Gott erleben: Jetzt erst recht!

Saneberg Allgäu Urlaub
Foto: J. Mueller / nachgedachtbog

Heman ging es sehr schlecht. Er war dem Tod näher als dem Leben. Tag und Nacht wurde er von Schmerzen gequält. Es war unerträglich für ihn – und mittlerweile auch für seine Freunde. Keiner von ihnen wollte noch irgendwas mit ihm zu tun haben. Sie hatten sich von ihm abgewandt. Einfach so. Sie mieden jeden Kontakt mit ihm – aus Angst sich bei ihm anzustecken. Wer zu seiner Zeit krank wurde – noch dazu so krank wie er – musste irgendetwas Schlimmes angestellt haben. Irgendeine besonders schlimme Sünde würde es ja wohl gewesen sein, so meinten sie. Und damit wollten sie nichts zu tun haben. Sie wollten verhindern, dass Gottes Zorn auch sie traf und so brachen sie jeden Kontakt zu ihm radikal ab.

Heman fühlte sich daher von Gott und seinen Freunden verlassen. Er fühlte sich einsam und das verschlimmerte erst recht noch seine Krankheit. Wo war Gott? Warum war er so krank? Woher kam das? In seinem Denken gab es nur einen Urheber dafür: Gott. Von Gott kam, so glaubte Heman, das Gute und das Böse – Gesundheit und Krankheit, Leid und Glück. Aber anstatt sich nun komplett von Gott abzuwenden, so wie einige von uns es heute tun würden, wandte er sich erst recht an ihn:

„Herr, Gott, mein Retter, Tag und Nacht rufe ich zu dir. Höre mein Gebet, vernimm mein Schreien.“ (Psalm 88,2+3 Neues Leben)
Im weiteren Verlauf des Psalms schildert er Gott seine Qualen. Er fragt ihn nach dem Warum und gewährt dem Leser Einblick in seine Seele. Mich berührt es, dass er sich nicht von Gott abwendet, sondern sich ihm zuwendet. Auch wenn er Gottes Handeln nicht verstehen kann, hält er an Gott fest. Wie ein Kind klammert er sich sozusagen an den Hosenbeinen seines himmlischen Vaters fest und klagt ihm sein Leid. Er nennt ihn Retter und sieht ihn als seine einzige Hilfe an.
Mir schoss da die Frage durch den Kopf: Wie gehe ich mit Leid um? Wie verhalte ich mich Gott gegenüber, wenn ich ihn nicht verstehen kann? Ziehe ich mich zurück? Gehe ich auf Distanz zu ihm? Gott in solchen Momenten loszulassen ist einfacher, als sich weiterhin an ihn zu klammern. Aber nur selten ist auch der Einfachere automatisch der richtige Weg. Vielleicht sollte ich es so wie Heman machen – so nach dem Motto: „Jetzt erst recht!“
Doris Heindl schreibt dazu in der Bibellesezeitschrift „Orientierung“ (Ausgabe 1/16) unter dem Tagesabschnitt vom 20.03.2016 auf Seite 60:
„Ob Sie es nun als Schicksal sehen, als Prüfung Gottes der als Produkt einer gefallenen Welt: Rufen Sie zu Gott um Hilfe! – Und eins noch: Die schönen Dinge im Leben, die Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern: Genießen Sie sie! Ich bin überzeugt, die schenkt in jedem Fall Gott.“
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2 Gedanken zu “Gott erleben: Jetzt erst recht!

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