Gott beruft – auch heute

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Foto: ©S. Hofschlaeger / www.pixelio.de

Jeremia lebte vor langer, langer Zeit in Anatot im Gebiet des Stammes Benjamin. Er stammte aus einer Priesterfamilie und sollte eigentlich auch Priester werden, aber dann kam ihm eines Tages Gott dazwischen – und das geschah so:

Im Jahr 427 v. Chr. war der König Josia an der Herrschaft. Das war ein guter König. Er führte die alten Gesetze wieder ein und achtete darauf, dass Gottes Gebote wieder Beachtung fanden. In diesem Jahr sprach Gott zu Jeremia und sagte:  »Ich kannte dich schon, bevor ich dich im Leib deiner Mutter geformt habe. Schon vor deiner Geburt habe ich dich dazu bestimmt, dass du den Völkern meine Botschaften überbringst.« (Jeremia 1,5 Neues Leben)

Schon vor seiner Geburt hatte Jeremias zukünftiges Leben einen Sinn und Zweck: Er sollte Gottes Bote sein – nicht für ein kleines Dorf oder eine Stadt, auch nicht für eine Nation, sondern gleich für mehrere Nationen! Was für eine Aufgabe und Herausforderung! Kein Wunder, dass da der junge Jeremia erst einmal völlig eingeschüchtert war und auf sein junges Alter und mangelnde Redebegabung hinwies. Aber Gott bestärkte ihn und machte ihm Mut. Er würde ihm die richtigen Worte in der jeweiligen Situation schenken und ihn mit der nötigen Vollmacht ausstatten. Jeremia wäre damit nicht auf sich allein gestellt, sondern hätte Gott hinter sich.

Die Geschichte von Jeremia zeigt: Gott beruft nicht die Selbstsicheren, sondern die Selbstzweifler. Große biblische Gestalten wie Mose oder auch Jeremia zweifelten an sich selbst als Gott sie berief. Sie warteten Gott jeweils mit einer Liste an Nichtkönnen auf. Aber Gott hat einen Plan. Er möchte die Selbstzweifel seiner Leute in Gottvertrauen umwandeln und das tut er auch hier bei Jeremia. Gott verspricht ihm, dass er immer bei Jeremia sein würde, dass er sogar über ihn wachen würde:

„Dann fragte mich der Herr: »Jeremia, was siehst du?« Ich antwortete: »Ich sehe einen Mandelbaumzweig.« »Ja, das ist richtig«, sprach der Herr. »Er steht als Zeichen dafür, dass ich wache. Alles wird so geschehen, wie ich es ankündigen werde.«“

Jeremia muss nicht selbst sprechen und aus eigener Kraft die richtigen Worte finden, sondern Gott wird durch ihn reden. Wenn Gott durch einen spricht, dann ist man nicht zu alt, zu jung oder zu unerfahren. Gott ist es, der spricht und nicht wir selbst. Wenn wir uns das bewusst machen, dann schwindet die Angst vor Versagen oder vor anderen Menschen. Wir wissen dann: Uns kann nichts passieren! Gott ist mit uns!

Normalerweise interessieren mich die chronologischen Angaben bei solchen Bibeltexten wenig und ich überlese sie oft. Aber an dieser Stelle finde ich sie hochinteressant. Gott berief Jeremia während der Regierungszeit von Josia. Wie oben erwähnt, war Josia sehr dahinter her, das zu tun, was Gott wollte. Die Könige, die danach an die Macht kamen, gehorchten Gott nicht und wurden dafür dann von Jeremia scharf gerügt. Indem Gott Jeremia während der Regierungszeit von Josia berief, schenkte er Jeremia wahrscheinlich so etwas wie eine „Einarbeitungszeit“. Er konnte sich an seine neue Aufgabe gewöhnen und einfinden, ohne gleich ans Eingemachte zu gehen. Gott forderte damit Jeremia durchaus heraus, aber er überforderte ihn nicht. Das gefällt mir an Gott.

Gott hat auch mich geschaffen und gewollt und er hat auch mit meinem Leben einen Plan. Genauso hat er auch für jeden von euch einen Plan. Und wir dürfen darauf gespannt sein, was Gott Großes mit uns vorhat.

Es ist nur natürlich, dass da auch mal Selbstzweifel kommen, wenn man vor neue Herausforderungen gestellt wird und Gott einem neue Aufgaben zeigt. Aber lasst uns nie den Mandelzweig (s. Bild oben) vergessen, der ein Zeichen dafür ist, dass Gott wacht und uns unterstützt und durch uns wirken möchte. Es sind nicht mehr wir, die reden und handeln, sondern Gott. Das macht Mut und befreit zu großen Taten!

Gib niemals auf

Mauer mit Fenster
Foto: J. Mueller/nachgedachtblog

Jahrelang saß er schon am Straßenrand – Tag ein, Tag aus. Die Leute kannten ihn. Jedes Mal wenn sie in die Stadt kamen oder es verließen, sahen sie ihn. Den Blinden. Manche gaben ihm etwas zu essen oder Geld. Viele gingen aber auch nur ganz schnell vorüber. In ihren Augen musste er schwer gesündigt haben, weil er so krank war und da war es für die eigene Seelengesundheit besser, wenn man ihn ignorierte. Wer weiß – vielleicht war ja Sünde ansteckend?

Eines Tages hörte er lautes Reden und Rufen. Viele Menschen kamen den Weg entlang. Immer wieder hörte er dabei einen Namen: Jesus von Nazareth. Diesen Namen kannte er. Das war doch dieser Rabbiner und Heiler, der so vielen Menschen schon geholfen hatte?! War er etwa da und konnte auch ihm helfen?

Hoffnung keimte in ihm auf. Er wollte Jesus auf sich aufmerksam machen und begann  laut zu schreien: „Jesus, Du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ Immer und immer wieder schrie er diesen Satz so laut er konnte. Er wollte, dass Jesus in diesem Lärm ihn hörte und wahrnahm.

Sein Schreien war penetrant und es war unangenehm – eine Situation zum Fremdschämen. Da saß dieser Blinde, dieser Sünder, und schrie sich die Seele aus dem Leib. Und so fuhren ihn die Ersten an: „Jetzt sei doch endlich still! Halt die Klappe! Siehst Du nicht, dass Du störst?“ Doch der blinde Bartimäus ließ sich nicht davon beirren. Er schrie weiter und wurde sogar noch lauter.

Da blieb Jesus stehen und bat die Umstehenden, ihn herzuholen. Bartimäus stand auf, kam zu ihm und warf sich vor ihm nieder. Und Jesus fragte ihn: „Was soll ich für Dich tun?“ „Lehrer, ich will ich endlich sehen können“, antwortete Bartimäus. Jesus belohnte diesen Glauben und heilte ihn.

Ich mag diese Geschichte von Bartimäus und sie fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Da sitzt dieser Blinde auf den Trümmern der Vergangenheit. Jericho wurde im Lauf der Jahrtausende immer wieder neu aufgebaut. Als sie das erste Mal in der Bibel erwähnt wird, bricht die ganze Stadt gleich in sich zusammen. Bartimäus sitzt hier also buchstäblich auf den Trümmern der Vergangenheit – vielleicht auch seiner eigenen.

Und  doch hat er immer noch Hoffnung – die Hoffnung auf ein neues Leben durch Jesus. Er hätte, als er die vielen Menschen hörte, resignieren können. Wie sollte er diese Menschenmenge übertönen? Aber dieser Gedanke kam ihm anscheinend nicht, denn er fing an zu richtig penetrant zu schreien, um Jesus auf sich aufmerksam zu machen. Das war kein schüchternes Anschleichen an Jesus so wie bei der blutflüssigen Frau, sondern das war ein nicht zu überhörender Hilfeschrei, den Bartimäus da losließ.

Und auch als die anderen Menschen ihn anfuhren, er solle doch gefälligst still sein, da ließ er sich nicht davon beirren, sondern blieb hartnäckig dabei und wurde sogar noch lauter. Das bewundere ich. Und diese Beharrlichkeit brachte ihm den gewünschten Erfolg. Jesus hörte und heilte ihn.

Manchmal ergeht es uns ähnlich wie Bartimäus. Man hat einen großen Wunsch vor Augen und doch scheint die Erfüllung dieses Wunsches weit entfernt zu sein. Manchmal sorgen auch die Menschen in unserem Umfeld dafür, dass wir am liebsten aufgeben wollen. Die Geschichte von Bartimäus macht Mut, nicht aufzugeben, sondern dranzubleiben – egal, was die Anderen von einem denken mögen. Gib niemals auf!

Gottes Reset-Taste

Urlaub St.-Peter-Ording
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Neulich hat mein eBook-Reader gehakt. Nichts ging mehr. Egal was ich auch versuchte – er reagierte einfach nicht. Nicht einmal der Ein- und Ausschaltknopf funktionierte mehr. Erst als ich den Reader in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzte, ging er wieder.

Heute habe ich einen Bibeltext gelesen, der mich an diese Situation mit dem Reader erinnert hat:

„So wie der Tod durch einen Menschen – Adam – in die Welt kam, hat nun durch einen anderen Menschen – Christus – die Auferstehung von den Toten begonnen.“ (1. Korinther 15,21 Neues Leben)

Unsere Welt war mal perfekt: Kein Tod, kein Leid, kein Streit, nichts Böses. Alles war gut. Doch Adam und Eva vermasselten alles und dadurch wurde unsere Welt so wie sie heute ist: chaotisch, gefüllt mit Leid, Krankheiten, Tod, Kriegen usw.

Aber Gott wäre nicht Gott, wenn er nicht schon einen Alternativplan gehabt hätte. Durch seinen Sohn Jesus drückte er im übertragenen Sinn die Reset-Taste und begann damit, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Gott hat verheißen, dass er eines Tages wiederkommen und alles neu machen wird. Dann wird auch der Tod endgültig vernichtet sein. Die Auferstehung Jesu hat dies erst möglich gemacht und ist damit ein Vorgeschmack dessen, was bei der Wiederkunft Jesu passieren wird: Alle Gläubigen, die bereits verstorben sind, werden von den Toten auferstehen und zusammen mit den lebenden Gläubigen in den Himmel kommen.

Mir zeigt dieser Text in der Bibel, dass es nichts gibt, was Gott nicht wieder rückgängig machen kann. Durch Christus drückt er auf die Reset-Taste und stellt den ursprünglichen Zustand wieder her. Das bedeutet auch für mein Leben: Bei Gott gibt es einen Neuanfang, auch wenn alles aussichtslos zu sein scheint. Bei ihm ist es nie zu spät für einen Neubeginn – egal, was man auch getan haben mag, Gott vergibt gerne!

„Wo ist ein Gott wie du, der die Sünden vergibt und die Missetaten seines Volkes verzeiht? Der nicht für immer an seinem Zorn festhält, sondern der sich freut, wenn er barmherzig sein kann? Er wird sich wieder über uns erbarmen, alle unsere Sünden zertreten und alle unsere Verfehlungen ins tiefe Meer werfen!“ (Micha 7,18+19 Neues Leben)

 

Gott erleben: Der Schöpfer

Urlaub St.-Peter-Ording
Foto: J. Mueller / nachgedachtblog

Als Kind fand ich Pfützen immer ganz toll. Anlauf nehmen, abspringen und dann mit beiden Beinen in der Pfütze landen und genießen wie das Wasser spritzt. Ich glaube, meine Mutter fand das nicht ganz so toll, wenn ich mit dreckigen Klamotten nach Hause kam. Aber das gehört zum Kindsein dazu – draußen im Schlamm spielen und dann dreckig nach Hause kommen.

Im Bibelkreis haben wir letztes Wochenende über die Schöpfung gesprochen. Für mich ist es völlig faszinierend zu sehen wie Gott sich für uns Menschen dreckig macht:

 „Da formte Gott, der Herr, aus der Erde den Menschen und blies ihm den Atem des Lebens in die Nase. So wurde der Mensch lebendig.“ (1. Mose 2,7 Neues Leben)

Stellt euch einfach mal diese Szene vor. Unser großer Gott, der Schöpfer Himmels und der Erde, kniet sich hin und greift mit seinen Händen in die Erde und formt wie ein Töpfer den ersten Menschen. Gott macht sich dreckig, nur um uns zu schaffen. Er hätte uns auch nur durch ein Wort erschaffen können, aber nein, er macht sich die Hände schmutzig.

Und um dann den Menschen zum Leben zu erwecken, beugt er sich zum hinunter und bläst ihm den Atem des Lebens in die Nase. Was für ein intimer Moment! Gott kommt dem Menschen ganz, ganz nahe!

Für mich kommt in diesen kleinen Details Gottes große Liebe zu den Menschen ganz besonders zum Vorscheint und das berührt mich zutiefst. Was für einen großartigen Gott habe ich doch!

Wiedersehen

Urlaub St.-Peter-Ording
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Es ist herrlich, nach längerer Zeit nach Hause zu kommen und seine Eltern wiederzusehen. Zumindest geht es mir so. Da wird mir dann erst recht bewusst, wie sehr ich sie doch vermisst habe. 6 – 7 Stunden mit dem Auto ist leider doch eine ganz schöne Strecke, um sich mal kurz zum Kaffeetrinken zu treffen. Umso schöner ist es, wenn man nach Hause kommt und seine Lieben wiedersieht.

Dieses Wochenende feiern wir nicht nur Mutter- und Vatertag, sondern auch noch Himmelfahrt – und wie jedes Jahr werden Himmelfahrt und Vatertag am selben Tag begangen. Und für mich passt das ganz gut zusammen. Vor mehr als 2.000 Jahren kam Jesus nach Hause. Er kehrte zurück in sein Vaterhaus.

Etwas mehr als 30 Jahre hatte er auf der Erde gelebt und war von zu Hause weggewesen. Jetzt endlich kehrte er zurück. Zu gerne würde ich wissen, was ihm durch den Kopf ging als er durch die Luft nach oben in den Himmel schwebte. Freute er sich darüber, dass er seine Mission erfolgreich beendet hatte? Freute er sich darauf, seinen Vater wiederzusehen? Oder dachte er vielleicht auch voller Wehmut an seine engsten Freunde, die er zurücklassen musste?

Vielleicht fragte er sich auch, ob seine Freunde nun tatsächlich seinen Vater anders sehen würden? Drei Jahre lang hatte er sich darum bemüht, seinen Vater sichtbar werden zu lassen. Bis dahin war er bei seinem eigenen Volk der Unaussprechliche gewesen – derjenige, dessen Namen man heiligen sollte und ja nicht falsch aussprechen sollte. Jesus versuchte den Menschen, diese Angst vor seinem Vater zu nehmen. Er lehrte seine Jünger, dass sie Gott ebenfalls mit „Vater“ ansprechen dürften, ja, dass sie ihn sogar Papa nennen dürften. Der entfernte, transzendente Gott, dessen Name nicht ausgesprochen werden durfte, kam dadurch den Mensch ganz nah.

Daran erinnert mich der Vatertag jedes Jahr: Jesus war hier auf der Erde, um uns zu zeigen wie Gott, unser himmlischer Papa, tatsächlich ist und an Himmelfahrt kehrte zu ihm zurück.Ich bin mir sicher, dass an diesem Tag vor über 2.000 Jahren eine große Freude im Himmel herrschte als der Sohn nach so langer Zeit nach Hause zurückkehrte…

Ärger in Korinth

Aufstieg Hochhädderich
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Ich habe heute in meiner persönlichen Bibellesung mit dem 1. Brief an die Korinther begonnen. Dieser Brief stammt vom Apostel Paulus und ist für mich ein ganz besonderes Schreiben. Um ehrlich zu sein – es ist kein besonders schöner und ermutigender Brief… Die Briefe an die Römer und an die Galater gefallen mir da mehr, die sind so schön ermutigend und aufbauend.

Die Gemeinde in Korinth hingegen ist aufgrund von diversen Streitereien ziemlich zerstritten. Paulus hat von ihren Auseinandersetzungen erfahren und versucht, ihnen nun den Kopf zurecht zu rücken. Mich berührt daher der Einstieg, den Paulus gewählt hat. Er fängt nicht mit einer Donnerwetterpredigt an, sondern mit dem eigentlichen Fundament der Gemeinde – Jesus Christus:

„Die Botschaft von Christus ist der feste Grund eures Glaubens. Darum fehlt bei euch keine der Gaben, die Gottes Geist den Glaubenden schenkt. So wartet ihr darauf, dass Jesus Christus, unser Herr, für alle sichtbar kommt. Er wird euch die Kraft geben, im Glauben festzubleiben und das Ziel zu erreichen, so dass ihr vor ihm bestehen könnt, wenn er kommt. Darauf könnt ihr euch verlassen, denn Gott steht zu seinem Wort. Er selbst hat euch ja zur Gemeinschaft mit seinem Sohn, unserem Herrn Jesus Christus, berufen.“ (1. Korinther 1,6-9 Hoffnung für alle)
Es ist kein Zufall, dass die Korinther eine Gemeinde bilden – Gott hat sie dazu berufen. Paulus weiß genau wie es in der Gemeinde in Korinth gerade ausschaut und doch scheint er hier zu sagen: „Gott hat euch berufen – das ist die Hauptsache.“ Auch wenn es in Korinth gerade drüber und drunter zu gehen scheint, so hat Gott die Gemeinde dennoch berufen und daran gibt es nichts zu rütteln. Und weil Gott die Gemeinde berufen hat, so ist er ihnen auch treu und steht hinter ihnen. Er lässt sie in ihren Schwierigkeiten nicht im Stich, sondern möchte sie stärken, damit sie im Glauben festbleiben.
So manches Mal geht es auch heute noch chaotisch in den Gemeinden zu. Auch heute gibt es immer wieder Zank und Streit in den Kirchen. Gottes Bodenpersonal ist nicht perfekt. Und doch steht er hinter seinen Leuten und möchte sie unterstützen wo es nur geht. Er lässt sich von den Streitereien nicht beirren, sondern möchte seine Freunde ans Ziel bringen. Gott hat immer die Ewigkeit vor Augen und er wird alles in seiner Macht stehende tun, damit wir dieses Ziel erreichen. Was kann da noch schiefgehen?

Wer ist der Chef in meinem Leben?

Insel Pag
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Vor einiger Zeit besuchte ich mit einer Freundin eine christliche Buchhandlung. Wir hielten uns mehrere Stunden darin auf und nahmen uns die Zeit zum intensiven Stöbern. Hinterher kamen wir auf die hohen Buchpreise zu sprechen, die in der christlichen Buchbranche doch deutlich höher als bei anderen Verlagen sind. Auf ihre Frage, warum das so sei, antwortete ich, dass das sicherlich damit zusammenhänge, dass Deutschland kein christliches Land mehr sei und dadurch die Nachfrage auch nicht so hoch sei. Sie guckte mich ganz verdutzt an und meinte nur: „Wie – Deutschland ist kein christliches Land?“

Ja, es stimmt – wir sind christlich sozialisiert, aber fragt man die Leute auf der Straße, weshalb wir Weihnachten oder Ostern feiern, dann kommen die merkwürdigsten Antworten zusammen. Als sehr plakativ empfand ich ein Video, das ich auf Youtube fand. Darin wurde alle möglichen Leute gefragt, was wir denn an Ostern feiern würden. Keiner wusste die richtige Antwort – außer einem Moslem. Und wenn ich mich selbst so mit den Leuten unterhalte, dann bedeutet für viele Christsein, sofern sie noch Mitglied in einer Kirche sind, dass man an Weihnachten in die Kirche geht, weil es sich so gehört, aber dass sonst der Glaube im Alltag keine große Rolle spielt. Spätestens nach der Hochzeit treten viele aus den Kirchen aus.

Daher behaupte ich mal, dass wir in Deutschland christlich sozialisiert sind. Viele der christlichen Werte sind in unserem Grundgesetz verankert. Aber das war es auch schon. Mit Glaube und Gott wollen viele nichts mehr zu tun haben. Daher ist für mich die Frage schon berechtigt: Sind wir noch ein christliches Land? Was bedeutet es denn wirklich Christ zu sein?

In erster Linie ist Christsein eine Beziehung mit Gott. Der Mensch lernt Gott kennen und irgendwann kommt es dann zu einer Freundschaft mit ihm. Diese Freundschaft wird immer tiefer bis man auch öffentlich bekennt, dass man sein Leben mit Gott gemeinsam gehen will – das nennt man dann Taufe. Sobald man aber die Freundschaft mit Gott beginnt, verändert sich Stück für Stück das ganze Leben. Dinge, die einem vorher furchtbar wichtig waren, werden nun unwichtig. Die Werte verschieben sich. Paulus sagt dazu Folgendes:

„Das bedeutet aber, wer mit Christus lebt, wird ein neuer Mensch. Er ist nicht mehr derselbe, denn sein altes Leben ist vorbei. Ein neues Leben hat begonnen!“
(2. Korinther 5,17 Neues Leben)

Wenn man in einer Beziehung mit Gott lebt, verändert man sich also automatisch. Das geschieht nicht aus eigener Kraft, sondern allein durch Gott. In Beziehung mit Gott zu leben, bedeutet daher auch, ihn zum Chef meines Lebens zu machen. Bis dahin hab ich für mich entschieden, was ich machen möchte, was mir gut tut usw. Sobald ich aber mein Leben in einer Beziehung mit Gott führe, wird er zum Chef. Er bestimmt die Richtung meines Lebens. Es kommt zu einem Herrschaftswechsel und damit zu einem Veränderungsprozess.

Ich habe vor einigen Jahren von einem Mann gelesen, der sich richtig stark verändert hat – so stark, dass er von einem Sklavenhändler zum Sklavenbefreier wurde und dafür sorgte, dass die Sklaverei abgeschafft wurde.

Er wurde 1725 in England geboren. Sein Vater war Kapitän und somit oft unterwegs. Seine Mutter war sehr gläubig, allerdings starb sie sehr früh als er erst sechs Jahre alt war. Zu seinem Vater baute er keine rechte Beziehung auf – er blieb ihm fremd. Die Stiefmutter steckte den kleinen Jungen ins Internat. Schon recht früh wurde er zu einem traumatisierten Kind.

Als Teenager sollte er zur Berufsausbildung nach  Jamaika, doch er schmiss alles hin, weil er kurz vor der Einschiffung seiner Cousine Polly begegnet war und sich unsterblich in sie verliebte. Kurz darauf wurde er von Soldaten der Royal Navy zwangsrekrutiert. Die Zeit bei der Royal Navy ist hart: Wenn er nicht gerade andere schikaniert und gemobbt wurde, wurde er fertig gemacht. Eines Tages floh er von Bord und wollte zu Polly fliehen. Doch er wurde geschnappt. Auf Desertation stand die Todesstrafe, doch er wurde „nur“ ausgepeitscht. Das nannte er später seine erste „erstaunliche Gnade“.

Er benahm sich an Bord ziemlich daneben. Seine Flüche waren so wüst, dass selbst die rauhen Seemannsleute darüber schockiert waren. Dem Kapitän reichte es dann irgendwann und auf Madeira tauschte er ihn gegen zwei Handelsmatrosen aus. Er war unehrenhaft aus der Royal Navy entlassen – aber er war frei! Seine „zweite Gnade“ nannte er das.

Doch er kam vom Regen in die Traufe. Er reiste weiter nach Sierra Leone und wurde dort zum Sklaven von einem Kaufmann. Er wurde übel misshandelt und verrohte und verwilderte schließlich dort. Doch schließlich kommt er von dort frei und wurde dann selbst zum Sklavenhändler. Unter dem Vorwand eines reichen Erbes wurde John schließlich auf das Schiff „Greyhound“ gelockt und kam in einen gewaltigen Sturm. John flehte Gott um Hilfe an und überlebt – die „dritte erstaunliche Gnade Gottes“.

In England angekommen erfuhr er beim Notar, dass das Erbe nicht existierte und wurde somit zu einem mittellosen Mann. Er brach zusammen und löste die Verlobung mit Polly. Doch Polly bestand auf der Beziehung und heiratete ihn trotzdem. Er dankt Gott dafür und nennt das seine vierte erstaunliche Gnade.

Um den Schwiegereltern zu beweisen, dass er tüchtig ist und seine Familie ernähren kann, wurde er wieder zum Sklavenhändler –damals ein lukrativer Job. Aus heutiger Sich eigentlich unfassbar: Wie kann ein Mensch, der von Gott gnädig gerettet wurde, in sein menschenverachtendes Handwerk zurückkehren?! Er tat es jedenfalls. Aber Gott hatte ihn verändert. Er empfand nur noch Verachtung über diese Arbeit und so legte er sie ziemlich bald nieder und wurde Hafenmeister. In dieser Zeit kam er mit der Erweckungsbewegung und dem Prediger George Whitefield in Kontakt. Er empfand echte Reue und in ihm entwickelten sich Unrechtsbewusstsein, Empathie und Sensibilität. Er wollte Pastor werden, aber die Kirche wollte ihn nicht. Erst sieben Jahre später wurde er angestellt. In seiner ersten Anstellung kümmerte er sich zusammen mit Polly liebevoll um einen jungen Musiker. Er schrieb mit ihm zusammen Lieder und ließ ihn bei sich wohnen, da der Musiker seelisch labil war. Den Dorfbewohnern gefiel das überhaupt nicht. Der Tratsch nahm überhand und sie schlugen sogar seine Fenster ein.

In der Silvesternacht 1772/73 unternahm der junge Musiker einen Selbstmordversuch, wurde aber rechtzeitig gerettet. Statt einer Neujahrspredigt las der Pastor der Gemeinde ein Gedicht vor, das er in dieser Nacht geschrieben hatte: Amazing Grace how sweet the sound that saved a wretch like me.“ Noch heute ist es eines der berühmtesten Gospelsongs auf der Welt. Der Name des Dichters ist John Newton.

Einige Zeit später suchte ein junger Adeliger John Newtons Rat. Er wollte Pfarrer werden, hatte aber eine große politische Karriere vor sich. John Newton ermutigte ihn, Politiker zu bleiben und sich für die Abschaffung der Sklaverei einzusetzen. Der ehemalige Sklavenhändler wollte nichts mehr mit der Sklaverei zu tun haben – er wollte dafür sorgen, dass die Sklaverei endlich abgeschafft wird. 20 Jahre lang kämpften sie gegen die Sklaverei. Am 24. Februar 1807 hatten sie Erfolg  – und die Sklaverei wurde im britischen Weltreich verboten.

Dieser Erfolg fing damit an, dass John Newton eine Freundschaft mit Gott begann und sich von ihm Stück für Stück verändern ließ – vom fluchenden Matrosen zum dichtenden Pfarrer, vom Sklavenhändler zum Sklavenbefreier. Das möchte Gott auch mit jedem von uns tun – ich muss ihn dafür nur ans Steuer meines Lebens machen und ihn zum Chef erklären…