Lieblingsbücher: Gute Geister

Als erstes muss ich mich bei euch, liebe Leser entschuldigen. Ich war letzte Woche krank und bin dann übers Wochenende weggefahren, sodass ich es leider nicht mehr rechtzeitig geschafft habe, euch mein zweites Lieblingsbuch vorzustellen. Das möchte ich heute nachholen. 🙂

Gleichzeitig möchte ich auch ankündigen, dass ich für die restliche Woche eine Pause mit dem Bloggen einlegen werde. Ich habe diese Woche sehr viele Vorlesungen und habe gerade einige wichtige Dinge in der Pipeline, die nicht warten können. Daher wird dieser Buchtipp der einzige Artikel in dieser Woche sein. Ich lade euch aber herzlich ein, in den alten Artikeln zu stöbern.

So – jetzt aber zu einem weiteren meiner Lieblingsbücher:

Gute Geister von Kathryn Stockett
Foto: http://www.randomhouse.de/

Skeeter – eigentlich heißt sie Eugenia – ist eine junge, weiße Amerikanerin aus reichem Elternhaus, die in den 60er Jahren in Jackson, Mississippi lebt. An Heiraten und Kinderkriegen hat sie kein Interesse. Sie möchte viel lieber Journalistin werden und Karriere machen. Da kommt ihr die zündende Idee für ein Buch. Doch dazu benötigt sie neben sehr viel Mut auch noch die Hilfe zweier Dienstmädchen: Aibileen und Minny.

Die Autorin überzeugt mit ihrem Roman auf ganzer Linie. Kein Wunder also, dass das Buch nicht nur ein Bestseller ist, sondern inzwischen auch schon verfilmt wurde.

Kathryn Stockett schafft es, die verschiedenen Charaktere überzeugend und authentisch darzustellen. Jeder der Charaktere schildert seine Sicht der Dinge aus der Ich-Perspektive. Dabei verwendet die Autorin auch noch unterschiedliche Schreibstile. Während Skeeter gebildet klingt und keine Umgangssprache verwendet, verwenden beide Dienstmädchen die Umgangssprache, um sich auszudrücken. Alle drei Protagonisten haben aber die Zeitform gemeinsam: Im Gegensatz zu anderen Romanen hat die Autorin hier die Gegenwart als Zeitform ausgewählt.

Das Leben der beiden Dienstmädchen wird so authentisch geschildert, dass man als Leser meint, die Autorin hätte selbst einmal als Dienstmädchen in den 60er Jahren gearbeitet – so realistisch und glaubwürdig klingen ihre Schilderungen.

Für mich als Europäerin, die ich in den 80er Jahren geboren wurde, klangen manche Vorstellungen der weißen Amerikaner unmöglich: Die afroamerikanischen Dienstmädchen wären schmutzig und mit Bakterien und Krankheiten versorgt – deswegen sollten sie bspw. eigene Toiletten benutzen und nicht die ihrer weißen Dienstherren. Darüber kann man aus heutiger Perspektive nur den Kopf schütteln und es scheint schon fast unvorstellbar, dass es im 20. Jahrhundert in Amerika Menschen gab, die tatsächlich so dachten. Gut eingeflochten in das Buch sind auch die bekannten Figuren und Geschehnisse der damaligen Zeit – bspw. Martin Luther King oder die Freedom Riders oder Kennedys Tod.

Für mich war das Buch eine sehr überzeugende Darstellung der Mentalität und des Denkens der Menschen in den Südstaaten in den 60er Jahren. Die Autorin überzeugt mit der großen Warmherzigkeit ihrer Hauptprotagonisten und ihrer authentischen, glaubwürdigen Darstellung. Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen und vergebe ihm daher fünf Sterne.

Lieblingsbücher: Die Bibel

Am kommenden Samstag ist Welttag des Buches. Daher möchte ich euch heute und am Freitag zwei meiner Lieblingsbücher vorstellen, die für mich zu den Büchern gehören, die man unbedingt gelesen haben sollte.

Heute geht es mir um das Buch, das mich überallhin begleitet und das ich definitiv auf eine einsame Insel mitnehmen würde: Die Bibel.

Vielleicht überkommt euch ja, wenn ihr diesen Titel hört, das große Gähnen. Die Bibel? Das ist doch nur ein langweiliges Buch! Ja, ich gebe zu – es gibt einige Längen. Aber dazwischen gibt es ganz fantastische und spannende Geschichten!

Ein Bloggerkollege von mir hat vorgestern einen großartigen Klappentext zur Bibel geschrieben, der einen richtig neugierig auf dieses alte Buch macht:

BIBEL. LESEN. (2. Teil) – FANTASIE

schmillblog

Um die Bibel zu lesen braucht man Zeit – und das nicht nur, weil es so viele Seiten sind.

Es gibt noch eine weitere Zutat für gutes Bibellesen: Fantasie.

Fantasie ist ein Geschenk Gottes. Hätte er uns nicht so gemacht, wären wir fantasielos.

Fantasie – wozu brauch man sowas eigentlich?

Es ist stockdunkel – plötzlich bricht ein Licht herein. Die Wassermassen ziehen sich zurück – fester Boden. Halme und Blättchen wachsen aus der Erde. Es raschelt. Es fängt an zu krabbeln und zu flattern. Ein nackter Mann sieht zum ersten Mal eine nackte Frau. Eine Schlange spricht – verführerisch. Eine schöne, saftige Frucht hängt am Baum. Kräftig reinbeißen! Menschen sind plötzlich nackt. Ein Bruder wird von Eifersucht gepackt: Mord! Eine Mutter verliert zwei Kinder an einem Tag. Wassermassen – fast alle ertrinken. Unüberschaubare Anzahl von Leichen. Ein alter besoffener Mann liegt da nackt. Eine Familie ziehen wie Zigeuner in einem…

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Gott erleben: Du bist angenommen!

Esslingen a. Neckar
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Am vergangenen Wochenende las ich eine sehr berührende Geschichte in dem Buch „Gott auf der Spur“ von Lee Strobel. Stephanie Fast wuchs in Korea auf. Sie war ein Mischlingskind. Ihren Vater lernte sie nie kennen. Als sie noch ganz klein war, setzte ihre Mutter sie in den nächsten Zug nach Nirgendwo. Auf sich alleingestellt, musste sie mit nur drei oder vier Jahren lernen, auf der Straße zu überleben.

Da sie ein Mischling war, wurde sie von den anderen Straßenkindern verachtet und verprügelt. Mehrmals gerät sie in Lebensgefahr, nachdem sie den Bauern Essen gestohlen hatte. Doch sie kam jedes Mal mit dem Leben davon und bekam von ihren Rettern zu hören: „Es ist sehr, sehr wichtig, dass Du am Leben bleibst.“

Als sie sieben Jahre alt war, wurde sie Mitglied in einer Gruppe von Waisenkindern. Dort erlebte sie eine schlimme Zeit des Missbrauchs. Als dann aber eine Choleraepidemie in Korea ausbach, konnte sie sich von dieser Gruppe befreien. Als Stephanie dann selbst sterbenskrank wurde, hatte sie Glück und wurde, obwohl sie kein Kleinkind mehr war, von einer Mitarbeiterin von World Vision gerettet und in einem Waisenhaus untergebracht. Normalerweise nahm dieses Haus nur Kleinkinder auf, da sie leichter vermittelbar sind. In ihrem Fall war es tatsächlich ein Wunder, dass die Heimleitung eine Ausnahme machte und sie aufnahm.

Im Waisenhaus kümmerte sie sich um die Babys. Eines Tages kam ein amerikanisches Ehepaar zu Besuch. Sie wollten sich einen kleinen Jungen aussuchen und ihn adoptieren. Dabei begegnete dieses Ehepaar Stephanie. Sie war kein schöner Anblick. Ihre Haut war übersät mit Schmutz. Ihr Kopf war voller Läuse und in ihrem Bauch hatte sie so viele Würmer, dass sie immer wieder aus ihrem Mund herauskrochen. Sie war untergewichtig und hatte  viele offene Wunden im Gesicht.

Und doch streckte der Mann seine Hand nach ihr aus und legte sie auf ihre Wange und streichelte sie. Noch nie hatte jemand sie so liebevoll berührt. Deshalb wusste sie nicht wie sie damit umgehen und darauf reagieren sollte, schob seine Hand weg und spuckte ihn an. Danach rannte sie davon und versteckte sch in einem Schrank.

Doch das Wunder geschah. Das Ehepaar änderte seine Pläne und anstatt ein süßes kleines Baby mitzunehmen, entschieden sie sich für sie und adoptierten sie. Für Stephanie war das unbegreiflich. Zudem verstand sie auch nicht, was eine Adoption wirklich bedeutete. Damals war es üblich, dass sich reiche Leute Kinder aussuchten und sie als Diener oder Sklaven hielten. Und so dachte sie, dass sie nun eine Dienerin dieses Ehepaares sei. Daher war sie recht verwirrt als sie zwar ein eigenes Bett und neue Kleider bekam, aber dafür nie arbeiten musste.

Die Monate strichen ins Land. Sie wurde sowohl vom Ehepaar als auch von anderen Menschen nun nicht mehr als Mischling behandelt, sondern so als sei sie eine Prinzessin. Eines Tages sprach sie mit einem anderen Mädchen darüber und dieses Mädchen erklärte ihr, dass sie ja nun die Tochter dieses Ehepaares sei und deswegen auch nicht arbeiten müsse. Für Stephanie war das eine völlig neue Erkenntnis, die sie überwältigte. Sie war nun nicht mehr das ungewollte Mischlingskind. Sie war keine Dienerin oder Leibeigene, sondern sie war eine Tochter.

Mich erinnerte diese Geschichte an einen Text aus der Bibel, den ich vor einiger Zeit mal gelesen habe:

„Die ihn aber aufnahmen und an ihn glaubten, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden. Das wurden sie nicht, weil sie zu einem auserwählten Volk gehörten, auch nicht durch menschliche Zeugung und Geburt. Dieses neue Leben gab ihnen allein Gott.“ (Johannes 1,12.13 Neues Leben)
Eine der wichtigsten Botschaften der Bibel ist es: Du bist geliebt! Gott möchte Dich als sein Kind adoptieren und das Einzige, was dazu fehlt, ist unser „Ja, ich will“. Wer einmal Gott gegenüber Ja gesagt hat, wird erleben wie sich das gesamte Leben ändert und wie es auf den Kopf gestellt wird. Ich habe meine Entscheidung vor vielen, vielen Jahren getroffen. Es ist die beste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe und ich kann nur jeden ermutigen, diese Entscheidung für ein Leben als Kind Gottes ebenfalls zu treffen.

Ärger in Korinth

Aufstieg Hochhädderich
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Ich habe heute in meiner persönlichen Bibellesung mit dem 1. Brief an die Korinther begonnen. Dieser Brief stammt vom Apostel Paulus und ist für mich ein ganz besonderes Schreiben. Um ehrlich zu sein – es ist kein besonders schöner und ermutigender Brief… Die Briefe an die Römer und an die Galater gefallen mir da mehr, die sind so schön ermutigend und aufbauend.

Die Gemeinde in Korinth hingegen ist aufgrund von diversen Streitereien ziemlich zerstritten. Paulus hat von ihren Auseinandersetzungen erfahren und versucht, ihnen nun den Kopf zurecht zu rücken. Mich berührt daher der Einstieg, den Paulus gewählt hat. Er fängt nicht mit einer Donnerwetterpredigt an, sondern mit dem eigentlichen Fundament der Gemeinde – Jesus Christus:

„Die Botschaft von Christus ist der feste Grund eures Glaubens. Darum fehlt bei euch keine der Gaben, die Gottes Geist den Glaubenden schenkt. So wartet ihr darauf, dass Jesus Christus, unser Herr, für alle sichtbar kommt. Er wird euch die Kraft geben, im Glauben festzubleiben und das Ziel zu erreichen, so dass ihr vor ihm bestehen könnt, wenn er kommt. Darauf könnt ihr euch verlassen, denn Gott steht zu seinem Wort. Er selbst hat euch ja zur Gemeinschaft mit seinem Sohn, unserem Herrn Jesus Christus, berufen.“ (1. Korinther 1,6-9 Hoffnung für alle)
Es ist kein Zufall, dass die Korinther eine Gemeinde bilden – Gott hat sie dazu berufen. Paulus weiß genau wie es in der Gemeinde in Korinth gerade ausschaut und doch scheint er hier zu sagen: „Gott hat euch berufen – das ist die Hauptsache.“ Auch wenn es in Korinth gerade drüber und drunter zu gehen scheint, so hat Gott die Gemeinde dennoch berufen und daran gibt es nichts zu rütteln. Und weil Gott die Gemeinde berufen hat, so ist er ihnen auch treu und steht hinter ihnen. Er lässt sie in ihren Schwierigkeiten nicht im Stich, sondern möchte sie stärken, damit sie im Glauben festbleiben.
So manches Mal geht es auch heute noch chaotisch in den Gemeinden zu. Auch heute gibt es immer wieder Zank und Streit in den Kirchen. Gottes Bodenpersonal ist nicht perfekt. Und doch steht er hinter seinen Leuten und möchte sie unterstützen wo es nur geht. Er lässt sich von den Streitereien nicht beirren, sondern möchte seine Freunde ans Ziel bringen. Gott hat immer die Ewigkeit vor Augen und er wird alles in seiner Macht stehende tun, damit wir dieses Ziel erreichen. Was kann da noch schiefgehen?

Lieblingsbücher: „Patricia St. John – Die Autobiographie“

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Foto: https://www.fontis-verlag.com/buch/patricia-st-john-die-autobiografie/

Patricia St. John ist durch ihre zahlreichen, christlichen Kinderbüchern einer ganzen Reihe von Lesern bekannt. Ihre Klassiker wie „Spuren im Schnee“, „Das Geheimnis vom Wildenwald“ oder „Der verschlossene Garten“ haben viele Kinderherzen höher schlagen lassen. Doch wer war die Frau hinter diesen spannenden Büchern? Patricia St. John lässt es sich nicht nehmen und erzählt aus ihrem spannenden Leben.

Mir ist Patricia St. John schon von Kindesbeinen an ein Begriff. Ich habe ihre Bücher geliebt und auch die Verfilmungen. Daher habe ich mich umso mehr darüber gefreut, dass ihre Autobiographie nun veröffentlicht wurde.

Ihr Humor und ihr fröhlicher Schreibstil ziehen sich durch das gesamte Buch hindurch. Selbst in den schwierigen Kapiteln ihres Lebens spürt der Leser wie sehr sich die Autorin von Gott getragen weiß. Das berührt zutiefst und die Autorin wird dadurch zu einem Vorbild.

Besonders interessant und faszinierend war für mich ihre Zeit in Marokko als Missionarin. Insbesondere in unserer heutigen Zeit ist es interessant und faszinierend zu lesen wie sie in einem muslimischen Land und unter damals schon schwierigen Bedingungen Muslime zu Christus führte. Ihre Liebe zu den Menschen ist auf jeden Fall ansteckend.

Patricia St. John ist eine sehr berührende Autobiographie, die mit Authentizität, Warmherzigkeit und positiver Ausstrahlung überzeugt und dadurch zu einem wahren Pageturner wird.

Wer ist der Chef in meinem Leben?

Insel Pag
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Vor einiger Zeit besuchte ich mit einer Freundin eine christliche Buchhandlung. Wir hielten uns mehrere Stunden darin auf und nahmen uns die Zeit zum intensiven Stöbern. Hinterher kamen wir auf die hohen Buchpreise zu sprechen, die in der christlichen Buchbranche doch deutlich höher als bei anderen Verlagen sind. Auf ihre Frage, warum das so sei, antwortete ich, dass das sicherlich damit zusammenhänge, dass Deutschland kein christliches Land mehr sei und dadurch die Nachfrage auch nicht so hoch sei. Sie guckte mich ganz verdutzt an und meinte nur: „Wie – Deutschland ist kein christliches Land?“

Ja, es stimmt – wir sind christlich sozialisiert, aber fragt man die Leute auf der Straße, weshalb wir Weihnachten oder Ostern feiern, dann kommen die merkwürdigsten Antworten zusammen. Als sehr plakativ empfand ich ein Video, das ich auf Youtube fand. Darin wurde alle möglichen Leute gefragt, was wir denn an Ostern feiern würden. Keiner wusste die richtige Antwort – außer einem Moslem. Und wenn ich mich selbst so mit den Leuten unterhalte, dann bedeutet für viele Christsein, sofern sie noch Mitglied in einer Kirche sind, dass man an Weihnachten in die Kirche geht, weil es sich so gehört, aber dass sonst der Glaube im Alltag keine große Rolle spielt. Spätestens nach der Hochzeit treten viele aus den Kirchen aus.

Daher behaupte ich mal, dass wir in Deutschland christlich sozialisiert sind. Viele der christlichen Werte sind in unserem Grundgesetz verankert. Aber das war es auch schon. Mit Glaube und Gott wollen viele nichts mehr zu tun haben. Daher ist für mich die Frage schon berechtigt: Sind wir noch ein christliches Land? Was bedeutet es denn wirklich Christ zu sein?

In erster Linie ist Christsein eine Beziehung mit Gott. Der Mensch lernt Gott kennen und irgendwann kommt es dann zu einer Freundschaft mit ihm. Diese Freundschaft wird immer tiefer bis man auch öffentlich bekennt, dass man sein Leben mit Gott gemeinsam gehen will – das nennt man dann Taufe. Sobald man aber die Freundschaft mit Gott beginnt, verändert sich Stück für Stück das ganze Leben. Dinge, die einem vorher furchtbar wichtig waren, werden nun unwichtig. Die Werte verschieben sich. Paulus sagt dazu Folgendes:

„Das bedeutet aber, wer mit Christus lebt, wird ein neuer Mensch. Er ist nicht mehr derselbe, denn sein altes Leben ist vorbei. Ein neues Leben hat begonnen!“
(2. Korinther 5,17 Neues Leben)

Wenn man in einer Beziehung mit Gott lebt, verändert man sich also automatisch. Das geschieht nicht aus eigener Kraft, sondern allein durch Gott. In Beziehung mit Gott zu leben, bedeutet daher auch, ihn zum Chef meines Lebens zu machen. Bis dahin hab ich für mich entschieden, was ich machen möchte, was mir gut tut usw. Sobald ich aber mein Leben in einer Beziehung mit Gott führe, wird er zum Chef. Er bestimmt die Richtung meines Lebens. Es kommt zu einem Herrschaftswechsel und damit zu einem Veränderungsprozess.

Ich habe vor einigen Jahren von einem Mann gelesen, der sich richtig stark verändert hat – so stark, dass er von einem Sklavenhändler zum Sklavenbefreier wurde und dafür sorgte, dass die Sklaverei abgeschafft wurde.

Er wurde 1725 in England geboren. Sein Vater war Kapitän und somit oft unterwegs. Seine Mutter war sehr gläubig, allerdings starb sie sehr früh als er erst sechs Jahre alt war. Zu seinem Vater baute er keine rechte Beziehung auf – er blieb ihm fremd. Die Stiefmutter steckte den kleinen Jungen ins Internat. Schon recht früh wurde er zu einem traumatisierten Kind.

Als Teenager sollte er zur Berufsausbildung nach  Jamaika, doch er schmiss alles hin, weil er kurz vor der Einschiffung seiner Cousine Polly begegnet war und sich unsterblich in sie verliebte. Kurz darauf wurde er von Soldaten der Royal Navy zwangsrekrutiert. Die Zeit bei der Royal Navy ist hart: Wenn er nicht gerade andere schikaniert und gemobbt wurde, wurde er fertig gemacht. Eines Tages floh er von Bord und wollte zu Polly fliehen. Doch er wurde geschnappt. Auf Desertation stand die Todesstrafe, doch er wurde „nur“ ausgepeitscht. Das nannte er später seine erste „erstaunliche Gnade“.

Er benahm sich an Bord ziemlich daneben. Seine Flüche waren so wüst, dass selbst die rauhen Seemannsleute darüber schockiert waren. Dem Kapitän reichte es dann irgendwann und auf Madeira tauschte er ihn gegen zwei Handelsmatrosen aus. Er war unehrenhaft aus der Royal Navy entlassen – aber er war frei! Seine „zweite Gnade“ nannte er das.

Doch er kam vom Regen in die Traufe. Er reiste weiter nach Sierra Leone und wurde dort zum Sklaven von einem Kaufmann. Er wurde übel misshandelt und verrohte und verwilderte schließlich dort. Doch schließlich kommt er von dort frei und wurde dann selbst zum Sklavenhändler. Unter dem Vorwand eines reichen Erbes wurde John schließlich auf das Schiff „Greyhound“ gelockt und kam in einen gewaltigen Sturm. John flehte Gott um Hilfe an und überlebt – die „dritte erstaunliche Gnade Gottes“.

In England angekommen erfuhr er beim Notar, dass das Erbe nicht existierte und wurde somit zu einem mittellosen Mann. Er brach zusammen und löste die Verlobung mit Polly. Doch Polly bestand auf der Beziehung und heiratete ihn trotzdem. Er dankt Gott dafür und nennt das seine vierte erstaunliche Gnade.

Um den Schwiegereltern zu beweisen, dass er tüchtig ist und seine Familie ernähren kann, wurde er wieder zum Sklavenhändler –damals ein lukrativer Job. Aus heutiger Sich eigentlich unfassbar: Wie kann ein Mensch, der von Gott gnädig gerettet wurde, in sein menschenverachtendes Handwerk zurückkehren?! Er tat es jedenfalls. Aber Gott hatte ihn verändert. Er empfand nur noch Verachtung über diese Arbeit und so legte er sie ziemlich bald nieder und wurde Hafenmeister. In dieser Zeit kam er mit der Erweckungsbewegung und dem Prediger George Whitefield in Kontakt. Er empfand echte Reue und in ihm entwickelten sich Unrechtsbewusstsein, Empathie und Sensibilität. Er wollte Pastor werden, aber die Kirche wollte ihn nicht. Erst sieben Jahre später wurde er angestellt. In seiner ersten Anstellung kümmerte er sich zusammen mit Polly liebevoll um einen jungen Musiker. Er schrieb mit ihm zusammen Lieder und ließ ihn bei sich wohnen, da der Musiker seelisch labil war. Den Dorfbewohnern gefiel das überhaupt nicht. Der Tratsch nahm überhand und sie schlugen sogar seine Fenster ein.

In der Silvesternacht 1772/73 unternahm der junge Musiker einen Selbstmordversuch, wurde aber rechtzeitig gerettet. Statt einer Neujahrspredigt las der Pastor der Gemeinde ein Gedicht vor, das er in dieser Nacht geschrieben hatte: Amazing Grace how sweet the sound that saved a wretch like me.“ Noch heute ist es eines der berühmtesten Gospelsongs auf der Welt. Der Name des Dichters ist John Newton.

Einige Zeit später suchte ein junger Adeliger John Newtons Rat. Er wollte Pfarrer werden, hatte aber eine große politische Karriere vor sich. John Newton ermutigte ihn, Politiker zu bleiben und sich für die Abschaffung der Sklaverei einzusetzen. Der ehemalige Sklavenhändler wollte nichts mehr mit der Sklaverei zu tun haben – er wollte dafür sorgen, dass die Sklaverei endlich abgeschafft wird. 20 Jahre lang kämpften sie gegen die Sklaverei. Am 24. Februar 1807 hatten sie Erfolg  – und die Sklaverei wurde im britischen Weltreich verboten.

Dieser Erfolg fing damit an, dass John Newton eine Freundschaft mit Gott begann und sich von ihm Stück für Stück verändern ließ – vom fluchenden Matrosen zum dichtenden Pfarrer, vom Sklavenhändler zum Sklavenbefreier. Das möchte Gott auch mit jedem von uns tun – ich muss ihn dafür nur ans Steuer meines Lebens machen und ihn zum Chef erklären…

 

Lieblingsbücher: Skarabäus und Schmetterling

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Foto: http://www.gerth.de

Ich möchte euch heute eines meiner absoluten Lieblingsbücher vorstellen. Es ist ein Buch, das mich letztes Jahr in seinen Bann gezogen und nicht mehr losgelassen hat und das ich deshalb euch heute weiter empfehlen möchte:

 

Die junge Deutsch-Britin Sarah reist in den 1920er Jahren mit ihrer „Ziehmutter“ und Freundin Alison nach Ägypten, um Howard Carter bei seiner neuen Ausgrabung zu beobachten. Doch kaum dort angekommen treffen sie nicht nur auf zwei sympathische junge Männer – Andreas und Jacob – die sich beide in Sarah verlieben, sondern werden dort auch von gefährlichen Anschlägen bedroht. Nicht nur einmal gerät Sarah in tödliche Gefahr.

90 Jahre später wird auch Sarahs Nachfahrin Rahel immer wieder von Unbekannten lebensgefährlich bedroht und wieder geht es um die damaligen Ausgrabungen von Howard Carter und einigen damals verschwundenen Artefakte. Mithilfe ihrer Freunde Falk, Emma, Daniel, sowie dem Briten Duke versucht sie das Rätsel zu lösen.

Ich liebe ja dicke Wälzer und Elisabeth Büchle hat mit diesem 576 Seiten umfassenden Buch ein ganz besonderes Werk geschaffen. Eigentlich umfasst das Buch zwei eigenständige Bücher. Während andere „Zwei-Epochen-Geschichten“ ineinander verschlungen erzählt werden und die Gegenwart meist nur die Rahmenhandlung für die Vergangenheit darstellt, erzählt die Autorin hier beide Geschichten nacheinander. Jeder Teil ist in sich abgeschlossen – auch wenn der Plot um Sarah auch in der Handlung um Rahel weiterhin eine Rolle spielt.

Besonders begeistert hat mich hier der Schreibstil der Autorin. Im ersten Teil des Buches – im Plot um Sarah – erweckt sie das Ägypten der 20er Jahre zu neuem Leben. Der Leser sieht förmlich die Menschen der damaligen Zeit vor sich, hat die Gerüche auf dem Basar fast schon in der Nase und erlebt die Ausgrabung des Grabes von Tutanchamun fast schon live mit. Für mich war insbesondere dieser Teil ein  wahres Kopfkino. Auch wenn ich noch nie in Ägypten war, so meinte ich fast, ich wäre bereits dort.

Der zweite Teil wirkt hingegen nüchterner auf den Leser, was aber daran liegen mag, dass man sich über den größten Teil hinweg im Berlin oder England des 21. Jahrhunderts befindet. Auffällig ist hier allerdings der starke humorige Anteil des Buches, der vor allem durch die Einführung des Charakters Falk zutage tritt.

Besonders sein Humor und seine lustigen Sprüche haben für mich nicht nur einmal die Spannung gelockert und mich zum Lachen gebracht. Während auch schon bereits sehr viel Spannung im ersten Teil liegt, nimmt für mich der Spannungsbogen im zweiten Teil noch mehr zu. Ich hatte den Eindruck, dass die Geschichte um Rahel noch rasanter erzählt wird und dem Leser auch noch mehr Möglichkeiten zum Miträtseln bietet, da noch mehr potentielle Verdächtige angeboten werden.

Ein großes Gewicht erhält hier auch der christliche Glaube und seine Werte. Eine besonders eindrucksvolle Stelle ist für mich diese hier: „Wenn Menschen dich enttäuschen und dir wehtun, dich verlassen oder Unmögliches von dir fordern und du das Gefühl hast, völlig allein dazustehen, dann hast Du in Gott einen Beistand an deiner Seite. Liebend, tröstend und vergebend.“ (Skarabäus und Schmetterling, S. 254) Elisabeth Büchle zeigt in ihrem Roman auf, wie der Glaube auch in ausweglosen und gefährlichen Situationen helfen kann, mutig den Schwierigkeiten die Stirn zu bieten und die zarten Schmetterlingsflügel trotz eines gewaltigen Sturms zu entfalten und loszufliegen.

Auch Leser, die den Vorgängerband „Das Mädchen aus Herrnhut“ nicht gelesen haben, können der Geschichte um Rahel und ihre Freunde wunderbar folgen – so ging es zumindest mir, da ich den ersten Band um Rahel auch nicht gelesen hatte.

Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen. Das Buch wurde mit einem Augenzwinkern geschrieben und stellt nicht unbedingt den klassisch-historischen Roman oder Krimi dar. Dennoch überzeugt die Spannung, der Humor, die Romantik und der wunderbare, plastische Schreibstil der Autorin wieder einmal. Ich vergebe daher dem Buch fünf Sterne.

Elisabeth Büchle: „Skarabäus und Schmetterling“, Gerth Medien, 2015, 576 S., 17,99 €. Das Buch kann hier erworben werden.