Liebesbriefe

Plitvicer Seen, Zagreb, Split, Trogir, Vinisce
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Neulich habe ich mit einer Freundin über Liebesbriefe diskutiert. Ich wusste gar nicht, dass man das überhaupt kann, aber anscheinend schon. 😉 Wir waren uns einig, dass es jede Frau verdient hat, einmal in ihrem Leben einen solchen Brief zu bekommen – wir waren uns nur uneinig in der Frage, ab wann ein Liebesbrief schon ein Liebesbrief ist. Für sie zählen bereits die Antworten auf eine Kontaktanzeige schon zu dieser Kategorie. Für mich hingegen erst wenn Mann und Frau sich gut kennen und in einer Beziehung sind.

Wenn ich so die Bibel lese, dann erscheint sie mir auch wie ein richtig großer und langer Liebesbrief. Sie beschreibt, wie Gott jahrelang um sein Volk geworben hat. Früher gab es noch die Brautwerbung, da musste sich der Mann ordentlich ins Zeug legen, um seine Angebetete zu gewinnen. Und genauso ist es bei Gott auch.Er liebt die Menschen so sehr, dass er sein Leben hingibt, damit jeder, der sein Geschenk annimmt, einmal bei ihm sein kann.

Die Bibel erzählt uns davon, was Gott alles tut, um uns Menschen für sich zu gewinnen. Daher ist sie nicht nur eine Ansammlung von Geschichten, die sich wie ein Roman lesen lassen, sondern (fast) jede Geschichte hat einen tieferen Sinn, der sich nur erschließen lässt, wenn man darüber nachdenkt und die Texte auf sich wirken lässt.

Eine Methode, die mir dabei hilft, die Bibel immer tiefer zu entdecken, ist die sogenannte „Lectio divina“ oder auf Deutsch „Göttliche Lesung“. Das Anliegen dieser Lesemethode ist es, nicht nur mit dem Verstand den Text zu erfassen, sondern auch mit dem Herzen. Dies gelingt mit vier einfachen Schritten:

  1. Lectio (Lesung): Lies den Text (nicht mehr als 10 Verse auf einmal) mindestens zweimal durch – am Besten laut. Frage Gott vor, aber auch während des Lesens, was er Dir mit den Versen sagen möchte. Nimm den Text beim Lesen ganz bewusst wahr. Vielleicht sind es einzelne Worte oder Sätze, die Dich beim Lesen bewegen. Wenn Du eine Geschichte liest, dann versuche Dich, in die Situation von damals hinein zu versetzen.
  2. Meditatio (Vertiefung): Wenn Du eine Stelle in dem Textabschnitt gefunden hast, die Dich bewegt, dann betrachte den Zusammenhang, schlage Parallelstellen auf und beobachte den Text. Frage Dich, warum Dich das Gelesene anspricht. Denke darüber nach, was der Text Dir über Gott, Jesus Christus oder den Heiligen Geist sagt. Schreibe Deine Gedanken dazu auf.
  3. Oratio (Gebet): Sprich mit Gott über den Text im Gebet. Frage ihn, was der Text für Dich bedeuten soll oder wie Du das Gelesene in die Tat umsetzen kannst. Vielleicht wird Dir dadurch eine Verhaltensweise bewusst, die Du ändern möchtest, dann besprich auch das mit Gott oder vielleicht fällt Dir dadurch etwas auf, wofür Du dankbar bist. Erzähle ihm von Deinen neugewonnen Einsichten und tausche Dich mit ihm darüber aus. Schreibe auch  hier Deine Gedanken auf.
  4. Contemplatio (Mit in den Tempel): Bleibe im Gespräch mit ihm. Du kannst Gott loben oder einfach die Stille und die Zeit mit ihm genießen. Das ist die Zeit für die Begegnung mit Gott, die Du frei gestalten kannst. Vielleicht kam Dir im Gebet oder bei der Lesung ein Gedanke, den Du in die Tat umsetzen möchtest, dann nutze jetzt die Gelegenheit dazu.

Ich persönlich empfinde diese Lesemethode als sehr gewinnbringend, da sie Kopf und Herz gleichermaßen berührt. Die Texte werden dadurch lebendig und erfahren eine große Tiefe, die ich vorher nicht in ihnen gesehen habe.

Wie lest ihr in der Bibel? Welche Methode könnt ihr empfehlen?

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