Lektionen aus einem Spaziergang

Aufstieg Hochhädderich
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Endlich ist dieser Tag vorbei… Er fing damit an, dass ich mich mit einer Freundin zum Spazierengehen verabredete. Als wir uns dann trafen, erzählte sie mir, sie hätte beim Joggen ihren Schlüssel verloren und fragte mich, ob wir nicht gemeinsam die Strecke ablaufen und nach dem Schlüssel suchen könnten. Und so spazierten wir gemeinsam durchs Unterholz – die Augen auf den Boden geheftet.

Doch obwohl ich auf den Boden schaute, übersah ich dabei eine Wurzel oder einen Tannenzapfen, knickte dadurch mit dem Fuß um und stürzte auf den weichen Waldboden. Tja, daraus habe ich meine erste Lektion gelernt: Man kann so sehr damit beschäftigt sein, eine Lösung für ein Problem zu suchen, dass man die wahren Stolperfallen des Lebens dann übersieht und fällt.

Nach einem kurzen Moment des Schreckens, stand ich wieder vorsichtig auf. Mein Fuß tat zwar ein wenig weh, aber ich konnte ihn belasten und so gingen wir weiter. Irgendwann meinte die Freundin zu mir: „Weiter bin ich nicht gegangen. Lass uns umdrehen und die Seite tauschen.“ Und ich weiß noch wie sie sagte: „Jesus, zeig uns doch wo der Schlüssel liegt.“ Kaum hatte sie dieses Stoßgebet beendet, sah sie ihn auch schon im Sonnenlicht blinken. Wir konnten es beide nicht fassen. Wir hatten noch darum gebetet bevor wir losliefen und jetzt hatten wir ihn auf dem Rückweg gefunden!

Aus diesem Erlebnis nehme ich noch drei weitere Lektionen für mich mit:

  1. Gott hat ein ganz eigenes Zeitverständnis. Er hätte uns bereits schon auf dem Hinweg den Schlüssel zeigen können. Er hat aber noch dieses Stoßgebet abgewartet. Gott hilft uns nicht immer sofort, wenn wir Probleme haben. Manchmal müssen wir warten und manchmal sagt er auch ein Nein. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass er uns hilft und dass er immer nur das Beste für uns im Sinn hat.
  2. So banal es auch klingen mag: Stürze gehören zum Leben dazu – entscheidend ist nur, wie man damit umgeht. Bleibt man liegen und verhält sich so wie der Fußballer, der sich dramatisch über den Boden wälzen und jammern? Oder stehe ich auch nach einem harten Sturz wieder auf und mache aus den Zitronen, die mir das Leben so bietet, eine leckere und erfrischende Limonade?
  3. Ein Perspektivwechsel ist entscheidend. Wir hatten nicht nur die Seiten getauscht, auch die Lichtverhältnisse hatten sich geändert. Vorher waren wir von der Sonne geblendet. Nach dem Richtungs- und Seitenwechsel standen wir mit dem Rücken zur Sonne und konnten nun auch erst den Schlüssel sehen, der die Sonnenstrahlen reflektierte. Ich denke, dass das nicht nur für verlorengegangene Schlüssel gilt, sondern auch für andere Situationen im Leben. Mit ein bisschen Abstand oder dem Austausch mit Freunden lernt man neue Perspektiven kennen und auf einmal erkennt man Lösungen und Hilfen auch in ausweglosen Situationen.

Mein restlicher Tag war noch von einigen Aufs und Abs begleitet und einige weitere Lektionen des Lebens habe ich auch noch gelernt… Aber darüber werde ich vielleicht ein anderes Mal mehr erzählen…

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9 Gedanken zu “Lektionen aus einem Spaziergang

  1. Ich sehe auch immer in jeder noch so miesen Situation die Lehre oder denn Sinn dahinter, da bin ich ebenso wie du, ein (mit Recht) unverbisserlicher Optimist 🙂 Obwohl genau diese Weltsicht eigentlich als realistisch bezeichnet werden müsste! Stattdessen geben sich die meisten Menschen der Illusion der Angst und des Alleinseins hin…
    Jedenfalls sagt mein Mann oft zu mir: „Die redest dir die Welt auch schön, oder?“ Meine Antworten sind dann wahlweise: „Es macht ja sonst keiner“ oder „Die Welt IST schön“ – er hat das meckern schon aufgegeben… 😉

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    1. Ich habe in mir melancholische und sanguinische Anteile und in manchen Situationen ist es dann schon so ein kleiner Kampf, ob nun der Optimist oder der Pessimist siegen wird… Meistens ist es aber der Optimist… 🙂 Ich denke mir immer: Das Glücksgefühl hängt nicht von äußeren Umständen ab, sondern von meiner inneren Einstellung. Ich bin bspw. Single und natürlich gibt es Momente, in denen ich mir einen Partner wünsche, aber die sind – zumindest im Moment – eher selten. Und ich versuche all das zu machen, was ich in einer Beziehung vllt. nicht machen könnte… Ich fahre alleine in den Urlaub, gehe auch mal allein ins Kino oder ins Konzert usw. Und ich genieße das. Warum sollte ich auf Reisen, einen Film oder ein Konzert verzichten, nur weil ich niemanden finde, der mit mir dahin geht? Aber ich kenne viele Singles, die zu mir sagen: „Alleine ins Ausland? Alleine ins Kino? Das könnte ich nicht!“ Da denke ich mir immer nur: Wieviel an Lebensqualität entgeht diesen Menschen, nur weil sie es verpassen, das Positive am Alleinsein zu sehen und nicht bereit sind, auch mal was zu wagen. Da sind mir die unverbesserlichen Optimisten wesentlich lieber… 🙂

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      1. Sowieso! Und was das „Dinge allein tun“ angeht: Das schöne daran ist, man muss keine faulen Kompromisse eingehen. Du willst z.B. unbeding in die Karibik? Dann flieg dahin! Wenn ER dann nach Schottland will bin ich mal auf den Kompromiss gespannt. Den Kompromiss zwischen Komödie und Science Fiction will ich mir gar nicht erst ausmalen! ;D Und wenn du dann den Richtigen findest, hast du viele Dinge, die du ohnehin machen wolltest längst getan – dieser Konfliktpunkt wäre dann also vom Tisch.

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  2. Solche alltäglichen Lektionen sind so toll, ich erlebe sowas auch immer wieder (von meinem „Schlüssel“-Erlebnis erzähl ich auch in meinem aktuellen Blogpost ^^) und finde, dass einem dadurch Wahrheiten so richtig bewusst werden können. Danke für die drei Punkte, die will ich mir auch für meine Jobsuche zu Herzen nehmen. lg!

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    1. Liebe Anne, Du hast bei Deinem Gravatarprofil, das erscheint, wenn ich auf Deinen Name klicke, Deinen Blog nicht eingetragen…kann Dich deshalb leider nicht finden 😥 LG Doris

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