Gott erleben: Sattmacher-Tag!

Sandwiches Belegtes Baguette
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Vor einigen Jahren fuhr ich zusammen mit einem Mitstudenten von Stuttgart zu meinem damaligen Wohnort mit dem Zug. In Erfurt hatten wir 40 Minuten Wartezeit und so schlenderten wir dort im Bahnhof entlang. Da kamen wir an einer Bäckerei vorbei und mir fiel siedendheiß ein: „Mensch, ich hab doch gar kein Brot mehr daheim! Ich brauche ganz dringend Brot für heute Abend und morgen fürs Frühstück!“ Und so kaufte ich mir dort in der Bäckerei ein frisches und leckeres Brot.

Brot ist ein wichtiges Grundnahrungsmittel in allen Ländern dieser Welt – für Arme und Reiche. Und damit steht es für eines der wichtigsten Grundbedürfnisse der Menschen: das Essen. Die Weltgeschichte zeigt uns, wie schnell Unruhen entstehen können, wenn es Hungersnöte gibt und Menschen nichts zu essen haben. Und ich kann mir vorstellen, dass ihr euch auch sicherlich noch daran erinnern könnt, wie es zu Kriegszeiten und auch in der Nachkriegszeit schwierig war, genug zu essen zu bekommen. Ja, Essen ist ein sehr wichtiges Bedürfnis von uns Menschen.

Um das Brot geht es mir auch heute. Dazu möchte ich mit euch eine der bekanntesten  Geschichte aus der Bibel lesen:

„Die Apostel kehrten zu Jesus zurück und berichteten, was sie getan und gelehrt hatten. Darauf sagte Jesus: »Kommt, wir ziehen uns an einen einsamen Ort zurück, wo ihr euch ausruhen könnt.« Denn ständig waren so viele Menschen um sie, dass Jesus und seine Apostel nicht einmal Zeit fanden zu essen. So fuhren sie mit dem Boot an einen ruhigeren Ort. Aber die Leute bemerkten ihre Abfahrt. Da liefen sie aus den umliegenden Städten am Ufer entlang voraus und waren bereits da, als sie anlegten. Als Jesus aus dem Boot stieg, erwartete ihn eine riesige Menschenmenge. Er hatte Mitleid mit ihnen, denn sie waren wie Schafe ohne Hirten. Deshalb nahm er sich Zeit, sie vieles zu lehren. Spät am Nachmittag traten seine Jünger zu ihm und sagten: »Dies ist eine einsame Gegend und es wird langsam spät. Schick die Leute fort, damit sie auf die umliegenden Gehöfte und in die Dörfer gehen können und sich etwas zu essen kaufen.« Doch Jesus meinte: »Gebt ihr ihnen zu essen.« »Wie denn?«, fragten sie. »Es würde ein kleines Vermögen kosten, für so viele Menschen Essen zu kaufen!« »Wie viele Brote habt ihr?«, fragte er. »Geht und stellt es fest.« Sie kamen zurück und berichteten: »Wir haben fünf Brote und zwei Fische.« Da forderte Jesus die Menge auf, sich in Gruppen ins grüne Gras zu setzen.
Sie setzten sich zu je fünfzig oder hundert zusammen. Jesus nahm die fünf Brote und zwei Fische, blickte zum Himmel auf und bat um Gottes Segen für das Essen. Dann brach er das Brot in Stücke und reichte den Jüngern Brot und Fisch, damit diese alles an die Leute verteilten. Alle aßen, so viel sie wollten. Danach sammelten sie ein, was von den Broten und Fischen übrig geblieben war: es waren noch zwölf Körbe voll. Fünftausend Männer waren von diesen fünf Broten satt geworden!“ (Markus 6,30-44 Neues Leben)

1. Jesus kümmert sich

In der Geschichte haben die Leute den ganzen Tag nichts gegessen. Aber anstatt die Menschen weg zu schicken, wie es die Jünger vorschlagen, gibt Jesus ihnen zu essen. Er kümmert sich um ihre Grundbedürfnisse. Essen ist eines der wichtigsten Bedürfnisse von uns Menschen. Revolte und Unruhen können entstehen, wenn Menschen hungern – das kann man durch die ganze Geschichte hindurch beobachten. Jesus kümmert sich um die, die an diesem Tag bei ihm sind. Er stillt ihren Hunger.

Auch uns ermutigt er, uns keine Sorgen zu machen um den neuen Tag, was wir essen, trinken oder anziehen sollen (Matthäus 6,25-33). Gott will für uns sorgen. ER will uns das geben, was wir brauchen.

Ich habe erlebt, dass sich Gott immer wieder um mich auch so kümmert und das besonders während meines Studiums. Mitten in einer Prüfungswoche wurde ich auf einmal krank – irgendwie hatte ich es geschafft, mich zu erkälten und war kaum in der Lage zu lernen. Dennoch trat ich an. Noch während ich in der Prüfung saß, merkte ich, wie mir die Gedanken trotz Kopf- und Gliederschmerzen nur so zuflogen und ich bestand die Prüfung. Ja, Gott möchte sich um uns kümmern und er tut es auch.

2. Jesus ist allmächtig

Jesus ist allmächtig. Er kann alles – selbst mit nur fünf Broten und zwei Fischen kann er mehr als 5.000 Menschen (in der Zählung waren ja nur Männer inbegriffen, wenn man die Frauen und Kinder mit dazu zählt, sind es wesentlich mehr) satt machen. Ich habe vor einigen Jahren einen Bibelkreis geleitet. Als wir uns diese Geschichte näher anschauten, sagte eine der Teilnehmerinnen: „Wenn Gott die Welt geschaffen hat, dann ist es doch völlig klar, dass er auch 5.000 Menschen satt machen kann durch fünf Brote und zwei Fische.“ Ich gehe sogar noch weiter: Wenn Jesus solch ein Wunder damals vollbrachte, dann kann er sich auch in unserem Leben als allmächtig und kraftvoll erweisen.

3. Jesus ruft zum Handeln auf

In der Geschichte spielen die Jünger eine wichtige Rolle. Jesus bittet sie das Essen zu beschaffen. Sie sind es auch, die das Brot und den Fisch den Leuten in die Hand drücken und hinterher die Reste einsammeln. Jesus lässt die Jünger nicht faul auf der Couch sitzen und sich ausruhen, sondern spannt sie ein. Er möchte auch uns einspannen. Auch wir dürfen heute das Brot weiter reichen. Welche Menschen gibt es in unserer Umgebung, die Brot und Fisch nötig haben?

Die Geschichte über die Speisung der 5000 lehrt uns: Jesus möchte auch heute noch fürsorglich und allmächtig an unserer Seite stehen und uns unterstützen. Was für einen großartigen Gott haben wir da an unserer Seite! Aber dieser Gott möchte uns auch gebrauchen, um andere Menschen zu berühren und sie zu unterstützen.

Allein durch die Gnade

DSCF0150
Foto: K. Müller / nachgedachtblog

„Amazing Grace“ ist ein Lied, das um die Welt ging und seit seiner Entstehung unheimlich viele Menschen tief berührte. Dieses Lied ist mittlerweile zu einem meiner Lieblingslieder geworden. Es erzählt davon wie Gottes erstaunliche Gnade einen Menschen gerettet hat – einen Menschen, der diese Rettung aus menschlicher Sicht gar nicht verdient hätte. Übersetzt heißt der Titel „Erstaunliche Gnade“.

Erstaunliche Gnade – daran musste ich auch denken als ich in meiner Bibel las:

„Denn die Gnade Gottes, die allen Menschen Rettung bringt, ist sichtbar geworden. Sie bringt uns dazu, dem Leben ohne Gott und allen sündigen Leidenschaften den Rücken zu kehren. Jetzt, in dieser Welt sollen wir besonnen, gerecht und voller Hingabe an Gott leben. Denn wir warten auf das wunderbare Ereignis, wenn die Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Erlösers, Jesus Christus, erscheinen wird. Er gab sein Leben, um uns von aller Schuld zu befreien und zu reinigen und uns zu seinem eigenen Volk zu machen, das bemüht ist, Gutes zu tun.“
(Titus 2,11-14 Neues Leben)
Gottes Gnade möchte den Menschen nicht nur retten, sondern Gott möchte durch sie auch Menschen verändern. Wer schon einmal versucht hat, Verhaltensweisen aus eigener Kraft abzulegen, weiß, wie schwer das ist. Die gute Nachricht heute ist: Du musst das nicht aus eigener Kraft schaffen! Gott möchte Dich durch seine Gnade Stück für Stück verändern. Das finde ich befreiend und wohltuend. Dadurch kann ich morgens den Tag in Gottes Hände legen und darauf vertrauen, dass er die Veränderung in mir, durch mich und mit mir vollbringen wird.

Wo hast Du schon einmal Gottes Gnade erlebt? Wie hat sie Dein Leben verändert?

Gott ist näher als Du Dir selbst

In den letzten Tagen und Wochen habe ich das Buch „Warum wir mündig glauben dürfen“ gelesen. Das Buch ist eine Aufsatzsammlung verschiedener Autoren. In einem dieser Aufsätze greift der Autor, Dr. Tobias Künkler, einen Gedanken von Luther auf, der mich wiederum zum Nachdenken gebracht hat.

Und zwar geht es dabei um eine Aussage aus 1. Korinther 6,19:

Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, der in euch lebt und euch von Gott geschenkt wurde? (Übersetzung Neues Leben)

Oft wird der Text wie folgt ausgelegt: Da es im unmittelbaren Zusammenhang des Textes um Prostitution geht, argumentiert Paulus hier, dass der Besuch eines christlichen Mannes im Bordell nicht mit dem Glauben vereinbar sei, da der Körper ein Tempel des Heiligen Geistes sei und somit heilig sei – d. h. einem Christen gehört der Körper nicht mehr selbst, sondern Gott. Daher sollen sich die Christen in Korinth ständig dran erinnern, dass sie ein moralisch einwandfreies Leben führen sollen, da sie nicht mehr sich selbst, sondern Gott gehören.

Eine andere Auslegungsmöglichkeit, die in meiner Gemeinde eher noch bekannt ist als die gerade genannte, ist die, dass wir einen gesunden Lebensstil pflegen sollten – also keine Drogen, kein Tabak oder Alkohol zu uns nehmen, stattdessen auf eine ausgewogene Ernährung, viel Bewegung, Sonne, frische Luft usw. achten sollten. Auch hier findet sich wieder der Gedanke, dass ein Christ nicht mehr sich selbst gehört, sondern Gott und dass man deshalb vom gesundheitlichen Aspekt her verantwortlich mit seinem Körper umgehen sollte.

029 Sabbatspaziergang Neuffen
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Luther scheint nun aber einen dritten Ansatz zu haben – und zwar einen wortwörtlichen. Zumindest weist er anscheinend in seinen Ausführungen auf die drei Abteilungen des Tempels hin und überträgt sie auf den Menschen: einmal den Vorhof, dann das sogenannte Heilige und dann das Allerheiligste. Der Vorhof (zumindest Teile davon) war öffentlich zugänglich. In das Heilige durften nur die Priester und das Allerheiligste war Gott vorbehalten.

Ähnlich sei es nun Luther und Dr. Künkler zufolge auch mit dem Menschen: der Vorhof gleiche dem öffentlichen Auftreten eines Menschen – also dem was er anderen gegenüber von sich preisgebe. Das Innere – also die Psyche, die Gefühle und auch die Gedanken – ist dem Menschen bekannt. Und dann gebe es noch das Allerheiligste – also der letzte Winkel der menschlichen Seele zu dem der Mensch keinen Zugang habe und wo Gott im Verborgenen wirke. Nur dass wir davon nichts mitbekämen. Dr. Künkler schreibt dazu:

„Wie Gott im Allerheiligsten als Geist in der Finsternis wohnt, wohnt und wirkt der Heilige Geist in diesem Finsteren des menschlichen Geistes. So ist Gott immer bei uns und begleitet uns, auch wenn wir ihn nicht immer oder sogar meist nicht direkt wahrnehmen. Dass Gott uns meist nicht direkt zugänglich ist und uns manchmal fern erscheint, liegt nicht daran, dass er wirklich weit weg ist, sondern daran dass er uns näher ist, als wir uns selbst sind. Auch in uns geht Gottes Anwesenheit somit Hand in Hand mit seiner Abwesenheit.“ (Aus: „Glaube als Beziehungsgeschehen“, Dr. Tobias Künkler, S. 247, in:  „Warum wir mündig glauben dürfen – Wege zu einem widerstandsfähigen Glaubensleben“, Hrsg.: Tobias Faix, Martin Hofmann, Tobias Künkler, Witten: SCM-Verlag, 2015)

Mich fasziniert dieser Gedanke. Egal ob ich Gottes Nähe spüre oder nicht – er ist mir ganz nah. Das macht es mir zumindest leichter, manche scheinbare Abwesenheit Gottes besser einzuordnen und anzunehmen.

Und dieser Gedanke macht mich nachdenklich: Was bedeutet es dann für mein Leben, dass Gott wirklich in alle Ecken meines Herzens blicken kann – dass er mich besser kennt als ich mich selbst? Wie trägt dieser Gedanke zu meiner Beziehung mit Gott bei?