Nicht allein

Steine
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Hagar war verzweifelt. Alles in ihrem Leben war schief gelaufen. Schon in jungen Jahren war sie an Abraham und Sara verkauft worden. Als Sara keine Kinder bekam, musste sie als Sklavin ihnen zum Nachkommen verhelfen und brachte Ismael zur Welt. Aber als dann Sara doch noch einen Sohn bekam und sich Ismael über Isaak lustig machte, jagten Abraham und Sara sie mal wieder in die Wüste.

Und nun war sie stundenlang mit ihrem Sohn herumgeirrt. Die Sonne brannte vom Himmel herab und der Wasserschlauch war fast leer. Eine Quelle, ein Brunnen oder eine Oase waren nicht in Sicht. Immer stärker plagte beide der Durst. Sie konnten nicht mehr.

Als Hagar in der Nähe einen Busch sah, der ein wenig Schatten spendete, redete sie Ismael gut zu, nahm ihren völlig entkräfteten Sohn auf die Arme und trug ihn mit letzter Kraft zum Busch. Dort gab sie ihm den letzten Schluck Wasser aus dem Wasserschlauch, ging noch ein paar Schritte weiter,  bevor sie zusammenbrach. War das hier nun das Ende? Würden sie nun beide hier in der prallen Sonne in der Wüste von Beerscheba sterben? Voller Verzweiflung weinte sie: „Ich kann nicht mit ansehen, wie mein Sohn stirbt!“ (1.Mose 21,16 Neues Leben)

Steine
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Doch was war das? Sie hörte auf einmal eine Stimme nach ihr rufen. Verwirrt schaute sie sich um. Die Stimme kam von oben. Hatte Abrahams Gott sie etwa gehört? Und da hörte sie auch schon die mutmachenden Worte:

„Hagar, was ist mit Dir? Hab keine Angst! Gott hat das Weinen deines Sohnes gehört, der dort liegt. Steh auf, nimm den Jungen und halte ihn fest an der Hand, denn ich werde seine Nachkommen zu einem großen Volk machen.“ (1. Mose 21,18 Neues Leben)

Wow! Was für eine Aussage! Hagar war nicht allein. Gott hatte sie nicht vergessen. Im Gegenteil – er hatte die Verzweiflung schon längst gesehen, er hatte das Weinen ihres Sohnes gehört. Er war ihnen näher als sie geahnt hatte.

Mit neuer Kraft schaute sei sich um und da sah sie ihn: einen Brunnen. So schnell sie konnte stand sie auf, ging zum Brunnen hin und ließ das Gefäß zum Wasserschöpfen hinunter. Rasch füllte sie ihren Wasserschlauch mit dem Brunnenwasser und lief zu ihrem Sohn, damit er trinken konnte. Wie herrlich frisch schmeckte dieses Wasser! Sie konnten gar nicht genug davon trinken.

Bevor sie erholt und mit neuer Kraft sich wieder auf den Weg machten, dankte Hagar Gott dafür, dass er für sie gesorgt hatte. Sie wusste jetzt: Gott hatte sie nicht verlassen, sondern stand ihr bei und würde sie segnen.