Gretchen und der liebe Gott

Familie 033
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Ich bin eine Leseratte wie sie im Buche steht und dabei lese ich fast alles, was mir so in die Quere läuft – unter anderem gerne auch Klassiker. Ein Werk, das mich dabei immer wieder fasziniert, ist Faust I von Johann Wolfgang von Goethe. Faust ist ein Wissenschaftler, der mit Mephisto (dem Teufel) einen Pakt schließt: Mephisto würde solange Faust lebe ihm immer zu Diensten sein. Wenn Mephisto es dabei wirklich schaffen würde, ihn in allem glücklich zu machen, dann würde Faust ihm seine Seele übergeben.

Im Lauf des Werkes trifft Faust auf Margarete (auch Gretchen genannt), ein junges Mädchen aus armen Verhältnissen. Mit Hilfe von Mephisto will er sie verführen. Nach ihrem ersten gemeinsamen Kuss stellt Gretchen Faust eine Frage, die als die berühmte Gretchen-Frage in die Geschichte der Weltliteratur eingehen wird: „Wie hast Du’s mit der Religion?“

Gretchen selbst ist tiefgläubig. Sie glaubt, dass es Gott gibt. Für Faust hingegen existiert Gott nicht. Er ist der Überzeugung, er könne auch gut ohne ihn leben. Die Frage nach Gott beschäftigt die Menschen auch heute noch. Glaubt man dem Psychologen Maslow, dann trägt jeder Mensch die Sehnsucht nach einem höheren Wesen in sich – selbst der überzeugteste Atheist.

Dabei sind die Gottesvorstellungen sehr unterschiedlich – je nachdem auch wo und wie man aufgewachsen ist. Im christlichen Raum dürfte die Verbreitung der Bilder von Gott als altem Mann mit Bart auf einer Wolke sitzend sehr weit verbreitet sein. In manchen Naturreligionen ist jede einzelne Pflanze hingegen Gott. Manche sehen in ihm eine Person und haben vielleicht sogar eine sehr bildliche Vorstellung von ihm. Für manche ist er ein Mann, für andere eine Frau. Wieder andere sehen in ihm eher eine Art kosmischer Energie, die durch jeden Menschen strömt.

Und selbst wenn man dann in die heiligen Bücher schaut, dann findet man auch da widersprüchliche Bilder. Von einem scheinbar kriegerischen, zornigen Gott bis hin zu einem, der die Menschen so sehr liebt, dass er alles für sie hergibt, findet man alles. Das zeigt mir, dass Gott eben nicht so leicht in eine Schublade zu stecken ist. Wenn er in unser Denken passen würde, dann wäre er nicht mehr Gott. Dann wäre er ein Gott nach unserem Bilde. So ist er aber widersprüchlich und harmonisierend in einem. Er ist unberechenbar und zuverlässig. Er ist liebevoller Vater und beschützende Mutter in einem.

Aber wie können wir erleben und erfahren wie er wirklich ist? Für mich gibt da die Bibel ein paar gute Hinweise:

  1. Als Menschen sind wir, wenn wir dem biblischen Schöpfungsbericht glauben, nach dem Bild Gottes geschaffen worden. Durch den Sündenfall sind zwar einige Gesichtszüge Gottes nur noch verzerrt dargestellt, aber dennoch lässt sich Gott auch heute noch im Menschen wahrnehmen – bspw. in der Kreativität, in der Liebe zu einander u. v. m.
  2. In Römer 1,20 (Neues Leben) heißt es:
    034 Sabbatspaziergang Neuffen
    Foto: J. Mueller / nachgedachtblog

    „Seit Erschaffung der Welt haben die Menschen die Erde und den Himmel und alles gesehen, was Gott erschaffen hat, und können daran ihn, den unsichtbaren Gott, in seiner ewigen Macht und seinem göttlichen Wesen klar erkennen. Deshalb haben sie keine Entschuldigung dafür, von Gott nichts gewusst zu haben.“

    Die Natur spiegelt also das Wesen Gottes wieder – wer Gott kennen lernen will, kann ihn in der Natur entdecken.

  3. Die Aufgabe von Jesus war es auch, die Menschen mit Gott bekannt zu machen. Sie sollen ihn kennenlernen. Jesus sagte einmal zu seinen Jüngern:

    „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr erkannt habt, wer ich bin, dann habt ihr auch erkannt, wer mein Vater ist. Doch von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen!« Philippus sagte: »Herr, zeig uns den Vater, dann sind wir zufrieden.« Jesus erwiderte: »Philippus, weißt du denn nach all der Zeit, die ich bei euch war, noch immer nicht, wer ich bin? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen! Warum verlangst du noch, ihn zu sehen? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich euch sage, stammen ja nicht von mir, sondern der Vater, der in mir lebt, wirkt durch mich. Glaubt doch, dass ich im Vater bin und der Vater in mir ist. Oder glaubt wenigstens aufgrund von dem, was ich getan habe.“ Wer sich also mit Jesus beschäftigt, lernt dadurch auch automatisch Gott kennen. Durch seinen Charakter und seine Taten wird Gott zu 100% sichtbar für uns Menschen. Wer Gott also kennenlernen möchte, kommt an Jesus und seinem Leben nicht vorbei.

    Mich erinnert das an die Geschichte von Lewis Wallace. Er war kein gläubiger Mensch, aber eine intensive Diskussion mit einem überzeugten Atheisten brachte ihn dazu, sich ausgiebig mit Gott und Jesus auseinander zu setzen. Er wollte sogar ein Buch schreiben und darin beweisen, dass es Gott gar nicht geben könne. Bei seinen Recherchen dazu, stieß er immer wieder auf Jesus von Nazareth. Was er so über Jesus in der Bibel – besonders bei Matthäus – las, überzeugte ihn so sehr, dass er schließlich Christ wurde. Seiner Erfahrungen und Erkenntnisse verpackte er in einen der ersten historischen Romane: Ben Hur. Die Biographie von Lewis Wallace und zahlreichen anderen Christen zeigt, dass die Beschäftigung mit Jesus von Nazareth tatsächlich ein Leben und ganze Glaubensvorstellungen über den Haufen werfen kann.

Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, dass ich in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten intensiver über Gott nachdenken möchte. Dies möchte ich zum Beispiel hier in meiner neuen Blogreihe tun: „Gott erleben“. Unter dieser Überschrift möchte ich über Gottes Charaktereigenschaften  nachsinnen und die eine oder andere Erfahrung, die ich mit ihm gemacht, mit euch teilen. Vielleicht habt auch schon Gott erlebt? Dann erzählt mir doch in einem Kommentar, per Mail oder auf meiner Facebookseite davon. Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen mit Gott!

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5 Gedanken zu “Gretchen und der liebe Gott

    1. Ich liebe den Film auch. Vor einiger Zeit habe ich mal eine Neuverfilmung davon gesehen. Da spielte allerdings der Glaube so gar keine Rolle mehr und da habe ich erst gemerkt wie wesentlich der Glaube für die Geschichte von Ben Hur ist. Ohne ihn fehlt einfach was.

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