„Bedingungslos geliebt“

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Foto: http://www.fontis-verlag.com/buch/timothy-keller-bedingungslos-geliebt/

Ich habe gerade ein Buch beendet, das mich so begeistert hat, sodass ich es euch heute unbedingt vorstellen möchte. Der Titel lautet „Bedingungslos geliebt. Von zwei verlorenen Söhnen und einem liebenden Vater“ von Timothy Keller. Es handelt sich dabei um ein christliches Sachbuch. Der Autor legt die bekannte Geschichte vom verlorenen Sohn aus Lukas 15 aus. Es ist eine Geschichte, die Jesus erzählt hat.

Sie handelt von zwei Söhnen und ihrem Vater. Der jüngere Sohn verlangt vom Vater sein Erbe und zieht fort. Als sein Geld weg ist und er nur noch Schweine hüten darf, ist er ganz tief unten angekommen. Da besinnt er sich darauf wie gut er es beim Vater hatte und beschließt, zu ihm als Tagelöhner zurück zu gehen. Der Vater sieht ihn schon von weitem und kommt ihm entgegen. Er nimmt ihn wieder als Sohn und Erben an und schmeißt eine große Party für ihn. Der ältere Sohn bekommt das mit und ist richtig eifersüchtig auf seinen jüngeren Bruder. Der Vater macht ihm klar, dass auch ihm bereits alles gehören würde und er sich stattdessen lieber freuen solle, dass sein Bruder wieder zurückgekehrt sei. Damit endet das Gleichnis von Jesus.

Der Autor analysiert und interpretiert nun diese Geschichte neu. Dabei bleibt er nahe am biblischen Text. Er versucht, ihn zu erklären und verständlich zu machen. Im Gegensatz zu manchen anderen christlichen Autoren schweift er nicht in erzählerische Beispiele aus seinem eigenen (Er-)Leben ab, sondern bringt nüchtern und sachlich seine Ausführungen an.

Inhaltlich fokussiert er sich stark auf den älteren Sohn, der beim Vater daheim blieb. Dies ist ein Ansatz, der sich nicht so häufig in der Literatur rund um diese Geschichte finden lässt. Meist steht eher der jüngere Sohn oder der Vater im Mittelpunkt, hier nun der Ältere. Keller macht hier deutlich, dass Christsein mehr ist, als nur den moralischen Verpflichtungen nachzukommen. Christsein bedeutet, Gottes Liebe und seine Gnade wirklich verstanden zu haben und aus diesem neuen Verständnis heraus, sich Stück für Stück verändern zu lassen:

„Gottes Gnade und Gunst können wir uns nicht verdienen, was auch immer wir tun. Wir können nur glauben, dass er sie uns in Jesus Christus geschenkt hat, und sie durch den Glauben annehmen. Wenn wir aber wahrhaftig an den glauben und demjenigen vertrauen, der uns aufopferungsvoll gedient hat, dann verwandelt uns das in Menschen, die Gott und ihrem Nächsten ebenfalls aufopferungsvoll dienen. Wenn wir sagen: „Ich glaube an Jesus“, ohne dass dies Auswirkungen auf die Art und Weise hat, wie wir leben, dann ist die Antwort nicht so sehr, dass wir uns nun über unseren Glauben hinaus noch ordentlich Mühe geben müssen, als vielmehr, dass wir Jesus in Wirklichkeit noch gar nicht verstanden haben oder noch nicht an ihn glauben.“ (Aus: „Bedingungslos geliebt“, Timothy Keller, Basel: fontis – Brunnen, S. 129, 2015)

Mich hat dieser Gedanke erneut fasziniert, dass es allein Gottes Gnade ist, die Menschen verändern kann. Der Mensch schafft es nicht, indem er sich anstrengt und abmüht, sondern allein durch die Gnade.

Ich habe das Buch als sehr wertvoll empfunden und kann es daher jedem nur wärmstens weiter empfehlen. Ihr könnt es hier erwerben.

„Bedingungslos geliebt. Von zwei verlorenen Söhnen und einem liebenden Vater“. Timothy Keller. Basel: fontis-Brunnen. 2015. 144 Seiten. 12,99 EUR.

 

Glaube heute?!

Hausbachklamm
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Wisst ihr was mir an der Bibel besonders gut gefällt? Die Bibel erzählt von Menschen, die genauso wie wir ihre Stärken und Schwächen haben. Sie sind keine fehlerlosen Superhelden, sondern ganz normale Menschen.

Das ist mir gestern wieder mal bewusst geworden, als ich Markus 16,9-14 gelesen habe:

Jesus war am frühen Sonntagmorgen von den Toten auferstanden und erschien zuerst Maria von Magdala, die er von sieben Dämonen befreit hatte. Sie ging zu den Jüngern, die um ihn trauerten und weinten, und berichtete ihnen, dass Jesus lebe und dass sie ihn gesehen habe. Doch sie glaubten ihr nicht. Danach erschien er in veränderter Gestalt zwei Jüngern, die von Jerusalem unterwegs aufs Land gingen. Sie liefen zurück, um es den anderen zu erzählen, aber keiner glaubte ihnen. Später erschien er den elf Jüngern, während sie gemeinsam aßen. Er rügte ihren Unglauben, ihre hartnäckige Weigerung, denen zu glauben, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten. (Markus 16,9-14 Neues Leben)
Die Jünger sind so herrlich menschlich. Jesus soll auferstanden sein? Das kann gar nicht sein! So etwas gibt es nicht! Dass sie Maria von Magdala nicht glaubten war für die damalige Kultur typisch. Man glaubte Frauen allgemein nicht. Vor Gericht wurden sie beispielsweise damals auch nicht als Zeugen zugelassen. Dass sie aber auch den beiden Jüngern nicht glaubten, macht sie mir irgendwie sympathisch. Erst als sie Jesus selbst sehen und ihm begegnen, fangen sie an, zu glauben.
Bis heute ist die Zahl derer, die an der Auferstehung Jesu zweifeln, ziemlich hoch. Selbst in der Theologie gibt es Versuche, die Auferstehung zu einem rein symbolischen Geschehen hinwegzudiskutieren. An die Wundergeschichten der Bibel zu glauben sei für den heutigen, aufgeklärten Menschen nicht mehr möglich.
Klar – naturwissenschaftlich kann ich nicht erklären wie so etwas wie die Auferstehung geschehen konnte. Ich habe keine Erklärung dafür und könnte diesen Vorgang auch nicht wiederholen. Aber deswegen glaube ich ja. Glaube ist nicht mit Wissen gleichzusetzen. Beim Glauben geht es nicht darum, Wunder erklärbar zu machen. Glauben ist das Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht (Hebräer 11,1). Nicht mehr und nicht weniger.
Mark Batterson, Hauptpastor der National Community Church in Washington D.  C., schreibt in seinem Buch „Wunderland – Mit Gott ist nichts unmöglich“ folgendes:
„Wenn es darum geht, Wirklichkeit und Theologie in Einklang zu bringen, dann gehen wir oft den falschen Weg. Zweifel entwerten unsere Theologie so lange, bis sie zu unserer Wahrnehmung der Wirklichkeit passt. Glauben aber bedeutet das genaue Gegenteil. Anstatt zuzulassen, dass die Umstände des Lebens einen Keil zwischen Sie und Gott treiben, stellt der Glaube Gott zwischen Sie und Ihre Umstände. Das ist etwas anderes, als die Tatsachen zu leugnen. Sie erkennen damit an, dass es eine Wirklichkeit gibt, die weitaus realer ist als das, was Sie mit Ihren fünf Sinnen wahrnehmen können. Glaube ist ein sechster Sinn, der uns befähigt, das Unmögliche zu bemerken. Und der Glaube verpasst unserer Wirklichkeit letztlich ein Update, bis sie mit ihrer Theologie übereinstimmt.“ (Aus: „Wunderland – Mit Gott ist nichts unmöglich“, Mark Batterson, SCM Verlag, 2016, S. 204)
Auch wenn ich es nicht erklären kann, so glaube ich an die tatsächliche Auferstehung Jesu. Für mich ist es eines der Geheimnisse Gottes. Ich weiß nicht, wie er das geschafft hat. Ich weiß nur, dass ich daran glaube.

Gott erleben: Er ist auferstanden!

Sulzberg
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Ostersonntag – der Tag des Osterhasens und der Ostereiersuche, aber auch der Tag der Auferstehung Jesu. Nach den Tagen des Fastens, der Trauer und der Stille kommt nun ein Tag der Freude, des Fröhlichseins und des Feierns. Ich bin im christlichen Glauben großgeworden. Da ich die Geschichte um Jesu Tod und Auferstehung quasi in- und auswendig kenne, war es schwierig für mich, nachzuempfinden wie es wohl den Jüngern am allerersten Ostersonntag ging.

Das änderte sich, als ich als Teenie einen Film über einen Stamm auf Papua-Neuguinea sah. Die Mouk haben ihre eigene Stammesreligion. Besonders heftig empfand ich eine Szene, in der eine Frau ihren Mann beerdigen musste. Da gab es keine Blumen am Grab, keine Musik, keine gutklingenden Reden mit tröstenden Worten. Da war einfach nur  Trauer und grenzenlose Verzweiflung spürbar. Es gab keine Hoffnung auf ein Wiedersehen, keine Hoffnung auf ein besseres Leben im Jenseits. Einfach nur Verzweiflung und Trauer.

Das änderte sich erst als christliche Missionare ins Dorf kamen. Erst lebten sie einige Zeit im Dorf, lernten die Sprache der Mouk und ihre Traditionen und Kultur kennen. Irgendwann begannen sie eine Vortragsreihe. Sie erzählten einfach die biblischen Geschichten nach. Danach erzählten sie vom großen Erlösungsplan Gottes mit den Menschen und zeigten anhand der gleichen Geschichten auf wie sehr Gott die Menschen liebt. Am Ende des letzten Vortrages – sozusagen nach der Geschichte um die Auferstehung Jesu – bekehrte sich das ganze Dorf.

Die Veränderungen, die in den Menschen vorgingen, waren deutlich spürbar. Wo vorher Angst, Trauer und Verzweiflung herrschten, zogen nun Freude, Friede und Hoffnung ein. Die Angst vor dem Tod war verschwunden, ebenso die Hoffnungslosigkeit. Die Freude überwog.

Ich glaube – so ähnlich müssen sich auch die Jünger vor fast 2.000 Jahren gefühlt haben. Wie verzweifelt und traurig müssen sie am Karfreitag und Karsamstag gewesen sein. Sie hatten sich in einen Raum eingeschlossen und versuchten zu begreifen, was da vor sich gegangen war. Ich stelle mir vor wie die Jünger ungläubig auf die Berichte der Frauen reagierten, die vom leeren Grab erzählten. Jesus war auf einmal weg! Das konnte doch nur ein böser Streich der Feinde von Jesus gewesen sein! Eine Auferstehung – das ist doch nicht möglich!

Und dann stand er doch auf einmal vor ihnen. Plötzlich war er mitten unter ihnen und zeigte ihnen die Stellen an seinen Füßen und Händen wo man immer noch die Nägelmale sehen konnte. Ich stelle mir vor, wie sich zunächst ungläubig anschauten und wie sich  dann ihre Trauer in Freude verwandelte und ihre Skepsis in Staunen. Vor Freude fielen sie sich in die Arme und vielleicht tanzten sie sogar wie die Mouk vor lauter Freude darüber, dass Jesus wieder da war.

Das ist die wahre Osterfreude. Es ist nicht die Freude, weil man das schönste Osterei entdeckt hat, sondern es ist die Freude, die Trauer und Verzweiflung überwindet. Das heißt nicht, dass man nicht den Verlust eines geliebten Menschen beweinen wird, aber über kurz oder lang wird die Hoffnung und Vorfreude auf das Wiedersehen überwiegen. Daher erinnert mich Ostern jedes Jahr an diese Auferstehungshoffnung: Mit dem Tod ist nicht alles aus, sondern er ist nur ein kurzes Intermezzo – sowas wie ein Schlaf – bis wir Jesus dann endlich sehen.

Diese Freude schwingt in dem christlichen Ostergruß mit, mit dem ich euch heute ebenfalls grüßen möchte: „Christus ist auferstanden – Er ist wahrhaftig auferstanden!“

„Das tat ich für Dich – was tust Du für mich?“

Aufstieg Hochhädderich Kreuz Allgäu
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Von Domenico Feti wird erzählt, dass er eines Tages von der Stadt Düsseldorf den Auftrag bekam, ein neues Altarbild für die Kirche zu malen. Es sollte die Kreuzigung Jesu darstellen. Doch Domenico tat sich sehr schwer damit, die Szene zu malen. Er kam einfach nicht weiter und so ging er eines Tages in den Wald, um auf neue Gedanken zu kommen. Auf einer Lichtung sah er ein junges Zigeunermädchen tanzen. Das Bild fesselte ihn so sehr, dass er schnell seinen Zeichenblock hervorholte und anfing sie zu skizzieren. Er sprach sie an und lud sie in sein Atelier ein, damit er sie fertig malen könne. Das Mädchen hieß Pepita.

Als sie in sein Atelier kam, fiel ihr Blick auf das Altarbild. Erschrocken fragte sie den Maler, was das Bild denn bedeuten würde und warum dieser Mann so leiden müsse. Sie löcherte Domenico so lange bis er ihr schließlich genervt die Geschichte von Jesus erzählte. Als er sie beendete, liefen Tränen über Pepitas Wangen. Sie fragte ihn: „Ihr müsst ihn doch sehr lieben, weil er das alles für Euch getan hat, Herr, oder?“ Domenico war von dieser Frage beschämt. Darüber hatte er noch nie nachgedacht. Sie war für ihn einfach nur eine Geschichte wie jede andere auch gewesen – ohne eine Bedeutung für sein Leben. Er hatte sie so oft gehört, dass sie ihn gar nicht mehr berührte. Aber nun verfolgte ihn diese einfache Frage: „Nicht wahr – ihr liebt ihn doch sehr?“

Sie ließ ihn nicht mehr los und quälte ihn regelrecht. Er fing an, nach einer Antwort zu suchen und stieß so auf eine heimliche Versammlung von Protestanten. Das war noch zu einer Zeit als sich die Evangelischen heimlich treffen mussten, um ihren Glauben auszuleben. Bei einer ihrer Versammlungen kam Domenico zum Glauben an Jesus Christus. Dort fand er endlich die Antwort auf seine Frage und er beschloss, ein neues Altarbild zu malen.

Dieses Mal wollte er mit seinem Bild Jesu Liebe zu uns Menschen darstellen. Es sollte nicht mehr das Leiden, sondern Gottes unerschöpfliche Liebe zu uns zeigen und der Betrachter sollte dadurch zu einer Antwort aufgefordert werden. Unter das Bild schrieb er die Worte: „Das tat ich für Dich – was tust Du für mich?“

Domenico wollte mit diesem Bild kein Geld verdienen und so schenkte er es seiner Stadt. Die Stadt stellte es in einer Galerie aus und zahlreiche Menschen kamen, um es zu sehen. Domenico stand jeden Tag in der Nähe des Bildes, um die Reaktionen zu beobachten und um davon zu erzählen, was er erlebt hatte. Eines Tages fiel ihm dort ein junges Mädchen auf, das bitterlich weinte. Er ging zu ihr hin – es war Pepita. Und dieses Mal erzählte er ihr nochmal die Geschichte von Jesus, aber dieses Mal völlig anders. Er erzählte von einem Jesus, der sie so sehr liebte, dass er sogar für sie gestorben war. Pepita übergab ihr Leben Jesus.

Ungefähr hundert Jahre später kam Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf nach Düsseldorf und besichtigte ebenfalls die Galerie. Er blieb lange vor dem Bild von Domenico Feti stehen. Ihn packte die Frage: „Das tat ich für Dich – was tust Du für mich?“ Sie ließ ihn nicht mehr los und führte ihn dazu, dass er sein Leben ebenfalls Jesus weihte. Er gründete später ein Missionswerk wodurch wiederum Tausende von Menschen von Gottes Liebe zu uns Menschen hörten.

Das Bild existiert auch heute noch. Es hängt in der alten Pinakothek in München und gibt  auch heute noch jeden Tag die Frage weiter: „Das tat ich für Dich – was tust Du für mich?“

Wer gerne das Bild sehen möchte, findest es hier.

Gott erleben: Die Karwoche

Gran Canaria
Foto: K. Müller / nachgedachtblog

Wir befinden uns wieder einmal in der Karwoche. Übermorgen ist Karfreitag – der Tag, an dem wir an Jesu Tod denken. Manchmal frage ich mich ja schon, inwieweit der 0815-Bürger noch etwas mit diesen Tagen anfangen kann. Vermutlich nicht besonders viel – sonst wäre er dieses Jahr nicht Bestandteil des Wahlprogramms mancher Parteien in Baden-Württemberg gewesen. Es ging um die Frage, ob man Discos und Clubs an diesem Tag nicht öffnen könnte, da doch das Interesse an Vergnügen und Tanz groß sei und für viele dieser Tag keine Bedeutung mehr habe. Der Karfreitag scheint heutzutage nur ein traditioneller Feiertag zu sein – ohne Bedeutung für das Leben von heute.

Für mich persönlich ist Ostern sehr wichtig – vielleicht noch wichtiger als Weihnachten (auch wenn ich Weihnachten paradoxerweise größer feiere als Ostern). Es ist für mich aber auch weniger ein Fest zum Feiern (außer der Ostersonntag), sondern vielmehr eine Zeit des Nachdenkens und des „Sich-Besinnens“. Ich denke darüber nach, was es für mich persönlich bedeutet, dass Jesus für mich gestorben ist.

Noch bevor Jesus starb, ließen ihn sämtliche Freunde im Stich. Einer seiner Freunde verriet und ein anderer verleugnete ihn sogar. Er war einsam und verlassen. Durch die schwierigste Zeit in seinem Leben musste er ganz alleine gehen. Ende des vergangenen Jahres erlebte ich eine sehr schwierige Situation und ich war sehr froh für meine Familie und meine Freunde, die mich in dieser Zeit auffingen. Ich kann es mir nicht vorstellen, wie es ist, vollkommen alleine durch Schwierigkeiten hindurch zu gehen. Jesus hat es erlebt. Am Kreuz ruft er aus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (Markus 15,34 Neues Leben). Sogar sein Vater, mit dem er eine besonders enge Beziehung pflegte, schien sich in diesem Moment von ihm abzuwenden.

Vielleicht fühlst Du Dich im Moment alleingelassen. Du stehst in einer schwierigen Situation und weißt nicht mehr weiter. Du hast niemanden bei dem Du Dich ausweinen kannst oder der Dich auffängt. Dann denke an Jesus am Kreuz. Er versteht Dich gut – besser als Du ahnst. Ihm kannst Du alles sagen und er liebt es, Dir zuzuhören und Dich zu hören. Hans-Joachim Eckstein soll mal gesagt haben: „Gott will nicht Neues von uns hören. Er will uns hören – und das jeden Tag aufs Neue.“ Erzähle ihm von Deinen Sorgen und Problemen und ich bin überzeugt davon, dass Gott Dir Lösungen und Auswege dafür zeigen wird. In Jesaja 66,13: „Ich selbst werde euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet.“

Der Karfreitag erinnert mich daher immer daran, dass Leid zum Leben dazu gehört. Aber gleichzeitig lehrt es uns auch, dass wir nicht völlig allein damit sind. In Jesus haben wir jemanden, der uns versteht. Er weiß, was es heißt gemobbt zu werden, allein zu sein, Schmerzen zu haben und die Welt und Gott nicht mehr zu verstehen. Karfreitag hat für mich daher die Botschaft: Weil Jesus für Dich starb, bist Du nicht mehr allein im Leid oder in schwierigen Entscheidungen und Situationen! Er steht an Deiner Seite!

Darüberhinaus bedeutet der Karfreitag auch, dass Jesus meinen Platz einnimmt. Folgt man den Gedanken der Bibel, dann ist seit dem Sündenfall das Böse in der Welt und kein Mensch hat nach dem Tod ein Paradies verdient. Wir sind zu schlecht. Gottes Anforderungen sind zu hoch – keiner von uns könnte sie aus eigener Kraft erreichen. Vielleicht nur zwei Beispiele: Wer jemand anderen als Dummkopf bezeichnet, hat ihn bereits getötet – so führt es Jesus in seiner berühmten Bergpredigt aus. Ich weiß nicht wie oft ich damit schon lahme Autofahrer vor mir „umgebracht“ habe. Genauso ist es auch damit,  wenn man einen anderen nur begehrlich anschaut – Jesus sagt dazu, dass man in diesem Moment bereits die Ehe gebrochen habe. Das sind ganz schön harte Definitionen von Mord und Ehebruch. Hätten wir in Deutschland so harte Gesetze, wären unsere Gefängnisse randvoll gefüllt und die meisten von uns würden sich hinter den schwedischen Gardinen befinden.

Gott ist ein Gott, der liebevoll und gerecht in einem ist. Aus Gerechtigkeit darf nur in den Himmel, wer sündlos ist. Aus Liebe möchte er aber jeden Menschen dabei haben. Also gab es nur eine Möglichkeit: Er selbst musste Mensch werden, hier auf der Erde leben und zeigen wie ER wirklich ist und letzten Endes für die Menschen stellvertretend sterben. Wer nun erkennt, dass man es selbst gar nicht in den Himmel schafft und wer dieses Geschenk Gottes – nämlich den Tod Jesu – für sich annimmt, der wird gerettet werden.

Der Karfreitag erinnert mich daher daran, dass ich aus eigener Kraft nicht in den Himmel kommen kann. Meine Schuld ist einfach viel zu groß und zu schwer. Aber weil Jesus an meiner Stelle gestorben ist und damit meine Schuld bezahlt hat, kann ich ewiges Leben bekommen. Dadurch gibt es Hoffnung und Zukunft.

„Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat. Gott sandte seinen Sohn nicht in die Welt, um sie zu verurteilen, sondern um sie durch seinen Sohn zu retten.“ (Johannes 3,16.17 Neues Leben)

Gott erleben: Jetzt erst recht!

Saneberg Allgäu Urlaub
Foto: J. Mueller / nachgedachtbog

Heman ging es sehr schlecht. Er war dem Tod näher als dem Leben. Tag und Nacht wurde er von Schmerzen gequält. Es war unerträglich für ihn – und mittlerweile auch für seine Freunde. Keiner von ihnen wollte noch irgendwas mit ihm zu tun haben. Sie hatten sich von ihm abgewandt. Einfach so. Sie mieden jeden Kontakt mit ihm – aus Angst sich bei ihm anzustecken. Wer zu seiner Zeit krank wurde – noch dazu so krank wie er – musste irgendetwas Schlimmes angestellt haben. Irgendeine besonders schlimme Sünde würde es ja wohl gewesen sein, so meinten sie. Und damit wollten sie nichts zu tun haben. Sie wollten verhindern, dass Gottes Zorn auch sie traf und so brachen sie jeden Kontakt zu ihm radikal ab.

Heman fühlte sich daher von Gott und seinen Freunden verlassen. Er fühlte sich einsam und das verschlimmerte erst recht noch seine Krankheit. Wo war Gott? Warum war er so krank? Woher kam das? In seinem Denken gab es nur einen Urheber dafür: Gott. Von Gott kam, so glaubte Heman, das Gute und das Böse – Gesundheit und Krankheit, Leid und Glück. Aber anstatt sich nun komplett von Gott abzuwenden, so wie einige von uns es heute tun würden, wandte er sich erst recht an ihn:

„Herr, Gott, mein Retter, Tag und Nacht rufe ich zu dir. Höre mein Gebet, vernimm mein Schreien.“ (Psalm 88,2+3 Neues Leben)
Im weiteren Verlauf des Psalms schildert er Gott seine Qualen. Er fragt ihn nach dem Warum und gewährt dem Leser Einblick in seine Seele. Mich berührt es, dass er sich nicht von Gott abwendet, sondern sich ihm zuwendet. Auch wenn er Gottes Handeln nicht verstehen kann, hält er an Gott fest. Wie ein Kind klammert er sich sozusagen an den Hosenbeinen seines himmlischen Vaters fest und klagt ihm sein Leid. Er nennt ihn Retter und sieht ihn als seine einzige Hilfe an.
Mir schoss da die Frage durch den Kopf: Wie gehe ich mit Leid um? Wie verhalte ich mich Gott gegenüber, wenn ich ihn nicht verstehen kann? Ziehe ich mich zurück? Gehe ich auf Distanz zu ihm? Gott in solchen Momenten loszulassen ist einfacher, als sich weiterhin an ihn zu klammern. Aber nur selten ist auch der Einfachere automatisch der richtige Weg. Vielleicht sollte ich es so wie Heman machen – so nach dem Motto: „Jetzt erst recht!“
Doris Heindl schreibt dazu in der Bibellesezeitschrift „Orientierung“ (Ausgabe 1/16) unter dem Tagesabschnitt vom 20.03.2016 auf Seite 60:
„Ob Sie es nun als Schicksal sehen, als Prüfung Gottes der als Produkt einer gefallenen Welt: Rufen Sie zu Gott um Hilfe! – Und eins noch: Die schönen Dinge im Leben, die Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern: Genießen Sie sie! Ich bin überzeugt, die schenkt in jedem Fall Gott.“

Die Seele bewahren

Gerth Medien Asslar Ortberg "Hüter meiner Seele"
Foto: http://www.gerth.de

Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, das mich begeistert und fasziniert hat: „Hüter meiner Seele: Ordne die verborgene Welt deiner Seele – sie ist das Wertvollste, das du hast“ von John Ortberg.

Was ist die Seele eigentlich? Welchen Raum nimmt sie in meinem Leben ein? Wie kann ich mein Leben so leben, dass sich die Seele voll entfalten kann? Diesen Fragen geht John Ortberg in „Hüter meiner Seele“ nach und kommt dabei  zu überraschenden Antworten. Vorab sei gesagt – es handelt sich hier um ein christliches Buch. John Ortberg beantwortet die Definition der Seele und die anderen Fragestellungen zum Thema daher für sich aus der Bibel heraus.

Dabei überzeugt er mit einer großen Warmherzigkeit und Leichtigkeit, die überrascht. Das Buch lässt sich trotz des ernsten Themas sehr gut lesen und stellt eine wahre Bereicherung dar. Nicht zu vergessen ist auch so manche lustige Stelle – John Ortberg hat einen tollen Humor und lockert damit so manche trockene, ernste Stelle auf.

Besonders postiiv überrascht hat mich seine Ehrlichkeit. Auch wenn ich es aus seinen anderen Büchern kenne, dass er auch sein Versagen offenlegt, so hat es mich doch hier überrascht und überzeugt, dass er hier über ganz persönliches und fast intimes Versagen spricht. Er steht dabei zu seinen Fehlern ganz offen und verharmlost sie nicht – zeigt aber gleichzeitig auch die Macht der Vergebung und der Veränderung auf und genau das macht ihn dann als Autor so glaubwürdig und authentisch.

Etwas hinderlich  fand ich allerdings die zahlreichen bzw. Vorwort, Prolog, Einführung, die sich dann insgesamt über 32 Seiten ziehen. Das war mir etwas zu lang. Ich habe dadurch etwas mehr Zeit gebraucht, um ins Buch und in die Thematik reinzukommen. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt für mich.

Das ändert für mich aber nichts an diesem insgesamt großartigen Buch, das ich sehr gerne allen weiterempfehle, die gerne christliche Ratgeberbücher lesen.

John Ortberg: „Hüter meiner Seele – Ordne deine Seele, sie ist das Wertvollste, das du hast“, Gebunden mit Schutzumschlag, 288 Seiten, Gerth Medien, 2015, 16,99 EUR. Das Buch kann hier erworben werden.