Jugendliche zum Bleiben bewegen

 

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Foto: SCM R. Brockhaus / http://www.scm-brockhaus.de

Das Buch „Warum wir mündig glauben dürfen – Wege zu einem widerstandsfähigen Glaubensleben“, das von Tobias Faix, Martin Hofmann und Tobias Künkler herausgegeben wurde, ist die Antwort auf ihren ersten Band „Warum ich nicht mehr glaube – Wenn junge Erwachsene den Glauben verlieren“, ebenfalls erschienen im SCM-Verlag in Witten. Während die Herausgeber noch im ersten Band der Frage nach den Gründen für die Entkehrung (Dekonversion) der jungen Erwachsenen nachgingen, wenden sie sich nun der Hilfestellung für Gemeinden, Eltern und Jugendmitarbeiter zu.

Dabei erhalten sie Unterstützung durch Andreas Malessa, Roger Mielke, Heinrich Christian Rust, Christina Brudereck und vielen mehr. Diese Vielfalt ist laut den Herausgebern gewollt: „Die Autorinnen und Autoren der einzelnen Texte wurden bewusst aus verschiedenen Konfessionen und beruflichen Hintergründen ausgesucht und sind alle Fachleute auf ihrem Gebiet. Sie nehmen uns mit hinein in ihr eigenes Denken und Erleben. Das drückt sich aus in ihrem je eigenen Stil und in den persönlichen Anklängen in ihren Beiträgen.“ (S. 13)

Das Buch selbst ist in vier größere Teile gegliedert: 1. Auf dem Weg mit Zweifeln und Andersdenkenden, 2. Auf dem Weg der Einheit und Vielfalt, 3. Auf dem Weg in Familien und Gemeinden, 4. Auf dem Weg zu einem mündigen Glauben. Jeder dieser vier Abschnitte beginnt mit einer kurzen Vorstellung der Autoren und einer Zusammenfassung jedes einzelnen Artikels. Dadurch erhält der Leser einen Überblick über die nächsten Inhalte. Abgerundet wird fast jeder Teil durch praktische Anwendungen – sei es durch Erfahrungsberichte oder Vorschläge zur Gestaltung von Gottesdiensten und der persönlichen Bibellese.

Wie schon im Zitat erwähnt, ist jeder Beitrag durch den Schreibstil des jeweiligen Autors geprägt. Überwiegend sind die Beiträge in einer sehr wissenschaftlichen Ausdrucksweise gehalten, die dem Laien das Lesen des Buches erschweren könnten. Auch wird von einzelnen Autoren ein Vorwissen in Bezug auf Entwicklungspsychologie und Glaubensentwicklungsstufen (Fowler) vorausgesetzt. Auf erklärende Fußnoten oder Anhänge wurde verzichtet. Da es aber neben diesen teilweise doch sehr herausfordernden Artikeln leichter verständliche Beiträge gibt, wird sicherlich auch für Laien einiges an interessanten, verständlichen und hilfreichen Inhalten zu finden sein.

Durch den eben schon erwähnten wissenschaftlichen Schreibstil wirkt das Buch streckenweise sehr nüchtern und stellt nicht immer einen Bezug zur im Vorwort beschriebenen Erlebniswelt der Autoren her. Und doch gibt es Aussagen und Thesen, die zum Weiterdenken anregen und neue Fragen aufwerfen.

Als roter Faden zieht sich dabei immer wieder die Frage nach der Weite des Glaubens und des Gemeindelebens. Sind Gemeindeglieder beispielsweise bereit, Zweifel zuzulassen und ergebnisoffen mit den Jugendlichen darüber nachzudenken? Inwieweit ist die Gemeinde bereit, sich selbst kritisch zu hinterfragen und hinterfragen zu lassen? Sehr faszinierend ist dabei der Ansatz der Thomasmesse, der im Buch vorgestellt wird. Dabei handelt es sich um einen besonderen Gottesdienst, der aus Finnland stammt und mittlerweile deutschlandweit regelmäßig – überwiegend in evangelischen Kirchen – veranstaltet wird. Es ist ein „Gottesdienst für Suchende, Zweifelnde und andere gute Christen“ (http://www.thomasmesse.org/).

Neben der Forderung nach Weite im Denken und Glauben, werden unter anderem Eltern erste Ratschläge mitgegeben wie sie ihre Kinder mit dem Glauben bekannt machen können – bspw. durch altersgerechte Andachten im Familienkreis oder das Erzählen und Erleben von Gottes Wirken im eigenen Alltag. Allerdings liefert das Buch insgesamt weniger praktische Hinweise als erhofft, sondern legt primär die theoretischen Grundlagen dar. Es ist daher zu hoffen, dass noch weitere Bücher erscheinen, die gerade in der praktischen Anwendung stärker noch in die Tiefe gehen.

Nichtsdestotrotz sind gerade auch die theoretischen Grundlagen wichtig, um zu verstehen wie sich Glaube, aber auch eine Abwendung davon entwickeln. Das Buch lotet daher die Frage nach der Dekonversion nicht bis ins letzte Detail aus, sondern möchte den Leser dazu einladen, den Umgang der eigenen Gemeinde mit Zweiflern und jungen „Rebellen“ zu überdenken. Es ist letzten Endes ein Plädoyer für einen mündigen, unabhängigen Glauben, der auch Zweifel aushält und sich nicht davon beirren lässt. Dies ist den Autoren überaus gelungen.

„Warum wir mündig glauben dürfen – Wege zu einem widerstandsfähigen Glaubensleben“ ist der gelungene Versuch einer Hilfestellung für Gemeinden, Pastoren, Leiter und Jugendmitarbeiter im Umgang mit jungen Menschen, die Zweifel äußern oder aus den Kirchen und Gemeinden austreten wollen bzw. aus ihnen ausgetreten sind. Das Buch will dazu beitragen, dass sich diese Austrittsrate verringert und junge Menschen wieder in die Kirche und Gemeinden zurückfinden. Dabei lädt es den Leser wiederholt ein, die eigene Gemeinde- und Glaubenspraxis zu überdenken. Erschienen ist das Buch 2015 im SCM-Verlag in Witten.

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