Zeugnistag

Ich kann mich noch gut daran erinnern wie ich in der Grundschule noch gespannt auf mein Zeugnis wartete. Damals gab es in der ersten und zweiten Klasse noch keine Noten, sondern nur allgemeine Bewertungen zum Verhalten.

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© Melanie Jedryas / PIXELIO

Da standen dann so tolle Dinge drin wie „Sie beteiligt sich rege am Unterricht“ oder so. Und das war schon spannend zu lesen wie die Lehrer einen wahrnahmen – selbst heute noch. Da gab es noch keine verklausulierte Zeugnissprache bei der selbst das Negative wie Lob klingt.

In der Bibel ist auch so ein Zeugnis abgedruckt. Timotheus war ein junger Mann, der bei Paulus in die Schule ging und Paulus stellte ihm dann ein Zeugnis aus:

„Aber du hast dich an das gehalten, was ich gelehrt habe, Timotheus, und hast dir die Art, wie ich lebe, und meine Ziele zu Eigen gemacht. An meinem Glauben, meiner Geduld und meiner Liebe hast du dir ebenso ein Beispiel genommen wie an meinem Durchhalten im Leiden.“ (2. Timotheus 3,10; Neues Leben)

Wer sich mit Paulus und Timotheus näher beschäftigt hat, weiß, dass die beiden sehr eng miteinander verbunden waren. Wenn also Paulus hier so etwas über Timotheus sagt, dann ist das eine Eins mit Sternchen. Der Timotheus hat nicht nur das befolgt, was er von Paulus gelernt hatte, sondern hatte sogar auch noch dessen Ziele übernommen und sie zu seinen eigenen gemacht – ja, Paulus war sein Vorbild und er eiferte ihm nach. Kein Wunder, dass Paulus das hier lobend festhält.

Wenn ich so über diesen Text nachdenke und ihn auf mich beziehe, kommen mir ein paar Fragen: Wie nehmen andere mich wahr? Welches „Zeugnis“ würden meine Freunde und meine Familie über mich ausstellen? Und noch viel wichtiger – wie sieht Gott mich? Wie denkt er über mich?

Ich muss da gerade an eine andere Aussage von Paulus denken:

„Denn alle, die vom Geist Gottes bestimmt werden, sind Kinder Gottes. Deshalb verhaltet euch nicht wie ängstliche Sklaven. Wir sind doch Kinder Gottes geworden und dürfen ihn »Abba, Vater« rufen. Denn der Geist Gottes selbst bestätigt uns tief im Herzen, dass wir Gottes Kinder sind. Und als seine Kinder sind wir auch Miterben an seinem Reichtum – denn alles, was Gott seinem Sohn Christus gibt, gehört auch uns. Doch wenn wir an seiner Herrlichkeit teilhaben wollen, müssen wir auch seine Leiden mit ihm teilen.
Ich bin überzeugt: Nichts kann uns von seiner Liebe trennen. Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder unsere Ängste in der Gegenwart noch unsere Sorgen um die Zukunft, ja nicht einmal die Mächte der Hölle können uns von der Liebe Gottes trennen. Und wären wir hoch über dem Himmel oder befänden uns in den tiefsten Tiefen des Ozeans, nichts und niemand in der ganzen Schöpfung kann uns von der Liebe Gottes trennen, die in Christus Jesus, unserem Herrn, erschienen ist.

(Römer 8,14-17+38-39; Neues Leben)

In Gottes Augen bin ich sein geliebtes Kind und es gibt nichts, was mich von seiner Liebe trennen kann. Das ist für mich das größte Zeugnis, das ich je erhalten habe – ich bin Gottes geliebtes Kind!
Wie habt ihr Gottes Liebe in eurem Leben erfahren? Was bedeutet es für euch, dass ihr ebenso ein Kind Gottes seid?

 

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4 Gedanken zu “Zeugnistag

  1. Die beiden Stellen find ich auch toll.

    Das Auftauchen des Wortes „Abba“ in der Bibel ist erstaunlich. Scheint nur dreimal vorzukommen. (Zweimal bei Paulus! Woher hat er das?!)

    Paulus hat nicht nur Briefe geschrieben. Von Jesus sind gar keine Texte überliefert. Und beide haben ihr Leben in Menschen investiert.

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    1. Beim Wort Abba ist es interessant, dass es einmal im Markusevangelium und dann im Galaterbrief vorkommt. Wenn ich mich recht entsinne, dann geht man davon aus, dass das Markusevangelium als erstes Evangelium geschrieben wurde und beim Galaterbrief geht man davon aus, dass es das erste niedergeschriebene Buch des NT überhaupt ist (also noch vor dem Markusevangelium verfasst wurde – also relativ kurz nach Jesu Leben). Daher ist die Frage woher Paulus das tatsächlich hat, sehr spannend.

      Ich denke mal, dass damals die Geschichten um Jesus mündlich weitergegeben wurden und dass es vielleicht nicht nur eine Episode mit Jesus gab, bei der er Gott als Abba bezeichnete – nur dass diese Geschichten für die Evanagelisten aus welchen Gründen auch immer bis auf die Sache in Markus nicht in die Evangelien fanden. Paulus hat daher im Römer- und Galaterbrief diese Bezeichnung aus der mündlichen Tradition wieder aufgenommen. Jesus nennt Gott im VaterUnser „Vater“ und fordert seine Zuhörer auf, Gott ebenso zu nennen. Das war für die Juden sicherlich schon eine Revolution, so sehr wie sie sich davor scheuten, den Namen Gottes auch nur auszusprechen.

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      1. Kennst Du worthaus.org? Ich glaube Zimmer sagt da irgendwo etwas über den Vater-Begriff bei Jesus und wie unterschiedlich das war zu der religiösen Kultur, in der er lebte. Ich habe das Gefühl, dass in dem Wort „Abba“ sich Jesu ganze Mission konzentriert. Das muss für seine Zeit ein ziemlicher Schock gewesen sein. Wahrscheinlich finden wir es deshalb auch nur 3x im NT. Und es ist halt Aramäisch und nicht Griechisch.

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