Gott verändert

1985 Herbst Esslingen
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Kinder sind etwas Wunderbares. Einige meiner Freunde haben mittlerweile Kleinkinder und ich finde es so faszinierend, sie beim Großwerden zu beobachten. Allein ihre ersten noch sehr wackeligen Schrittchen zu sehen, ist für mich ein Wunder. Sie sind noch weit davon entfernt perfekt laufen zu können. Bei Heidi Klum würden sie kein Bild für ihren Walk erhalten und doch sind ihre ersten Schritte etwas Wunderbares und sie werden dafür mit Lob überhäuft.

Leider scheint das irgendwann verloren zu gehen und wenn ich mir so manchen perfektionistischen Erwachsenen anschaue, dann macht mich das traurig. Bei Kindern freuen wir uns über jeden Fortschritt, wir loben und ermutigen sie, aber als Erwachsene scheinen wir uns manchmal den kleinsten Fehler gegenseitig übelzunehmen und uns dafür fertig zu machen. Es wird ab einem gewissen Alter einfach vorausgesetzt, dass man manches schon können sollte und wehe dem, der es bis dahin noch nicht gelernt hat.

Besonders schlimm finde ich es in manchen christlichen Kreisen. Da wird dann gelehrt, dass wir uns ordentlich anstrengen und abmühen müssen, um auch tatsächlich in den Himmel zu kommen. Gnade ja – aber nur, wenn man auch alles tut, um sie zu behalten. Wer mit solch einem perfektionistischen Gedanken an die Gnade herangeht, macht Gottes Gnade zu einer billigen Gnade. Man bringt damit zum Ausdruck: „Gottes Gnade ist so billig, dass ich sie mir auch aus eigener Kraft erarbeiten und erhalten kann.“

Paulus schreibt in Römer 12,2:

„Deshalb orientiert euch nicht am Verhalten und an den Gewohnheiten dieser Welt, sondern lasst euch von Gott durch Veränderung eurer Denkweise in neue Menschen verwandeln. Dann werdet ihr wissen, was Gott von euch will: Es ist das, was gut ist und ihn freut und seinem Willen vollkommen entspricht.“ (Neues Leben)

Er macht damit deutlich: Nicht wir verändern uns, sondern Gott ist es, der verändert. Und ich bin sicher, dass Gott sich über jeden unserer Fortschritte so freut wie die Eltern eines Kleinkindes, das gerade Laufen lernt. Und im Gegensatz zu Germany’s next Topmodel muss ich nicht erst einen perfekten Lauf hingelegt haben, um von Gott mein Bild überreicht zu bekommen. Noch bevor ich den allerersten Schritt getan habe, gibt er mir mein Bild und darauf bin ich zu sehen, wie ich einmal sein werde – ein makelloses Abbild seines Charakters, das seine Liebe ausstrahlt. Und ich stelle mir vor, wie er zu mir sagt: „Zu diesem Menschen möchte ich Dich verändern – vertraust Du mir?“

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