Gott erleben: Die Karwoche

Gran Canaria
Foto: K. Müller / nachgedachtblog

Wir befinden uns wieder einmal in der Karwoche. Übermorgen ist Karfreitag – der Tag, an dem wir an Jesu Tod denken. Manchmal frage ich mich ja schon, inwieweit der 0815-Bürger noch etwas mit diesen Tagen anfangen kann. Vermutlich nicht besonders viel – sonst wäre er dieses Jahr nicht Bestandteil des Wahlprogramms mancher Parteien in Baden-Württemberg gewesen. Es ging um die Frage, ob man Discos und Clubs an diesem Tag nicht öffnen könnte, da doch das Interesse an Vergnügen und Tanz groß sei und für viele dieser Tag keine Bedeutung mehr habe. Der Karfreitag scheint heutzutage nur ein traditioneller Feiertag zu sein – ohne Bedeutung für das Leben von heute.

Für mich persönlich ist Ostern sehr wichtig – vielleicht noch wichtiger als Weihnachten (auch wenn ich Weihnachten paradoxerweise größer feiere als Ostern). Es ist für mich aber auch weniger ein Fest zum Feiern (außer der Ostersonntag), sondern vielmehr eine Zeit des Nachdenkens und des „Sich-Besinnens“. Ich denke darüber nach, was es für mich persönlich bedeutet, dass Jesus für mich gestorben ist.

Noch bevor Jesus starb, ließen ihn sämtliche Freunde im Stich. Einer seiner Freunde verriet und ein anderer verleugnete ihn sogar. Er war einsam und verlassen. Durch die schwierigste Zeit in seinem Leben musste er ganz alleine gehen. Ende des vergangenen Jahres erlebte ich eine sehr schwierige Situation und ich war sehr froh für meine Familie und meine Freunde, die mich in dieser Zeit auffingen. Ich kann es mir nicht vorstellen, wie es ist, vollkommen alleine durch Schwierigkeiten hindurch zu gehen. Jesus hat es erlebt. Am Kreuz ruft er aus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (Markus 15,34 Neues Leben). Sogar sein Vater, mit dem er eine besonders enge Beziehung pflegte, schien sich in diesem Moment von ihm abzuwenden.

Vielleicht fühlst Du Dich im Moment alleingelassen. Du stehst in einer schwierigen Situation und weißt nicht mehr weiter. Du hast niemanden bei dem Du Dich ausweinen kannst oder der Dich auffängt. Dann denke an Jesus am Kreuz. Er versteht Dich gut – besser als Du ahnst. Ihm kannst Du alles sagen und er liebt es, Dir zuzuhören und Dich zu hören. Hans-Joachim Eckstein soll mal gesagt haben: „Gott will nicht Neues von uns hören. Er will uns hören – und das jeden Tag aufs Neue.“ Erzähle ihm von Deinen Sorgen und Problemen und ich bin überzeugt davon, dass Gott Dir Lösungen und Auswege dafür zeigen wird. In Jesaja 66,13: „Ich selbst werde euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet.“

Der Karfreitag erinnert mich daher immer daran, dass Leid zum Leben dazu gehört. Aber gleichzeitig lehrt es uns auch, dass wir nicht völlig allein damit sind. In Jesus haben wir jemanden, der uns versteht. Er weiß, was es heißt gemobbt zu werden, allein zu sein, Schmerzen zu haben und die Welt und Gott nicht mehr zu verstehen. Karfreitag hat für mich daher die Botschaft: Weil Jesus für Dich starb, bist Du nicht mehr allein im Leid oder in schwierigen Entscheidungen und Situationen! Er steht an Deiner Seite!

Darüberhinaus bedeutet der Karfreitag auch, dass Jesus meinen Platz einnimmt. Folgt man den Gedanken der Bibel, dann ist seit dem Sündenfall das Böse in der Welt und kein Mensch hat nach dem Tod ein Paradies verdient. Wir sind zu schlecht. Gottes Anforderungen sind zu hoch – keiner von uns könnte sie aus eigener Kraft erreichen. Vielleicht nur zwei Beispiele: Wer jemand anderen als Dummkopf bezeichnet, hat ihn bereits getötet – so führt es Jesus in seiner berühmten Bergpredigt aus. Ich weiß nicht wie oft ich damit schon lahme Autofahrer vor mir „umgebracht“ habe. Genauso ist es auch damit,  wenn man einen anderen nur begehrlich anschaut – Jesus sagt dazu, dass man in diesem Moment bereits die Ehe gebrochen habe. Das sind ganz schön harte Definitionen von Mord und Ehebruch. Hätten wir in Deutschland so harte Gesetze, wären unsere Gefängnisse randvoll gefüllt und die meisten von uns würden sich hinter den schwedischen Gardinen befinden.

Gott ist ein Gott, der liebevoll und gerecht in einem ist. Aus Gerechtigkeit darf nur in den Himmel, wer sündlos ist. Aus Liebe möchte er aber jeden Menschen dabei haben. Also gab es nur eine Möglichkeit: Er selbst musste Mensch werden, hier auf der Erde leben und zeigen wie ER wirklich ist und letzten Endes für die Menschen stellvertretend sterben. Wer nun erkennt, dass man es selbst gar nicht in den Himmel schafft und wer dieses Geschenk Gottes – nämlich den Tod Jesu – für sich annimmt, der wird gerettet werden.

Der Karfreitag erinnert mich daher daran, dass ich aus eigener Kraft nicht in den Himmel kommen kann. Meine Schuld ist einfach viel zu groß und zu schwer. Aber weil Jesus an meiner Stelle gestorben ist und damit meine Schuld bezahlt hat, kann ich ewiges Leben bekommen. Dadurch gibt es Hoffnung und Zukunft.

„Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat. Gott sandte seinen Sohn nicht in die Welt, um sie zu verurteilen, sondern um sie durch seinen Sohn zu retten.“ (Johannes 3,16.17 Neues Leben)
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4 Gedanken zu “Gott erleben: Die Karwoche

  1. Liebe Kirsi,

    ein schöner Blogbeitrag. Zu dem einen Aspekt: Es ist schön, dass wir einander haben. Wir haben Dich lieb und denken auch immer in unseren Gebeten an Dich.

    Liebe Grüße

    Papa

    Gefällt 1 Person

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