Lieblingsbücher: „Im Käfig der Angst“

Heute habe ich eine Autobiographie zu einer ernsten Thematik für euch. Sie hat mich aber unheimlich bewegt, sodass ich es auf jeden Fall allen angehenden und bereits aktiven Pastoren und Seelsorgern und ehrenamtlichen Helfern in der Gemeinde bspw. in der Diakonie, aber auch in der Kinder- und Jugendarbeit ans Herz legen möchte: „Im Käfig der Angst“ von Ille Ochs (die Schwester von dem bekannten christlichen Liedermacher Peter Strauch).

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Foto: https://www.scm-shop.de/im-kaefig-der-angst.html

Als Kind wurde Ille Ochs von ihrem Vater, einem beliebten Pastor, missbraucht. Jahrelang verdrängt sie das Geschehen völlig, wird aber immer wieder von Depressionen und Ängsten durch ihre Jugendzeit begleitet. Erst nach und nach realisiert sie, was damals geschah und setzt damit einen Bewältigungs- und Vergebungsprozess in Gang. Die Autorin will mit ihrer Autobiografie auf die Situation von Missbrauchsopfern aufmerksam machen und Betroffenen und Angehörigen Hilfe anbieten.

In der Autobiografie von Ille Ochs geht es nicht um Hetze gegen ihren mittlerweile verstorbenen Vater. Mich berührt es ungemein wie sie es schafft, die positiven und negativen Seiten an ihm zu zeichnen. Trotz allem gibt es sie – die Bilder einer unbeschwerten Kindheit und auf der anderen Seite die Szenen der Ängste und Schuldgefühle, die sie nicht einordnen kann und die sie verwirren. Mit leisen Zwischentönen malt Ille Ochs ihre Geschichte auf die Leinwand.

Dabei öffnet sie dem Leser ihr Herz und lässt ihn tief in sich hineinblicken. Gleichzeitig versteht sie es aber auch, Grenzen zu ziehen. Sie erzählt nicht alles, deutet manches nur an, sagt auch mal ganz klar, dass es für sie zu weit geht über etwas noch detaillierter zu berichten. Und doch bleibt das Buch dabei nicht an der Oberfläche, sondern geht auch in die Tiefe.

Das Buch ist in vier Abschnitte unterteilt: 1. Im Käfig meiner Angst, 2. Flügelschläge, 3. Flug in die Freiheit, 4. Wachsende Flügel. Die Überschriften der vier Abschnitte lassen erahnen, dass sie mit dem Bild Vogels im Käfig, der dann seinen ersten Flug unternimmt, ihre Entwicklung beschreibt.

Für mich war besonders der letzte Abschnitt interessant. Darin beschreibt sie ihre Ausbildung und heutige Arbeit als Tanzsoziotherapeutin. Ihre Erkenntnisse aus der Ausbildung und Arbeit lassen sich auch auf andere Teile des Lebens übertragen. Ich fand daher gerade auch den letzten Teil sehr interessant und hilfreich für mich.

Das Schreibstil ist flüssig geschrieben, es ist auch nicht zu düster geschrieben, aber es ist dennoch ein Buch, das nachdenklich stimmt und der ernsten Thematik mehr als gerecht wird. Als angehende Pastorin fand ich das Buch für mich und meine zukünftige Arbeit als sehr hilfreich und es hat mich tief berührt. Das Buch ist daher für alle zu empfehlen, die sich näher mit der Thematik beschäftigen wollen.

Ille Ochs. „Im Käfig meiner Angst“. Gebunden. 2016. 256 Seiten. 16,95 EUR. Das Buch kann hier gekauft werden: www.scm-shop.de