Gott beruft – auch heute

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Foto: ©S. Hofschlaeger / www.pixelio.de

Jeremia lebte vor langer, langer Zeit in Anatot im Gebiet des Stammes Benjamin. Er stammte aus einer Priesterfamilie und sollte eigentlich auch Priester werden, aber dann kam ihm eines Tages Gott dazwischen – und das geschah so:

Im Jahr 427 v. Chr. war der König Josia an der Herrschaft. Das war ein guter König. Er führte die alten Gesetze wieder ein und achtete darauf, dass Gottes Gebote wieder Beachtung fanden. In diesem Jahr sprach Gott zu Jeremia und sagte:  »Ich kannte dich schon, bevor ich dich im Leib deiner Mutter geformt habe. Schon vor deiner Geburt habe ich dich dazu bestimmt, dass du den Völkern meine Botschaften überbringst.« (Jeremia 1,5 Neues Leben)

Schon vor seiner Geburt hatte Jeremias zukünftiges Leben einen Sinn und Zweck: Er sollte Gottes Bote sein – nicht für ein kleines Dorf oder eine Stadt, auch nicht für eine Nation, sondern gleich für mehrere Nationen! Was für eine Aufgabe und Herausforderung! Kein Wunder, dass da der junge Jeremia erst einmal völlig eingeschüchtert war und auf sein junges Alter und mangelnde Redebegabung hinwies. Aber Gott bestärkte ihn und machte ihm Mut. Er würde ihm die richtigen Worte in der jeweiligen Situation schenken und ihn mit der nötigen Vollmacht ausstatten. Jeremia wäre damit nicht auf sich allein gestellt, sondern hätte Gott hinter sich.

Die Geschichte von Jeremia zeigt: Gott beruft nicht die Selbstsicheren, sondern die Selbstzweifler. Große biblische Gestalten wie Mose oder auch Jeremia zweifelten an sich selbst als Gott sie berief. Sie warteten Gott jeweils mit einer Liste an Nichtkönnen auf. Aber Gott hat einen Plan. Er möchte die Selbstzweifel seiner Leute in Gottvertrauen umwandeln und das tut er auch hier bei Jeremia. Gott verspricht ihm, dass er immer bei Jeremia sein würde, dass er sogar über ihn wachen würde:

„Dann fragte mich der Herr: »Jeremia, was siehst du?« Ich antwortete: »Ich sehe einen Mandelbaumzweig.« »Ja, das ist richtig«, sprach der Herr. »Er steht als Zeichen dafür, dass ich wache. Alles wird so geschehen, wie ich es ankündigen werde.«“

Jeremia muss nicht selbst sprechen und aus eigener Kraft die richtigen Worte finden, sondern Gott wird durch ihn reden. Wenn Gott durch einen spricht, dann ist man nicht zu alt, zu jung oder zu unerfahren. Gott ist es, der spricht und nicht wir selbst. Wenn wir uns das bewusst machen, dann schwindet die Angst vor Versagen oder vor anderen Menschen. Wir wissen dann: Uns kann nichts passieren! Gott ist mit uns!

Normalerweise interessieren mich die chronologischen Angaben bei solchen Bibeltexten wenig und ich überlese sie oft. Aber an dieser Stelle finde ich sie hochinteressant. Gott berief Jeremia während der Regierungszeit von Josia. Wie oben erwähnt, war Josia sehr dahinter her, das zu tun, was Gott wollte. Die Könige, die danach an die Macht kamen, gehorchten Gott nicht und wurden dafür dann von Jeremia scharf gerügt. Indem Gott Jeremia während der Regierungszeit von Josia berief, schenkte er Jeremia wahrscheinlich so etwas wie eine „Einarbeitungszeit“. Er konnte sich an seine neue Aufgabe gewöhnen und einfinden, ohne gleich ans Eingemachte zu gehen. Gott forderte damit Jeremia durchaus heraus, aber er überforderte ihn nicht. Das gefällt mir an Gott.

Gott hat auch mich geschaffen und gewollt und er hat auch mit meinem Leben einen Plan. Genauso hat er auch für jeden von euch einen Plan. Und wir dürfen darauf gespannt sein, was Gott Großes mit uns vorhat.

Es ist nur natürlich, dass da auch mal Selbstzweifel kommen, wenn man vor neue Herausforderungen gestellt wird und Gott einem neue Aufgaben zeigt. Aber lasst uns nie den Mandelzweig (s. Bild oben) vergessen, der ein Zeichen dafür ist, dass Gott wacht und uns unterstützt und durch uns wirken möchte. Es sind nicht mehr wir, die reden und handeln, sondern Gott. Das macht Mut und befreit zu großen Taten!

Gottes Reset-Taste

Urlaub St.-Peter-Ording
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Neulich hat mein eBook-Reader gehakt. Nichts ging mehr. Egal was ich auch versuchte – er reagierte einfach nicht. Nicht einmal der Ein- und Ausschaltknopf funktionierte mehr. Erst als ich den Reader in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzte, ging er wieder.

Heute habe ich einen Bibeltext gelesen, der mich an diese Situation mit dem Reader erinnert hat:

„So wie der Tod durch einen Menschen – Adam – in die Welt kam, hat nun durch einen anderen Menschen – Christus – die Auferstehung von den Toten begonnen.“ (1. Korinther 15,21 Neues Leben)

Unsere Welt war mal perfekt: Kein Tod, kein Leid, kein Streit, nichts Böses. Alles war gut. Doch Adam und Eva vermasselten alles und dadurch wurde unsere Welt so wie sie heute ist: chaotisch, gefüllt mit Leid, Krankheiten, Tod, Kriegen usw.

Aber Gott wäre nicht Gott, wenn er nicht schon einen Alternativplan gehabt hätte. Durch seinen Sohn Jesus drückte er im übertragenen Sinn die Reset-Taste und begann damit, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Gott hat verheißen, dass er eines Tages wiederkommen und alles neu machen wird. Dann wird auch der Tod endgültig vernichtet sein. Die Auferstehung Jesu hat dies erst möglich gemacht und ist damit ein Vorgeschmack dessen, was bei der Wiederkunft Jesu passieren wird: Alle Gläubigen, die bereits verstorben sind, werden von den Toten auferstehen und zusammen mit den lebenden Gläubigen in den Himmel kommen.

Mir zeigt dieser Text in der Bibel, dass es nichts gibt, was Gott nicht wieder rückgängig machen kann. Durch Christus drückt er auf die Reset-Taste und stellt den ursprünglichen Zustand wieder her. Das bedeutet auch für mein Leben: Bei Gott gibt es einen Neuanfang, auch wenn alles aussichtslos zu sein scheint. Bei ihm ist es nie zu spät für einen Neubeginn – egal, was man auch getan haben mag, Gott vergibt gerne!

„Wo ist ein Gott wie du, der die Sünden vergibt und die Missetaten seines Volkes verzeiht? Der nicht für immer an seinem Zorn festhält, sondern der sich freut, wenn er barmherzig sein kann? Er wird sich wieder über uns erbarmen, alle unsere Sünden zertreten und alle unsere Verfehlungen ins tiefe Meer werfen!“ (Micha 7,18+19 Neues Leben)

 

Gott erleben: Der Schöpfer

Urlaub St.-Peter-Ording
Foto: J. Mueller / nachgedachtblog

Als Kind fand ich Pfützen immer ganz toll. Anlauf nehmen, abspringen und dann mit beiden Beinen in der Pfütze landen und genießen wie das Wasser spritzt. Ich glaube, meine Mutter fand das nicht ganz so toll, wenn ich mit dreckigen Klamotten nach Hause kam. Aber das gehört zum Kindsein dazu – draußen im Schlamm spielen und dann dreckig nach Hause kommen.

Im Bibelkreis haben wir letztes Wochenende über die Schöpfung gesprochen. Für mich ist es völlig faszinierend zu sehen wie Gott sich für uns Menschen dreckig macht:

 „Da formte Gott, der Herr, aus der Erde den Menschen und blies ihm den Atem des Lebens in die Nase. So wurde der Mensch lebendig.“ (1. Mose 2,7 Neues Leben)

Stellt euch einfach mal diese Szene vor. Unser großer Gott, der Schöpfer Himmels und der Erde, kniet sich hin und greift mit seinen Händen in die Erde und formt wie ein Töpfer den ersten Menschen. Gott macht sich dreckig, nur um uns zu schaffen. Er hätte uns auch nur durch ein Wort erschaffen können, aber nein, er macht sich die Hände schmutzig.

Und um dann den Menschen zum Leben zu erwecken, beugt er sich zum hinunter und bläst ihm den Atem des Lebens in die Nase. Was für ein intimer Moment! Gott kommt dem Menschen ganz, ganz nahe!

Für mich kommt in diesen kleinen Details Gottes große Liebe zu den Menschen ganz besonders zum Vorscheint und das berührt mich zutiefst. Was für einen großartigen Gott habe ich doch!

Gott erleben: Du bist angenommen!

Esslingen a. Neckar
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Am vergangenen Wochenende las ich eine sehr berührende Geschichte in dem Buch „Gott auf der Spur“ von Lee Strobel. Stephanie Fast wuchs in Korea auf. Sie war ein Mischlingskind. Ihren Vater lernte sie nie kennen. Als sie noch ganz klein war, setzte ihre Mutter sie in den nächsten Zug nach Nirgendwo. Auf sich alleingestellt, musste sie mit nur drei oder vier Jahren lernen, auf der Straße zu überleben.

Da sie ein Mischling war, wurde sie von den anderen Straßenkindern verachtet und verprügelt. Mehrmals gerät sie in Lebensgefahr, nachdem sie den Bauern Essen gestohlen hatte. Doch sie kam jedes Mal mit dem Leben davon und bekam von ihren Rettern zu hören: „Es ist sehr, sehr wichtig, dass Du am Leben bleibst.“

Als sie sieben Jahre alt war, wurde sie Mitglied in einer Gruppe von Waisenkindern. Dort erlebte sie eine schlimme Zeit des Missbrauchs. Als dann aber eine Choleraepidemie in Korea ausbach, konnte sie sich von dieser Gruppe befreien. Als Stephanie dann selbst sterbenskrank wurde, hatte sie Glück und wurde, obwohl sie kein Kleinkind mehr war, von einer Mitarbeiterin von World Vision gerettet und in einem Waisenhaus untergebracht. Normalerweise nahm dieses Haus nur Kleinkinder auf, da sie leichter vermittelbar sind. In ihrem Fall war es tatsächlich ein Wunder, dass die Heimleitung eine Ausnahme machte und sie aufnahm.

Im Waisenhaus kümmerte sie sich um die Babys. Eines Tages kam ein amerikanisches Ehepaar zu Besuch. Sie wollten sich einen kleinen Jungen aussuchen und ihn adoptieren. Dabei begegnete dieses Ehepaar Stephanie. Sie war kein schöner Anblick. Ihre Haut war übersät mit Schmutz. Ihr Kopf war voller Läuse und in ihrem Bauch hatte sie so viele Würmer, dass sie immer wieder aus ihrem Mund herauskrochen. Sie war untergewichtig und hatte  viele offene Wunden im Gesicht.

Und doch streckte der Mann seine Hand nach ihr aus und legte sie auf ihre Wange und streichelte sie. Noch nie hatte jemand sie so liebevoll berührt. Deshalb wusste sie nicht wie sie damit umgehen und darauf reagieren sollte, schob seine Hand weg und spuckte ihn an. Danach rannte sie davon und versteckte sch in einem Schrank.

Doch das Wunder geschah. Das Ehepaar änderte seine Pläne und anstatt ein süßes kleines Baby mitzunehmen, entschieden sie sich für sie und adoptierten sie. Für Stephanie war das unbegreiflich. Zudem verstand sie auch nicht, was eine Adoption wirklich bedeutete. Damals war es üblich, dass sich reiche Leute Kinder aussuchten und sie als Diener oder Sklaven hielten. Und so dachte sie, dass sie nun eine Dienerin dieses Ehepaares sei. Daher war sie recht verwirrt als sie zwar ein eigenes Bett und neue Kleider bekam, aber dafür nie arbeiten musste.

Die Monate strichen ins Land. Sie wurde sowohl vom Ehepaar als auch von anderen Menschen nun nicht mehr als Mischling behandelt, sondern so als sei sie eine Prinzessin. Eines Tages sprach sie mit einem anderen Mädchen darüber und dieses Mädchen erklärte ihr, dass sie ja nun die Tochter dieses Ehepaares sei und deswegen auch nicht arbeiten müsse. Für Stephanie war das eine völlig neue Erkenntnis, die sie überwältigte. Sie war nun nicht mehr das ungewollte Mischlingskind. Sie war keine Dienerin oder Leibeigene, sondern sie war eine Tochter.

Mich erinnerte diese Geschichte an einen Text aus der Bibel, den ich vor einiger Zeit mal gelesen habe:

„Die ihn aber aufnahmen und an ihn glaubten, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden. Das wurden sie nicht, weil sie zu einem auserwählten Volk gehörten, auch nicht durch menschliche Zeugung und Geburt. Dieses neue Leben gab ihnen allein Gott.“ (Johannes 1,12.13 Neues Leben)
Eine der wichtigsten Botschaften der Bibel ist es: Du bist geliebt! Gott möchte Dich als sein Kind adoptieren und das Einzige, was dazu fehlt, ist unser „Ja, ich will“. Wer einmal Gott gegenüber Ja gesagt hat, wird erleben wie sich das gesamte Leben ändert und wie es auf den Kopf gestellt wird. Ich habe meine Entscheidung vor vielen, vielen Jahren getroffen. Es ist die beste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe und ich kann nur jeden ermutigen, diese Entscheidung für ein Leben als Kind Gottes ebenfalls zu treffen.

Gott erleben: Er ist auferstanden!

Sulzberg
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Ostersonntag – der Tag des Osterhasens und der Ostereiersuche, aber auch der Tag der Auferstehung Jesu. Nach den Tagen des Fastens, der Trauer und der Stille kommt nun ein Tag der Freude, des Fröhlichseins und des Feierns. Ich bin im christlichen Glauben großgeworden. Da ich die Geschichte um Jesu Tod und Auferstehung quasi in- und auswendig kenne, war es schwierig für mich, nachzuempfinden wie es wohl den Jüngern am allerersten Ostersonntag ging.

Das änderte sich, als ich als Teenie einen Film über einen Stamm auf Papua-Neuguinea sah. Die Mouk haben ihre eigene Stammesreligion. Besonders heftig empfand ich eine Szene, in der eine Frau ihren Mann beerdigen musste. Da gab es keine Blumen am Grab, keine Musik, keine gutklingenden Reden mit tröstenden Worten. Da war einfach nur  Trauer und grenzenlose Verzweiflung spürbar. Es gab keine Hoffnung auf ein Wiedersehen, keine Hoffnung auf ein besseres Leben im Jenseits. Einfach nur Verzweiflung und Trauer.

Das änderte sich erst als christliche Missionare ins Dorf kamen. Erst lebten sie einige Zeit im Dorf, lernten die Sprache der Mouk und ihre Traditionen und Kultur kennen. Irgendwann begannen sie eine Vortragsreihe. Sie erzählten einfach die biblischen Geschichten nach. Danach erzählten sie vom großen Erlösungsplan Gottes mit den Menschen und zeigten anhand der gleichen Geschichten auf wie sehr Gott die Menschen liebt. Am Ende des letzten Vortrages – sozusagen nach der Geschichte um die Auferstehung Jesu – bekehrte sich das ganze Dorf.

Die Veränderungen, die in den Menschen vorgingen, waren deutlich spürbar. Wo vorher Angst, Trauer und Verzweiflung herrschten, zogen nun Freude, Friede und Hoffnung ein. Die Angst vor dem Tod war verschwunden, ebenso die Hoffnungslosigkeit. Die Freude überwog.

Ich glaube – so ähnlich müssen sich auch die Jünger vor fast 2.000 Jahren gefühlt haben. Wie verzweifelt und traurig müssen sie am Karfreitag und Karsamstag gewesen sein. Sie hatten sich in einen Raum eingeschlossen und versuchten zu begreifen, was da vor sich gegangen war. Ich stelle mir vor wie die Jünger ungläubig auf die Berichte der Frauen reagierten, die vom leeren Grab erzählten. Jesus war auf einmal weg! Das konnte doch nur ein böser Streich der Feinde von Jesus gewesen sein! Eine Auferstehung – das ist doch nicht möglich!

Und dann stand er doch auf einmal vor ihnen. Plötzlich war er mitten unter ihnen und zeigte ihnen die Stellen an seinen Füßen und Händen wo man immer noch die Nägelmale sehen konnte. Ich stelle mir vor, wie sich zunächst ungläubig anschauten und wie sich  dann ihre Trauer in Freude verwandelte und ihre Skepsis in Staunen. Vor Freude fielen sie sich in die Arme und vielleicht tanzten sie sogar wie die Mouk vor lauter Freude darüber, dass Jesus wieder da war.

Das ist die wahre Osterfreude. Es ist nicht die Freude, weil man das schönste Osterei entdeckt hat, sondern es ist die Freude, die Trauer und Verzweiflung überwindet. Das heißt nicht, dass man nicht den Verlust eines geliebten Menschen beweinen wird, aber über kurz oder lang wird die Hoffnung und Vorfreude auf das Wiedersehen überwiegen. Daher erinnert mich Ostern jedes Jahr an diese Auferstehungshoffnung: Mit dem Tod ist nicht alles aus, sondern er ist nur ein kurzes Intermezzo – sowas wie ein Schlaf – bis wir Jesus dann endlich sehen.

Diese Freude schwingt in dem christlichen Ostergruß mit, mit dem ich euch heute ebenfalls grüßen möchte: „Christus ist auferstanden – Er ist wahrhaftig auferstanden!“

„Das tat ich für Dich – was tust Du für mich?“

Aufstieg Hochhädderich Kreuz Allgäu
Foto: J. Müller / nachgedachtblog

Von Domenico Feti wird erzählt, dass er eines Tages von der Stadt Düsseldorf den Auftrag bekam, ein neues Altarbild für die Kirche zu malen. Es sollte die Kreuzigung Jesu darstellen. Doch Domenico tat sich sehr schwer damit, die Szene zu malen. Er kam einfach nicht weiter und so ging er eines Tages in den Wald, um auf neue Gedanken zu kommen. Auf einer Lichtung sah er ein junges Zigeunermädchen tanzen. Das Bild fesselte ihn so sehr, dass er schnell seinen Zeichenblock hervorholte und anfing sie zu skizzieren. Er sprach sie an und lud sie in sein Atelier ein, damit er sie fertig malen könne. Das Mädchen hieß Pepita.

Als sie in sein Atelier kam, fiel ihr Blick auf das Altarbild. Erschrocken fragte sie den Maler, was das Bild denn bedeuten würde und warum dieser Mann so leiden müsse. Sie löcherte Domenico so lange bis er ihr schließlich genervt die Geschichte von Jesus erzählte. Als er sie beendete, liefen Tränen über Pepitas Wangen. Sie fragte ihn: „Ihr müsst ihn doch sehr lieben, weil er das alles für Euch getan hat, Herr, oder?“ Domenico war von dieser Frage beschämt. Darüber hatte er noch nie nachgedacht. Sie war für ihn einfach nur eine Geschichte wie jede andere auch gewesen – ohne eine Bedeutung für sein Leben. Er hatte sie so oft gehört, dass sie ihn gar nicht mehr berührte. Aber nun verfolgte ihn diese einfache Frage: „Nicht wahr – ihr liebt ihn doch sehr?“

Sie ließ ihn nicht mehr los und quälte ihn regelrecht. Er fing an, nach einer Antwort zu suchen und stieß so auf eine heimliche Versammlung von Protestanten. Das war noch zu einer Zeit als sich die Evangelischen heimlich treffen mussten, um ihren Glauben auszuleben. Bei einer ihrer Versammlungen kam Domenico zum Glauben an Jesus Christus. Dort fand er endlich die Antwort auf seine Frage und er beschloss, ein neues Altarbild zu malen.

Dieses Mal wollte er mit seinem Bild Jesu Liebe zu uns Menschen darstellen. Es sollte nicht mehr das Leiden, sondern Gottes unerschöpfliche Liebe zu uns zeigen und der Betrachter sollte dadurch zu einer Antwort aufgefordert werden. Unter das Bild schrieb er die Worte: „Das tat ich für Dich – was tust Du für mich?“

Domenico wollte mit diesem Bild kein Geld verdienen und so schenkte er es seiner Stadt. Die Stadt stellte es in einer Galerie aus und zahlreiche Menschen kamen, um es zu sehen. Domenico stand jeden Tag in der Nähe des Bildes, um die Reaktionen zu beobachten und um davon zu erzählen, was er erlebt hatte. Eines Tages fiel ihm dort ein junges Mädchen auf, das bitterlich weinte. Er ging zu ihr hin – es war Pepita. Und dieses Mal erzählte er ihr nochmal die Geschichte von Jesus, aber dieses Mal völlig anders. Er erzählte von einem Jesus, der sie so sehr liebte, dass er sogar für sie gestorben war. Pepita übergab ihr Leben Jesus.

Ungefähr hundert Jahre später kam Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf nach Düsseldorf und besichtigte ebenfalls die Galerie. Er blieb lange vor dem Bild von Domenico Feti stehen. Ihn packte die Frage: „Das tat ich für Dich – was tust Du für mich?“ Sie ließ ihn nicht mehr los und führte ihn dazu, dass er sein Leben ebenfalls Jesus weihte. Er gründete später ein Missionswerk wodurch wiederum Tausende von Menschen von Gottes Liebe zu uns Menschen hörten.

Das Bild existiert auch heute noch. Es hängt in der alten Pinakothek in München und gibt  auch heute noch jeden Tag die Frage weiter: „Das tat ich für Dich – was tust Du für mich?“

Wer gerne das Bild sehen möchte, findest es hier.

Gott erleben: Die Karwoche

Gran Canaria
Foto: K. Müller / nachgedachtblog

Wir befinden uns wieder einmal in der Karwoche. Übermorgen ist Karfreitag – der Tag, an dem wir an Jesu Tod denken. Manchmal frage ich mich ja schon, inwieweit der 0815-Bürger noch etwas mit diesen Tagen anfangen kann. Vermutlich nicht besonders viel – sonst wäre er dieses Jahr nicht Bestandteil des Wahlprogramms mancher Parteien in Baden-Württemberg gewesen. Es ging um die Frage, ob man Discos und Clubs an diesem Tag nicht öffnen könnte, da doch das Interesse an Vergnügen und Tanz groß sei und für viele dieser Tag keine Bedeutung mehr habe. Der Karfreitag scheint heutzutage nur ein traditioneller Feiertag zu sein – ohne Bedeutung für das Leben von heute.

Für mich persönlich ist Ostern sehr wichtig – vielleicht noch wichtiger als Weihnachten (auch wenn ich Weihnachten paradoxerweise größer feiere als Ostern). Es ist für mich aber auch weniger ein Fest zum Feiern (außer der Ostersonntag), sondern vielmehr eine Zeit des Nachdenkens und des „Sich-Besinnens“. Ich denke darüber nach, was es für mich persönlich bedeutet, dass Jesus für mich gestorben ist.

Noch bevor Jesus starb, ließen ihn sämtliche Freunde im Stich. Einer seiner Freunde verriet und ein anderer verleugnete ihn sogar. Er war einsam und verlassen. Durch die schwierigste Zeit in seinem Leben musste er ganz alleine gehen. Ende des vergangenen Jahres erlebte ich eine sehr schwierige Situation und ich war sehr froh für meine Familie und meine Freunde, die mich in dieser Zeit auffingen. Ich kann es mir nicht vorstellen, wie es ist, vollkommen alleine durch Schwierigkeiten hindurch zu gehen. Jesus hat es erlebt. Am Kreuz ruft er aus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (Markus 15,34 Neues Leben). Sogar sein Vater, mit dem er eine besonders enge Beziehung pflegte, schien sich in diesem Moment von ihm abzuwenden.

Vielleicht fühlst Du Dich im Moment alleingelassen. Du stehst in einer schwierigen Situation und weißt nicht mehr weiter. Du hast niemanden bei dem Du Dich ausweinen kannst oder der Dich auffängt. Dann denke an Jesus am Kreuz. Er versteht Dich gut – besser als Du ahnst. Ihm kannst Du alles sagen und er liebt es, Dir zuzuhören und Dich zu hören. Hans-Joachim Eckstein soll mal gesagt haben: „Gott will nicht Neues von uns hören. Er will uns hören – und das jeden Tag aufs Neue.“ Erzähle ihm von Deinen Sorgen und Problemen und ich bin überzeugt davon, dass Gott Dir Lösungen und Auswege dafür zeigen wird. In Jesaja 66,13: „Ich selbst werde euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet.“

Der Karfreitag erinnert mich daher immer daran, dass Leid zum Leben dazu gehört. Aber gleichzeitig lehrt es uns auch, dass wir nicht völlig allein damit sind. In Jesus haben wir jemanden, der uns versteht. Er weiß, was es heißt gemobbt zu werden, allein zu sein, Schmerzen zu haben und die Welt und Gott nicht mehr zu verstehen. Karfreitag hat für mich daher die Botschaft: Weil Jesus für Dich starb, bist Du nicht mehr allein im Leid oder in schwierigen Entscheidungen und Situationen! Er steht an Deiner Seite!

Darüberhinaus bedeutet der Karfreitag auch, dass Jesus meinen Platz einnimmt. Folgt man den Gedanken der Bibel, dann ist seit dem Sündenfall das Böse in der Welt und kein Mensch hat nach dem Tod ein Paradies verdient. Wir sind zu schlecht. Gottes Anforderungen sind zu hoch – keiner von uns könnte sie aus eigener Kraft erreichen. Vielleicht nur zwei Beispiele: Wer jemand anderen als Dummkopf bezeichnet, hat ihn bereits getötet – so führt es Jesus in seiner berühmten Bergpredigt aus. Ich weiß nicht wie oft ich damit schon lahme Autofahrer vor mir „umgebracht“ habe. Genauso ist es auch damit,  wenn man einen anderen nur begehrlich anschaut – Jesus sagt dazu, dass man in diesem Moment bereits die Ehe gebrochen habe. Das sind ganz schön harte Definitionen von Mord und Ehebruch. Hätten wir in Deutschland so harte Gesetze, wären unsere Gefängnisse randvoll gefüllt und die meisten von uns würden sich hinter den schwedischen Gardinen befinden.

Gott ist ein Gott, der liebevoll und gerecht in einem ist. Aus Gerechtigkeit darf nur in den Himmel, wer sündlos ist. Aus Liebe möchte er aber jeden Menschen dabei haben. Also gab es nur eine Möglichkeit: Er selbst musste Mensch werden, hier auf der Erde leben und zeigen wie ER wirklich ist und letzten Endes für die Menschen stellvertretend sterben. Wer nun erkennt, dass man es selbst gar nicht in den Himmel schafft und wer dieses Geschenk Gottes – nämlich den Tod Jesu – für sich annimmt, der wird gerettet werden.

Der Karfreitag erinnert mich daher daran, dass ich aus eigener Kraft nicht in den Himmel kommen kann. Meine Schuld ist einfach viel zu groß und zu schwer. Aber weil Jesus an meiner Stelle gestorben ist und damit meine Schuld bezahlt hat, kann ich ewiges Leben bekommen. Dadurch gibt es Hoffnung und Zukunft.

„Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat. Gott sandte seinen Sohn nicht in die Welt, um sie zu verurteilen, sondern um sie durch seinen Sohn zu retten.“ (Johannes 3,16.17 Neues Leben)