferstanden! Seht her, das ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte. Und nun geht zu seinen Jüngern und zu Petrus und sagt ihnen, dass Jesus euch nach Galiläa vorausgehen wird. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch angekündigt hat.« Da flohen die Frauen aus dem Grab und liefen davon. Angst und Schrecken hatte sie erfasst. Sie redeten mit niemandem darüber, so entsetzt waren sie.“ (Markus 16,1-8 Hoffnung für alle)

An dieser Stelle endet gerade in den alten Handschriften das Markusevangelium. Die Verse 9-20, die von den Menschen erzählen, denen sich Jesus nach seiner Auferstehung zeigte, fehlen dort. Ich möchte hier an dieser Stelle nicht den sogenannten Markusschluss diskutieren, mir ist es wichtig, bei der Angst und dem Entsetzen der Frauen stehen zu bleiben. Erst stirbt ihr Freund und Lehrer und dann ist auch noch sein vermeintlicher Leichnam verschwunden. Wie kann das sein? Jesus ist weg! Sie können ihm noch nicht einmal die letzte Ehre erweisen. Die Beerdigungsfeier ist abgesagt – ein Abschied unmöglich. Eine Situation, die auch heute viele Menschen auf der ganzen Welt gerade erleben. Das muss schlimm sein, wenn man sich noch nicht einmal am Grab von einem geliebten Menschen verabschieden kann.

Für die Frauen überwiegen Angst und Schrecken. Die Worte des Engels nehmen sie nicht wahr. Auferstehung? Was soll das sein? Sicherlich diskutierten die Theologen der damaligen Zeit, ob es so etwas gab oder nicht und sie selbst hatten miterlebt, wie Jesus Tote auferweckte. Und doch nahmen sie die Worte des Engels in ihrer Trauer und ihrer Panik gar nicht wirklich wahr.

Auch in unserem Leben gibt es immer wieder Momente, wo wir so in unserem Denken und in unseren Gefühlen gefangen sind und wo wir einen regelrechten Tunnelblick drauf haben. Da sind wir schier nicht mehr in der Lage, etwas Anderes wahrzunehmen. Da ist dann jedes Wort verkehrt, das wir hören oder lesen.

Und ich glaube, dass es auch bei unserer Beziehung mit Gott so ist. Da gerät unsere Beziehung zu ihm in Schieflage. Wir sind enttäuscht, weil er anders handelt, als wir es gerne hätten. Vielleicht zweifeln wir auch an ihm. Und wir fangen an, auch jedes vermeintliche Wort von ihm auf die Goldwaage zu legen. Da meinen wir vielleicht, wir wären von Gott verlassen und sind nicht mehr in der Lage, seine Liebesbeweise zu sehen und seine Nähe zu spüren. Da hilft es uns nichts, wenn uns andere die Verheißungen der Bibel vorlesen und uns damit ermutigen wollen.

Ich bin froh, dass das Evangelium an dieser Stelle aber nicht endet. Jesus zeigt sich Maria Magdalena, dann weiteren Jüngeren und zum Schluss allen 11 Jüngern. Damit steht fest: Es stimmt! Jesus ist wahrhaftig auferstanden. Und weil er starb, dürfen wir das ewige Leben haben! Er will alle Menschen retten. Ab jetzt gibt es Hoffnung über den Tod hinaus, weil Jesus den Tod besiegt hat.

Ostern zeigt uns: Auch wenn alles im Chaos versinkt. Auch wenn Trauer und Panik uns zu übermannen drohen – Gott ist am Ende der Sieger! Er ist derjenige, der alles in der Hand hält. Gott hat auch in dieser Krise die Kontrolle – auch wenn es nicht so aussehen mag und wir daran zweifeln mögen.

Letzten Endes ist es diese persönliche Begegnung mit Jesus selbst, die die Jünger aus ihrer Trauer und Angst reißt. Diese Begegnung mit ihm schenkt Hoffnung – auch uns heute. Wenn Du gerade in dieser Zeit an Gott verzweifelst, dann hoffe und bete ich, dass Du Gott neu persönlich begegnest und dass er Dir die Augen für seine Gegenwart öffnen möge.

Was mir in dieser schwierigen Zeit hilft, ist das Spazierengehen – und zwar wenn möglich nicht in der Stadt, sondern draußen in der Natur. Die Bewegung tut gut – genauso wie die Schönheit der Landschaft, der Bäume, das Aufblühen der Pflanzen jetzt im Frühjahr und das Zwitschern der Vögel. Und eine andere Sache tut mir gut und hilft mir persönlich, die Gegenwart Gottes in meinem Leben zu spüren und das ist der Lobpreis. Ich habe mich heute mit meiner Gitarre an den Strand gesetzt und habe Lieder von Gottes Größe und Stärke gesungen, dass er mein Anker im Sturm ist und dass er mich liebt. Und ich habe in diesen 1,5 Stunden, die ich draußen saß und sang, für mich Gott neu erlebt. Ich habe seine Liebe und Nähe gespürt und dieses Singen – verbunden mit dem Ortswechsel – hat mir gut getan. Und ich konnte sogar die Leute, die am Strand spazieren gingen (mit großem Sicherheitsabstand) völlig ausblenden. Mir war es egal, was sie über mich hätten denken können – mein Gitarrespiel war nicht perfekt und ich weiß nicht, ob ich jeden Ton tatsächlich getroffen habe – aber das war mir in dem Moment völlig gleichgültig. Das war ein heiliger Moment. Ein Moment, in dem mir Gott neu begegnet ist.

Eine andere Sache, die mir wichtig ist: Bleibe nicht alleine mit Deinen Sorgen! Suche Dir Familienangehörige, Freunde, Menschen, denen Du davon erzählen kannst. Es gibt im Netz verschiedene telefonische Angebote. Suche das Gespräch mit dem Pastor/der Pastorin Deiner Kirchengemeinde oder google, welche PastorInnen und SeelsorgerInnen es in Deiner Umgebung so gibt. Du bist nicht alleine! Und Du wirst merken: Sobald Du Deine Lasten mit jemandem teilst, geht es etwas leichter.

Wenn Du gerade keine Hoffnung mehr hast und nicht weiß, wie es weitergehen soll, dann richte Deine Augen wieder neu auf Jesus. Schau ihn Dir von neuem an. Sieh seine Liebe zu Dir. Er kam, um Dich zu erlösen und er liebt dich! Schau nicht auf das, was Dich belastet oder runterzieht. Richte den Blick auf den, der Dir Halt geben und Dir neue Hoffnung schenken möchte. Er lebt! Und weil er lebt, werden auch wir leben (Johannes 14,9).

 

Einfach nur sein…

Aufstieg Hochhädderich Allgäu
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Noch eine Woche Urlaub liegt vor mir. Was mich sonst eher jubeln lässt, lässt mich in dieser Zeit eher etwas ratlos zurück. Was tun, wenn man weder wegfahren, noch etwas unternehmen kann und wenn man quasi wirklich auf die vier Wände beschränkt ist und man frei hat? Diese absolute Vollbremsung ist ungewohnt und fällt nicht jedem unbedingt leicht.

Dabei ist Ruhe gut für uns. Man sagt ja, dass man die Langeweile braucht, um kreative Ideen entwickeln zu können. Und gerade in dieser Krise können wir unheimlich viele Ideen bewundern und bestaunen. Ruhe tut gut. Man fährt runter, man tankt neue Kräfte, bekommt den Kopf frei.

Ich finde es spannend, dass an zwei sehr zentralen Stellen in der Bibel ebenfalls die Ruhe ihren Platz findet: in der Schöpfung und am Kreuz. Bei der Schöpfung heißt es: „Am siebten Tag hatte Gott sein Werk vollendet und ruhte von seiner Arbeit. Darum segnete er den siebten Tag und sagte: »Dies ist ein ganz besonderer, heiliger Tag! Er gehört mir.«“ (1. Mose 2,2-3 Hoffnung für alle) Gott war die ganze Woche über kreativ gewesen. Er schuf und schuf und schuf. Wer kreativ tätig ist, weiß, wie wichtig Pausen sind. Ohne diese Pausen gehen einem irgendwann die Ideen und Inspirationen aus. Und auch vom Sport her wissen wir, dass die Regeneration beim Kraftsport sehr wichtig ist. Gott möchte uns Ruhe schenken. Bei der Schöpfung machte Gott uns das vor – er ruhte am siebten Tag (die Menschen hatten übrigens zu dem Zeitpunkt erst einen oder einen halben Tag hinter sich).

Das zweite Mal in der Bibel ruht Gott in der Passionsgeschichte. Jesus stirbt am Freitag, wird ins Grab gelegt und steht erst am Sonntag wieder auf. Am Shabbat ruht er – am siebten Tag der Woche. Ich finde es spannend, dass Gott sowohl beim Erlösungsgeschehen zwischen Kreuz und Auferstehung eine Pause einlegt, als auch bei der Erschaffung der Welt. Es scheint so, als wäre Ruhe ein wesentlicher Bestandteil von Gottes Wesen.

Und tatsächlich bietet uns Gott Ruhe an: „Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben. Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir, denn ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab. Wenn ihr das tut, dann findet ihr Ruhe für euer Leben.“ (Matthäus 11,28.29 Hoffnung für alle)

Gott will uns Ruhe schenken. Gerade in dieser Zeit erleben viele von uns, wie es in unseren Köpfen rattert und wie wir angespannt sind, weil wir nicht wissen, wie lange das alles noch so andauert. Oder vielleicht versinken wir gerade auch im Stress weil wir in einem systemrelevanten Beruf tätig sind und nun Überstunden ohne Ende schieben müssen. Was auch immer uns gerade beschäftigt oder belastet: Gott möchte unseren müden Herzen Ruhe und Frieden schenken. Bei ihm müssen wir nichts leisten – wir dürfen bei ihm einfach nur sein. Und das befreit uns von jedem Leistungsdenken Gott gegenüber. Ist das nicht herrlich?

Die Rettung ist da

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Es ist schon fast zehn Jahre her. Ich studierte damals noch Theologie und leitete im Rahmen des Studiums einen kleinen Studentenhauskreis. In diesem Hauskreis waren auch ein paar kirchenferne Studentinnen und ich weiß noch, wie wir einmal über das Thema Sünde und Vergebung gesprochen haben und wie ich versuchte, ihnen zu erklären, dass jeder von uns ein Sünder ist. Ich stellte dabei fest – und das verwunderte mich überhaupt nicht: Das Thema ist unbequem. Denn eigentlich sehen sich viele nicht als Sünder an. Man hat ja schließlich niemanden ermordet oder so. Und auch in unserer Gesellschaft hat man im allgemeinen eine sehr positive Sicht auf uns Menschen. Natürlich hat man Schwächen, aber so gravierend ist das auch wieder nicht – zumindest nicht so gravierend, dass jemand dafür für einen sterben müsste. So meinen es zumindest viele.

Dieses Konzept der Sünde ist unbequem. Wer will schon als böse dastehen? Das will doch keiner! Und doch befinden wir uns immer wieder auf der Suche nach schuldigen Menschen. Wie bspw. in der aktuellen Corona-Krise. Da werden Menschen in Heinsberg und in anderen Orten Deutschlands dafür gemobbt, dass sie das Virus nach Deutschland „geschleppt“ hätten. Ein Donald Trump hat gleich die Europäer per se als Schuldige ausgemacht – mit Ausnahme seines europäischen Lieblingslandes Groß-Britannien. Und wenn sich heute jemand nicht an die neuen Maßnahmen hält, wird er gleich misstrauisch angeschaut und teilweise sogar angezeigt. Die Blockwartmentalität geht gerade in Deutschland um – Corona-Sünder werden ausfindig gemacht und sollen bestraft werden.

Vielleicht ist uns dieses Konzept der Sünde nun durch Corona doch etwas vertrauter als zuvor. Paulus schreibt an die Römer: „Denn alle Menschen haben gesündigt und das Leben in der Herrlichkeit Gottes verloren.“ (Römer 3,23 Neues Leben Bibel) Die Sünde ist so etwas wie ein Virus. Wir sind alle damit infiziert. Wir sind alle krank. Da gibt es keinen einzigen, der noch gesund ist. Bei den einen sind die Symptome vielleicht noch mal stärker ausgeprägt als bei den anderen, aber im Grunde sind wir alle ausnahmslos infiziert. Aus diesem Grund kracht es immer wieder zwischen uns Menschen und darum kommt es auch immer wieder zu Kriegen und Leid.

Aufstieg Hochhädderich Kreuz Allgäu
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Aber es gibt ein Heilmittel: „Und so lautet sie: Gott ist durch Christus selbst in diese Welt gekommen und hat Frieden mit ihr geschlossen, indem er den Menschen ihre Sünden nicht länger anrechnet. Gott hat uns dazu bestimmt, diese Botschaft der Versöhnung in der ganzen Welt zu verbreiten.“ (2. Korinther 5,19 Hoffnung für alle) Gott selbst kam in diese Welt. Und als er am Kreuz für uns starb, nahm er all unsere Sünde auf sich. Und dadurch wurde er zum Heilmittel für uns – er hat Frieden mit uns geschlossen. Er hat dieses Virus weggenommen und der Zutritt zum Himmel ist nun offen für alle, die sich von diesem Virus der Sünde befreien lassen wollen.

Gott bietet Dir heute seine Vergebung an. Er möchte Dich unbedingt eines Tages im Himmel haben. Er liebt Dich so sehr! Er sehnt sich nach dir und deinem Ja! Und die gute Botschaft gerade auch vom Karfreitag lautet: Du musst dafür nichts leisten. Du musst Gott nicht erst zeigen, wie gut Du bist. Du kannst so wie Du bist zu ihm kommen und er vergibt Dir gerne und sofort – egal, was auch immer Du getan hast: Die Tür ist offen für Dich und Gott streckt Dir seine Hand entgegen, weil er Dich liebt.

Und wenn Du diese Botschaft für Dich bereits schon angenommen hast: Dann gib sie weiter! Im Gegensatz zu Covid-19 liegt die Sterblichkeitsrate der Sünde bei 100%. Die einzige Rettung ist die Versöhnung durch und mit Gott. Gib diese Nachricht weiter! Teile sie mit deinen Nachbarn, Freunden, Familienangehörigen. Sei ein Botschafter für Gott in deinem Leben – besonders in dieser Zeit!

Denn gerade jetzt sind Menschen auf der Suche. Sie wollen Halt, wollen Hoffnung. Wir könnten besonders jetzt Hoffnungsträger sein, indem wir bspw. in unseren Gemeinden überlegen, wie wir trotz Quarantänemaßnahmen sozial-missionarisch aktiv werden. Man könnte als Gemeinde Nachbarschaftshilfe in der Umgebung der Gemeinde anbieten, die Gemeindräume für Stille und Gebet für die Öffentlichkeit öffnen, Senioren in den Pflegeheimen mit Briefen beschenken uvm. Es gibt so viele Möglichkeiten, auch in dieser Krise, das Evangelium zu verbreiten – wir müssen sie nur ergreifen.

„So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“ (2. Korinther 5,20.21)